Weil Display-Tippen digitale Steinzeit ist

Massimiliano Bariola wollte, voll bepackt mit Einkaufstüten in der Tram, sein Smartphone bedienen. Doch als die Bahn bremste, verlor der IT-Ingenieur den Halt. Statt über den Beinahe-Unfall zu hadern, ließ er sofort sein Hirn arbeiten: Wenn der Mensch schon nicht zehn Hände hat, sollte er anders handlungsfähiger werden – ohne Displays drücken zu müssen. Bariola entwickelte noch in der Nacht den Ur-Prototyp seiner Art „Fernbedienung“ für technische Geräte. Alicia Sophia Hinon, MBA in International Entrepreneurship, erkannte gemeinsam mit Bariola das enorme Potenzial einer digital unterstützten menschlichen Hand – die Initialzündung des Startups EngageLabs mit seinem Produkt CROVE.

Intuition am Handgelenk

Am besten lässt sich das Smart Wearable als gut designter, gern genutzter „Handschuh“ vorstellen – mit einem hocheffizienten Innenleben aus Software und jeder Menge Sensoren. Während die Hände für die Kernarbeit frei bleiben, steuert CROVE intuitiv als Tool und Ansatz des Industrial Internet of Things vielfältige Vorgänge: Dazu zählen die vorausschauende Maschinenwartung, sprich „Predictive Maintenance“ oder auch Prüfprozesse. Die Anwendung hilft besonders Unternehmen mit hohem Instandhaltungsaufwand, Geld und Ressourcen zu sparen – Nachhaltigkeit ist Programm. Sie ist Teil einer Vision, Mensch und Technologie ebenso symbiotisch wie harmonisch zusammenzubringen.

BPW als Disziplinhilfe

Den Businessplan-Wettbewerb Berlin Brandenburg (BPW) schätzt Hinon sehr: „Er hat natürlich Prestige und gibt enorme Reichweite. Aber für uns war am wichtigsten, dass er konstant Aufmerksamkeit einfordert. Das Startup-Leben ist stressig und man kommt selten dazu, sich mal zehn Minuten konzentriert hinzusetzen. Aber der BPW fordert genau das. Und mit den drei Phasen und dem vielen Feedback machte es uns der Wettbewerb leicht, am Ball zu bleiben und einen fertigen Businessplan auf die Beine zu stellen. Das hilft uns natürlich jetzt bei Banken und Investoren.“

Marktreife im Fokus

Zurzeit besteht CROVE aus einem Team aus sechs festen und zwei freien Mitarbeitern in einem Büro in einer Gründerinsel der Technischen Universität (TU) Berlin. Momentan bereitet es Pilotprojekte mit Firmen in Berlin und deutschlandweit vor. „Ziel ist es zunächst, viele Nachweise zu erbringen, dass CROVE in allen Industrieprozessen mit hohem manuellen Dokumentationsaufwand einsetzbar ist und echten Mehrwert bietet“, sagt Hinon. Es geht darum, das Minimum Viable Product, kurz MVP, fertigzustellen: eine CROVE-Version, die zunächst zuverlässig das Notwendigste in sich vereint, um zu überzeugen. Nahziele sind die Nullserie sowie 2021 der Markteintritt. Langfristig peilt das Startup einen weltweiten Marktanteil bei in Industrien verwendeten Wearables von zehn Prozent an.
Geht es nach Hinon, sollte die Gesellschaft mehr Mut zum Gründen machen: Viele würden irgendwann ihre Ideale über Bord werfen, weil Neues wagen auch Scheitern bedeuten kann – und die Angst vor der Ungewissheit danach zu groß sein. Trotzdem rät das CROVE-Team allen, die beim BPW einsteigen: „Dranbleiben, Zähne zusammenbeißen und konzentrieren. Es lohnt sich!“

Finalisten vorgestellt

In unserer Portrait-Reihe stellen wir alle Finalisten eines jeden BPW-Jahres vor. CROVE hat den 3. Platz jeweils in der 1. Stufe von BPW Plan 2019 erreicht.

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