Was gehört in einen Businessplan? – Was ist wichtig in Stufe 1?

Am 26. November 2019 um 24 Uhr endet die erste Abgabefrist des BPW 2020! Daher widmen wir uns in diesem Beitrag der Frage: Was muss beim Erstellen des eigenen Businessplans (für die erste Stufe) beachtet werden? Den Fokus setzen wir dabei weniger auf allgemeine Informationen zum Inhalt. Diese Informationen sind im BPW-Handbuch zu finden. Viel spannender ist es doch zu erfahren, was sind typische Fallstricke und Fehlerquellen? Wer könnte uns dazu besser Auskunft geben, als ein Juror selbst? Andreas Voss, Unternehmensberater für Gründungs- und Strategieberatung bei der Concis Group! und mit einer langjährigen Erfahrung als Juror beim BPW. Für uns hat er die wichtigsten Punkte zusammengefasst, die es bei einem Businessplan zu beachten gilt.

Was macht einen guten Businessplan aus?

Grundsätzlich kann man sagen, dass der Businessplan die „Visitenkarte“ eines Gründungsvorhabens ist. Dementsprechend kommt es auch hier auf den berühmten „ersten Eindruck“ an. Eine klare und übersichtliche Struktur ist dabei ebenso unerlässlich, wie die Verwendung von Grafiken, um das Geschriebene optisch zu untermauern. Der Einsatz von Bildern und Illustrationen sollte wohldosiert sein, nur dann wertet er das Konzept auf und sorgt für einen angenehmen Lesefluss. Das Zünden eines Grafikfeuerwerks ist dabei ebenso fehl am Platze, wie eine monotone Textwüste.

„Angenehmer Lesefluss“ ist ohnehin ein wichtiges Stichwort: Da, in der Regel, oft mehrere Personen an der Entstehung eines Businessplan mitwirken, ist es wichtig, darauf zu achten, dass das Konzept wie „aus einem Guss“ wirkt. Damit die Einreichung nicht wie eine Aneinanderreihung von bunt zusammengewürfelten Einzeldokumenten anmutet, ist es von Vorteil, wenn eine Person die Endfassung übernimmt. So stellen Sie sicher, dass Formatierungen, Schrifttypen und Querverweise stimmig sind.

Mehr ist nicht immer besser

Ein „beliebter“ Fehler ist, dass häufig zu viel eingereicht wird. Die Vorgaben bezüglich der Umfänge sollten unbedingt eingehalten werden.

Gleiches gilt auch für den Detailgrad der Ausführungen. Für alle Kapitel des Businessplans gilt: Beschreiben Sie die Grundprinzipien und verlieren Sie sich nicht in Details. Im Zweifel können Sie weitere Ausführungen im Anhang aufführen.

Gründerinnen und Gründer brennen für ihre Idee, und das ist auch gut so. Schnell geraten sie ins Schwärmen, wenn sie ihre Vorhaben und das zugrundeliegende Konzept vorstellen. Bleiben Sie bei ihren Ausführungen dennoch sachlich: Ein vor Superlativen sprühender Werbetext ist unangebracht und sorgt beim Lesen eher für Skepsis und Voreingenommenheit. Gleiches gilt für eine zu kritische Darstellung des eigenen Projektes unter Hinweis auf diverse Fehleinschätzungen und Fehler der Vergangenheit.

An alles gedacht?

Damit der Businessplan inhaltlich vollständig ist, an dieser Stelle der Hinweis: Orientieren Sie sich an den Leitfragen aus dem BPW-Handbuch. Sie sorgen für einen roten Faden und stellen sicher, dass Ihr Konzept von allen Seiten beleuchtet wird. Außerdem erleichtert das den Jurorinnen und Juroren die Bewertung Ihrer Einreichung und die Punktevergabe.

Hätte, wäre, könnte

NIEMALS im Konjunktiv schreiben! Wenn wir Juroren, Banker und Investoren von unserem Konzept überzeugen wollen, sind ‚hätte‘ sowie ‚wäre‘ und ‚könnte‘ keine vertrauenerweckenden Formulierungen“, empfiehlt Andreas Voss.

Seien Sie ehrlich zu sich selbst und gegenüber den Juroren. „Bitte nicht so tun, als wenn man schon weiter wäre, als man tatsächlich ist. Jede Phase in einem Projekt ist wichtig und es gibt nicht mehr Punkte, wenn man angeblich schon einen Schritt weiter ist als es der Fall ist.“, sagt Andreas Voss.

Nun zu den Einreichungen in der ersten Stufe. In dieser Phase des BPW stehen die Idee und das Gründerteam im „Scheinwerferlicht“.

Bring es auf den Punkt oder: Wie schreibe ich eine Zusammenfassung?

Auch wenn dieser Block ganz am Anfang des Businessplans steht, empfiehlt es sich, die Zusammenfassung immer als Letztes zu schreiben. Sie sollte kurz (maximal 5- 10 Minuten Lesezeit), prägnant und einfach verständlich sein. Die Zusammenfassung ist in Bezug auf ihre Wichtigkeit nicht zu unterschätzen: Gerade Kapitalgeber schauen sich immer zuerst die Zusammenfassung an und entscheiden dann, ob sich das Weiterlesen lohnt. Eine schlechte Zusammenfassung weckt im ungünstigen Fall also kein Interesse, den gesamten Businessplan zu lesen und führt dann auch nicht zu einer Unterstützung durch den Finanzierer oder Investor.

Produkt/Dienstleistung

Die Beschreibung des Produkts bzw. der Dienstleistung ist das wichtigste Element eines jeden Geschäftskonzeptes. Gerade in diesem Block verstecken sich allerdings mehrere Fallstricke, die es zu beachten gilt:

Die erste Herausforderung besteht hier darin, das Produkt bzw. die Dienstleistung klar und verständlich zu beschreiben. Keine Fachsprache verwenden. Schreiben Sie so, als ob Sie einer fremden Person Ihr Konzept erläutern, der oder die keine (technischen) Vorkenntnisse zum vorgestellten Thema hat. Dabei aber bitte nicht in zu einfache Hauptsätze verfallen. Es geht um die richtige Balance. Fokussieren Sie sich auf die innovativen Merkmale Ihres Produktes bzw. Ihrer Dienstleistung und heben Sie deutlich hervor, was es so einzigartig macht gegenüber der Konkurrenz (Alleinstellungsmerkmal).

Eine häufige Fehlerquelle in diesem Segment ist auch, dass der Kundennutzen nicht deutlich genug herausgestellt wird. Oft wird dieser zu sehr aus Sicht der Gründerin oder des Gründers betrachtet. Zeigen Sie dem Kapitalgeber und dem Kunden, welches echte Problem des Kunden Sie lösen wollen und welcher Nutzen diesem durch Ihr Angebot verschafft wird. Begehen Sie hier nicht den Fehler, die Antwort auf diese Frage selbst zu geben, sondern beschaffen Sie sich die Informationen direkt von Ihren potentiellen Kunden und fragen Sie, wie Ihr Angebot sein müsste, damit es gekauft wird:

Die Kunden suchen nicht nach einem smarten Produkt mit vielen technischen Finessen oder einer App, „die alles kann“, sondern nach Zeit- und Kostenersparnis, nach Qualität, nach Individualität und Exklusivität, nach Lebensgefühl usw.

A propos „Kunde“: Wer ist eigentlich Ihre Zielgruppe? Seien Sie bei der Beantwortung dieser Frage präzise und realistisch. Die Anforderungen konkretisiert Andreas Voss wie folgt: „Schreiben Sie dabei NIEMALS Zielgruppe „ALLE“. Beschreiben Sie den Nutzen des ERSTEN Produkts für die ERSTE Nutzergruppe. Dabei auch bitte nicht behaupten, dass sie mit Ihrem Angebot konkurrenzlos sind. […] Es gibt immer eine Alternative. Und wenn es tatsächlich keine Alternative oder irgendetwas ähnliches auf dem Weltmarkt gibt, gibt es wahrscheinlich auch keinen Markt.“

Keine One-Man-Show, sondern ein Gründerteam

Eine Idee kann noch so revolutionär und einzigartig sein. Ohne die richtigen Köpfe dahinter kann kein Gründungsprojekt erfolgreich sein. Das Team ist Ihr wichtigstes Kapital und jedes Mitglied der Gründungsmannschaft hat individuelle Fähigkeiten, die Sie in diesem Segment des Businessplans hervorheben müssen. Gehen Sie das Thema so an, als wenn Sie sich mit Ihrem gesamten Team bei Ihrem zukünftigen Unternehmen bewerben wollen.

Weder die Kapitalgeber noch die BPW-Juroren erwarten, dass alle für das Startup erforderlichen Skills in der Person der Gründerin bzw. des Gründers vereint sind bzw. dass das Team alle Fähigkeiten aufweisen kann. Wer das behauptet, ruft beim Leser mindestens Skepsis hervor. Schätzen Sie sich und Ihr Team wirklichkeitsgetreu ein. Wenn fehlende Fertigkeiten durch externe Ansprechpartner (z. B. Steuerberater, Werbeagentur etc.) gedeckt und diese hierbei benannt werden, ist das realistisch und damit auch völlig in Ordnung.

Es empfiehlt sich, die Lebensläufe und Referenzen dem Anhang beizufügen, sodass sich Leser Ihres Geschäftskonzeptes bei Bedarf zusätzlich einen Überblick verschaffen können.

Zu guter Letzt einer der wichtigsten Hinweise: Lassen Sie Ihre Ausführungen von einer Person gegenlesen, die a) keine Vorkenntnisse zum vorgestellten Thema hat und b) ein offenes und ehrliches Feedback geben kann. Nur so erfahren Sie, ob alles verständlich und nachvollziehbar ist.

Übrigens, all diese Hinweise lassen sich auch komplett auf das Business Modell Canvas übertragen. Zu der Art des Konzeptes hat Andreas Voss eine sehr klare Meinung: „Canvas ist Canvas und Plan ist Plan! Das sind zwei unterschiedliche Tools und beide haben ihre Vorzüge. Sie entscheiden, welches Tool Ihnen besser gefällt und das nutzen Sie dann. Es gibt hier kein richtig und falsch.“