Von Sommerglut, großen Ideen und einer Glitter-Wolke

Selten hat „Club Tropicana“ von „Wham“ so gut als Soundtrack für Vitalität gepasst: Meteorologisch waren die Gäste des dritten und letzten Prämierungsabend des Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) längst auf sommerlicher Betriebstemperatur. Inspirierte Pitches, spannende Preisvergaben und entspanntes Netzwerken, und das in einer Investitionsbank Berlin (IBB), die voller Pflanzen und noch mehr Charme war. Das neue Mitglied der Geschäftsleitung Angeliki Krisilion ließ sich als Gastgeberin des Abends gleich von der besonderen Atmosphäre anstecken und sieht die Gründungsszene, das Kümmern um Startups und das Engagement für den BPW als eine Hauptsäule ihrer Arbeit: „Hier macht Förderung einfach den meisten Sinn. Es gibt die Ideen und Konzepte, aber es hakt am finanziellen Spielraum bei den Startups. Durch unsere Unterstützung können wir das ausgleichen und damit die guten Ideen und Konzepte konkret bewerben und verbreiten.“

Die beeindruckenden Zahlen des BPW passen dazu: Das BPW-Projektteam aus Christina Arend, Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), Dirk Maass und Anna Schneckker, IBB Business Team GmbH (IBB) und Madlen Dietrich, Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) hatte da einiges auf Lager: Wie wäre es etwa mit einer achtzehnprozentigen (!) Steigerung der Zahl der Teilnehmenden auf 275 Gründerinnen und Gründer? Diese Kurve kennt kaum ein Businessplan. In allen drei Wettbewerbsphasen wurden zudem exakt 513 Pläne eingereicht. Und man war dicht dran an der Zielgruppe – auf abwechslungsreichen 139 Veranstaltungen! Das hat Wirkung, auch auf die Unis und Hochschulen. Die engagierten sich einmal mehr: TU Berlin und Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) errangen diesmal die Ideenschmiede-Plakette als gründungsaktivste Hochschulen in Berlin bzw. Brandenburg. Die Gründungsaktivitäten der Studierenden selbst wurden an diesem Abend auch geehrt. Die Auszeichnung BPW Study gewann das Team re:start der TU Berlin, in Brandenburg errangen Fresher und Whats2doo, beide von der EU-Viadrina Frankfurt (Oder) die gleiche Punktzahl.

Heißer sein als die Temperaturanzeige – kein Problem für die Finalteams bei BPW Canvas. Die mussten nicht nur, die wollten auch pitchen  – und das kam rüber: In einer furiosen Abfolge setzte sich das Team BeesonGroup mit ihrem genialen „Biene trifft-Blüte“-Konzept durch: ein ausgeklügeltes Bestäubungsmanagement für die Landwirtschaft. Mitwerber waren AIVY mit ihrer Berufsfindungsapp und MyHelpBuddy, ein Online-Marktplatz, der internationale Akteure mit lokalen Akteuren in Deutschland verbindet, die dann durch die Bürokratie hindurchhelfen.

Der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg ist unter den klassischen Preiswettbewerben ein Vorreiter beim Thema Nachhaltigkeit – nicht nur, aber besonders mit einem entsprechenden Sonderpreis Nachhaltigkeit, den der BPW zusammen mit dem Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit verleiht. Diesen holten sich ME Energy mit ihrer strom- und ortsunabhängigen Ladesäule für Elektromobilität – und kehrten später noch einmal auf die Bühne zurück … Doch auch HEDERAS mit ihrem Datenerfassungssoftware-Konzept und thingk.systems mit ihrem kosten- und umweltfreundlichen Werkzeug-Sharing hatte die Jury Respekt gezollt.

Das auch noch einmal an den erstmalig vergebenen BPW-Sonderpreis Energie, ausgelobt von den Premiumpartnern InnoEnergy und Siemens, erinnert wurde, war mehr als stimmig: Die Sieger solarworx stehen mit kostengünstiger Stromerzeugung in Entwicklungsländern nämlich auch für Nachhaltigkeit.

Ein echter Blitzmoment war dann die Preisvergabe in der Kategorie BPW Plan: Erstmal gab es reichlich Beifall bei Platz drei für das Team edrøm. Es kann mit einem Mini-Spezialmotor immer und überall Strom erzeugen. Überzeugend auf Platz zwei: das Team BRIVE. Es optimiert die Nutzung von Fahrzeugflotten zum Vorteil der Fahrenden, des Unternehmens und der Umwelt. Der Sieg aber brachte Jubel aus vertrauter Ecke. Nach dem Sonderpreis Nachhaltigkeit räumte ME Energy auch den Sieg bei BPW Plan ab. Co-Gründer Alexander Sohl blieb aber auf dem Boden: „Wir haben echt gedacht, jetzt sind mal andere dran und dann das. Aber wir haben uns irre gefreut. Wir konzentrieren uns jetzt weiter voll auf das Produkt. Das Ziel heißt: Serienreife Ende 2020!“

Normalerweise werden dann die Überraschungen bei Prämierungen knapper – doch nicht bei dieser: Dirk Maass, zehn Jahre eines der einprägsamen Gesichter des BPW-Projektteams, bekam zum „Bühnenabschied“ ein emotionsgeladenes Ehrenfinale: Schwer gerührt musste der Mann, der lieber die Teams statt sich feiern ließ, einen liebenswerten Erinnerungsstreifen, viele Drücker und einen Glitzerregen vom Dachhimmel über sich ergehen lassen. Klar, dass Dirk Maass mit einem lachenden und einem weinenden Auge Bilanz ziehen musste: „Die Location ist vielleicht eine der schönsten hier. Und auch die starken Teams und Superideen waren einmal mehr klasse. Und ganz ehrlich, wegen meinem eigenen Abschied war ich auch etwas aufgeregt.“ Da hatte Mr. BPW wohl den siebten Sinn …

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