Dos and Dont´s in Verträgen mit Venture Capital-Gebern

Venture Capital wird zu einer immer beliebteren Finanzierungsform für Startups. Die Vertragsgestaltung ist oftmals komplex und es lauern viele Fallstricke. Unser Gastautor Rechtsanwalt Dr. Moritz Brocker zeigt wichtige Aspekte auf, die in Beteilgungsveträge geregelt werden sollten.

Die Wachstumsfinanzierung junger Unternehmen geht regelmäßig nur über die Aufnahme von Finanzinvestoren – sei es von Venture-Capital-Fonds oder Business Angels („Investor“). Die Beteiligung des Investors erfolgt typischerweise in der Form eines Beteiligungsvertrages. Die Gründungsgesellschafter („Gründer“) verpflichten sich hier zur Durchführung einer Kapitalerhöhung in der Gesellschaft (unter Ausschluss des eigenen Bezugsrechts). Zusätzlich zur Übernahme der neuen Geschäftsanteile verpflichtet sich der Investor regelmäßig zur Zahlung eines Aufgeldes auf den neu erworbenen Geschäftsanteil oder zur Zahlung einer weiteren Einlage in die Kapitalrücklage der GeseIlschaft. Die Einzelheiten der Rechtsbeziehungen zwischen Investor und Gründer werden im Beteiligungsvertrag geregelt, den es in jedem Falle individuell zu gestalten sind.

Ein Überblick über einige der wichtigsten Stolpersteine aus Sicht der Gründer:

  1. Realistische Milestones definieren

Zwecks Risikominimierung und um Bewertungskorrekturen zu erreichen, werden in Beteiligungsverträgen regelmäßig Zielvorgaben vereinbart, die die Gesellschaft erreichen muss, um die Bewertung zu begründen (Meilensteine). Die Erreichung der Meilensteine ist relevant für die Frage, ob die ursprüngliche Unternehmensbewertung zu korrigieren ist oder die Investitionssumme ausgezahlt wird. Um Streitpotential zu vermeiden, sollten Gründer frühzeitig – gerade bei erfolgsorientierten Meilensteinen – auf eine transparente Festlegung der Ziele drängen und darauf achten, dass die bestimmbar und erreichbar sind (z.B. definierter Umsatz pro Jahr, bestimmte Wachstumsrate und sonstige branchenbezogene Key Performance Indikators – KPIs).

  1. Transparentes Vesting

Beteiligen sich Investoren an einem Start-up, dann sind sie in aller Regel nicht nur von der Idee, sondern auch vom Gründerteam überzeugt und haben ein Interesse daran, dieses an das Unternehmen zu binden. Motivationsfördernd sind hier Vesting-Modelle. Der Gestaltungsspielraum solcher Klauseln ist groß. Kernelement ist stets, dass Gründer ihre Beteiligungen verlieren, wenn sie ihre Tätigkeit für das Unternehmen innerhalb eines bestimmten Zeitraums (Vesting-Periode) vorzeitig beenden, wobei regelmäßig ein gestaffeltes Vesting vorgesehen wird – d.h. je später ein Gründer ausscheidet, umso geringer ist der Verlust an Anteilen. Weiter wird regelmäßig unterschieden, ob es sich (i) um ein Bad Leaver Event handelt, also vom Gründer zu vertreten ist (Folge: niedriger Anteilspreis) oder es sich (ii) um ein Good Leaver Event (Folge: höherer Anteilspreis) handelt. Aus Gründersicht ist hier besonders aufzupassen und gerade die Bad Leaver Fälle und die Höhe der Abfindung sollten besonders klar definiert werden, um ein transparentes und erfolgreiches Vesting zugunsten des Gründers sicherzustellen.

  1. Augen auf bei der Vereinbarung von Erlös und Liquidationspräferenzen

Beteiligungsverträge enthalten meist auch Regelungen zur Erlösverteilung und Liquidationspräferenzen zu Gunsten des Investors. Dabei gilt grundsätzlich das Prinzip „Last in, first out“, d.h., der vor Exit zuletzt Investierende erhält die ranghöchste Präferenz. Hier können diese zum Beispiel im Vertrag festlegen, dass im Falle einer Veräußerung des Unternehmens der Veräußerungserlös vorrangig dem Investor zugewiesen wird. Damit soll erreicht werden, dass die Investoren ihr eingesetztes Kapital und eventuell sogar eine Garantieverzinsung auf ihr Invest erhalten. Erst wenn solche Ansprüche befriedigt sind, wird der überschüssige Erlös an die übrigen Gesellschafter verteilt. Da diese Regelungen sehr komplex ausfallen können, sollten die Gesellschafter die Auswirkungen der Liquidationspräferenzen frühzeitig mit Blick auf die Erlösverteilung prüfen und Beispielrechnungen aufstellen. Aus Gründersicht sollte überdies verhandelt werden, ob der Investor an der Verteilung der verbleibenden Veräußerungserlöse uneingeschränkt teilnimmt oder ob die Präferenzzahlungen anzurechnen sind. Möglich ist auch, dass die Liquidationspräferenz entfällt, wenn der Veräußerungserlös einen bestimmten Betrag überschreitet.

  1. Verwässerungsschutz

Ist eine Durchfinanzierung nicht gewährleistet, besteht bei schlechtem Geschäftsverlauf das Risiko, dass der Einstiegspreis bei einer weiteren Finanzierungsrunde sinkt (Down Round). Hiervor sucht sich der Investor Verwässerungsschutzklauseln zu schützen, die es ihm erlauben weitere Geschäftsanteile zum Nominalwert zu erwerben. Aus Sicht der Gründer sollte der Investor sich jedoch nicht grundsätzlich gegen eine negative Wertentwicklung der Gesellschaft absichern können. Dies ginge einseitig zu Lasten der Gründer. Für den Fall einer Down Round wird regelmäßig eine nachträgliche Anpassung des vom Investor bezahlten Preises vorgesehen, indem dieser von den Gründern oder über ein Bezugsrecht so viele Anteile erhält, bis er die Anzahl an Anteilen hat, wie er hätte, wenn er seine Investition zu der niedrigeren Bewertung geleistet hätte (Full Ratchet). Aus Gründersicht vorzugswürdig ist die Weighted-Average Methode. Hier findet Berücksichtigung, in welchem Umfang neue Anteile zu der niedrigeren Bewertung ausgegeben werden und es wird der Durchschnittspreis beider Finanzierungsrunden ermittelt. Gründer sollten überdies darauf hinwirken, dass der Verwässerungsschutz (i) zeitlich limitiert oder (ii) auf die nächste (höhere) Finanzierungsrunde beschränkt wird.

  1. Drag-along und Tag-along

Nach dem Einstieg ist vor dem Exit. Daher ist bereits bei der Gestaltung des Beteiligungsvertrages der Blick auf die spätere Veräußerung zu richten. Mitverkaufsrechte (Tag-along-Klauseln) und Mitverkaufspflichten (Drag-along-Klauseln) erfreuen sich mittlerweile auch in vielen Beteiligungsverträgen immer größerer Beliebtheit. Bei Mehrheits- und Minderheitsgesellschaftern bestehen hier klassischerweise divergierende Interessenlagen. Minderheitsgesellschafter haben das Interesse, nicht durch die Dominanz des Mehrheitsgesellschafters übervorteilt zu werden und nach dessen Ausscheiden nicht in einer illiquiden Position zurückzubleiben. Hier können Tag-along-Klauseln helfen. Diese berechtigen (in der Regel den Minderheitsgesellschafter), seine Geschäftsanteile einem erwerbswilligen Dritten zu den gleichen Konditionen wie der verpflichtete (Mehrheits-)Gesellschafter zu verkaufen. Der veräußerungswillige Mehrheitsgesellschafter sieht sich hingegen häufig dem Wunsch des Erwerbers zur Übernahme von 100% der Geschäftsanteile (also auch der vom Minderheitsgesellschafter gehaltenen) ausgesetzt. Aus Gründersicht ist eine zeitliche und betragsmäßige Begrenzung der Mitveräußerungspflicht im Zweifel ratsam (z.B. Mitveräußerungspflicht nur dann, wenn der Veräußerungspreis nicht unter der Unternehmensbewertung der letzten Finanzierungsrunde liegt).

  1. Garantien

Der Investor lässt sich grundsätzlich Garantien von den Gründern geben. Sollten bereits andere Investoren Gesellschafter sein, werden diese allerdings nur begrenzt bereit sein, Garantien abzugeben. Aus Sicht der Gründer sollten die Garantien im Zweifel auf „best knowledge“ beschränkt sein und die Vereinbarung über Garantien sollte deutlich als abschließende Regelung der Mängelansprüche und -haftung formuliert sein. Betragsmäßige Haftungsbegrenzungen („caps“) und die Vereinbarung kurzer Verjährungsfristen sind aus Gründersicht weitere sinnvolle Verhandlungsziele.

Fazit:

Beteiligungsverträge sind komplex und die Fallstricke lauern – wie so oft – im Detail. Gute Lösungen gibt es nicht von der Stange. Eine solide Vorbereitung und individuelle Gestaltung des Vertragswerkes ist daher – gerade aus Sicht der Gründer – wichtig, um langfristig gut und erfolgreich mit dem Investor zusammenzuarbeiten. Aus diesem Grunde lohnt es sich, frühzeitig einen geeigneten Berater einzubinden, der den Prozess von Beginn an begleitet und im Sinne der Gründer steuert.

Kontakt

Brocker_14108228_1

Dr. Moritz Brocker
Rechtsanwalt
BEITEN BURKHARDT Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Kurfürstenstraße 72-74
10787 Berlin
Telefon: (030) 26471 – 248
Fax: (030) 26471 – 225
www.bblaw.com/

Hinterlasse eine Antwort