Guter Kontakt zur richtigen Zeit

Beim Umkrempeln der Logistik-Branche nutzte Synfioo auch den BPW

Es ist nicht stylish, nicht plakativ, benötigt keinen Karton – aber das Produkt der Synfioo GmbH aus Potsdam-Babelsberg krempelt gerade eine ganze Branche um: ein komplexes Vorhersagesystem, eine raffinierte Jonglage aus einer Unmenge von Daten, damit Logistiker bei ihren Frachttransporten auf der ganzen Welt logistische Widrigkeiten bereits im Keim ersticken können. Bislang müssen Disponenten, etwa von Speditionen, bis zu 100 Transporte gleichzeitig im Computer per Hand durchklicken. Sie verfolgen die Touren so gut wie möglich und versuchen, entstehende Hindernisse für die Pünktlichkeit der Lieferungen aus dem Weg zu räumen. Intuition und Erfahrung sind neben Schnelligkeit und Auffassungsgabe ihre wichtigsten Instrumente. Doch die Branche wird immer schneller, verzeiht immer weniger Stehzeiten und Hindernisse: Wenn zu oft dringende Lieferungen an überfüllten Terminals oder verstopften Grenzübergängen versauern, werden auch die Kunden sauer – und gehen.

Hier setzt die so genannte ETA-Analyse von Synfioo an. Die drei Buchstaben stehen für „Estimated time of arrival“, zu Deutsch „Erwartete Ankunftszeit“. Das Unternehmen zapft alle nur denkbaren, meist sogar öffentlich verfügbaren Datenquellen an, zum Beispiel die Sites des polnischen Zolls zur Auslastung der Übergangsstelle oder jene von Häfen, die die Abfahrtszeiten von LKW-Fähren dokumentieren. Hunderte oder gar tausende von Parametern, unmöglich einzeln im Blick zu behalten, kommen so zusammen. Der große Wurf von Synfioo ist es, unter anderem auch mit künstlicher Intelligenz, alles in umfassende Algorithmen einzuspeisen. Heraus kommt nicht nur eine bloße Fahrzeitberechnung, sondern eine komplette Transportprozess-Vorschau. „Da ist der Weg des Fahrers von zu Hause genauso einberechnet wie seine gesetzlichen Ruhezeiten, die Schlange vor der Verladerampe oder die Unterbesetzung der Hafenverwaltung“, sagt Marian Pufahl. Der junge Familienvater ist einer der Gründer und leitet gemeinsam mit Dr. Andreas Meyer das Unternehmen. Im Oktober 2015 mit drei Mitarbeitern gestartet, sind es heute mehr als ein Dutzend.

Der Sachverstand des Startups trägt ein international renommiertes Gütesiegel: das Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam ist der wissenschaftliche Zellkern der Firma. Dort brachte ein EU-gefördertes Forschungsprojekt für nachhaltige, umweltfreundlichere Logistik Echtzeitanalyse und Planungsalgorithmen als wichtige Teilaspekte hervor. Diese Ergebnisse faszinierten die beteiligten Unternehmensvertreter. Die als innovativ geltende niederländische Spedition Jan de Rijk Logistics wagte als erste ein Pilotprojekt mit den ambitionierten Studenten.

Doch die nahmen nicht etwa die Arbeit der vergangenen Monate unter den Arm und starteten damit eine Firma. „Wir haben viel über ‚Trial and Error‘ gelernt, doch das war noch nicht das Produkt von heute. Um es klar zu sagen: Wir haben keine Zeile Code mitgenommen, haben alles neu aufgesetzt“, hebt Pufahl hervor. Beim Pilotprojekt in den Niederlanden lief die Software auch noch nicht mit Automatismen, der Disponent behielt die letzte Hoheit. Heute läuft Synfioo-Knowhow auch bei vielen anderen Kunden, integriert in deren Haus-IT-Systeme. Denn nichts außer der Grundidee ist „von der Stange“, alles wird individuell komponiert.

Der Weg zu dieser Professionalität führte, noch in der Vorgründungsphase, auch über den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW). Synfioo-Managing Director Pufahl nennt die Gründertugenden beim Namen: „Planen ist immer gut, man kann immer noch etwas lernen“, sagt er und erinnert sich an die Kraftschübe, die Synfioo durch den BPW erhielt. „Es ist einfach gut, wenn man ein Konzept anderthalb Stunden mit einem versierten Rechtsanwalt durchsprechen kann. Wir haben auch einen Themenworkshop zum Thema Marketing besucht, das hat den Blick erweitert und geschärft. Da war der Weg auch nicht mehr weit, uns nicht nur beraten zu lassen, sondern uns direkt beim Wettbewerb anzumelden.“

Ein erfolgreiches Unterfangen, im Finale des BPW 2015 errang Synfioo den dritten Platz samt zugehörigem Preisgeld. „Der BPW, das war der gute Kontakt zur richtigen Zeit“, resümiert der Geschäftsführer. Und die Zukunft der „ETA-tisten“ scheint verheißungsvoll. Pufahl: „Das Speditions- und Logistikwesen ist eine ziemlich konservative Branche – und hat noch viel Handlungsbedarf. Das ist unser Markt.“ Erwartete Ankunftszeit für die Zukunft: Klopft schon an.

Weitere Infos: https://www.synfioo.com/de

Foto: (c) Synfioo

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