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Welche Rechtsform für Eure Gründung?

Liebe Teilnehmerinnen, Teilnehmer bzw. Leser unserer Beiträge 🙂 Wir hoffen, Ihr schreibt bereits fleißig am dritten Teil Eures Konzeptes? Dann dürftet Ihr auch über das Thema Rechtsform stolpern. Eine Überlegung, die Euch als angehende Gründerinnen und Gründer noch vor eine große Herausforderung stellen wird. Um Euch ein wenig Durchblick zu verschaffen, haben wir noch einen Gast-Beitrag von  Christian Hipp, Rechtsanwalt bei BEITEN BURKHARDT.

Bevor sich die Frage nach der Wahl der passenden Rechtsform beantworten lässt, muss man sich zunächst im Klaren sein, wie das künftige Unternehmen aussehen soll. Gründest Du allein oder im Team? Woher kommen das notwendige Kapital und Know-how und welches Risiko bist Du bereit einzugehen?

Folgende Schritte führen erfahrungsgemäß zu einer ersten Abgrenzung bei der richtigen Rechtsformwahl:

Wie viel Startkapital wird  Anfangszeit für das Unternehmen benötigt und welche Gründungskosten stehen dazu in einem vernünftigen Verhältnis?

Der finanzielle Gründungsaufwand fällt je nach Rechtsform unterschiedlich aus. Grundsätzlich sind Kapitalgesellschaften bei den Gründungskosten teuer als Personengesellschaften, da ein Notar benötigt wird. Bei der Gründung einer Kapitalgesellschaft, zum Beispiel eine GmbH, muss ein Mindestkapital von EUR 25.000 aufgebracht werden. Dieses bleibt der neuen Gesellschaft zwar erhalten und kann im Geschäftsbetrieb eingesetzt werden unterliegt aber bestimmten Beschränkungen. Eine Ausnahme stellt die Unternehmergesellschaft dar (Mini-GmbH). Bei dieser Variante reicht ein Euro als Kapital. Anfallende Gewinne dürfen nicht vollständig ausgeschüttet werden, sondern dienen dazu, das Mindeststammkapital der GmbH anzusparen.

Bei einer Personengesellschaft braucht es kein Mindestkapital. Zu den Personengesellschaften gehören die Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR), die Offene Handelsgesellschaft (OHG) und die Kommanditgesellschaft (KG) sowie die Partnergesellschaft für Freiberufler. Gründer, die nicht im Team gründen, , können dies übrigens auch als Einzelunternehmer tun, dann wird kein Gesellschaftsvertrag benötigt.

Was bedeutet die Rechtsformwahl für die Haftung?

Personen- und Kapitalgesellschaften unterscheiden sich wesentlich bei der Haftung der Gesellschafter. Gründer die bereit sind für die Verbindlichkeiten ihres Unternehmens auch mit privatem Hab und Gut einzustehen, können als Einzelunternehmer tätig werden oder eine GbR, OHG, KG oder Partnergesellschaft gründen.
Soll der Zugriff zukünftiger Gläubiger jedoch auf das Gesellschaftsvermögen begrenzt werden, geht es die Gründung einer Kapitalgesellschaft (GmbH, AG, UG). In der Praxis verlangen Banken jedoch häufig auch persönliche Bürgschaften von den Gesellschaftern, so dass Gründer dann letztlich doch wieder mit ihrem Privatvermögen haften.

Welcher Verwaltungsaufwand entsteht bei der jeweiligen Rechtsform?

Steuerliche Aspekte sind ein komplexes Thema. So individuell wie die persönlichen Verhältnisse sind, können auch die steuerlichen Implikationen einer Unternehmensgründung sein. Grundsätzlich gilt: Gründerinnen und Gründer sollten bei Bedarf mit dem Steuerberater verschiedene Varianten durchrechnen und die günstigste Variante auswählen. Beispielsweise entstehen in der Anfangsphase eines Unternehmens oftmals spiegelbildlich zu den Investitionen Verluste. Diese können je nach Rechtsform unterschiedlich steuerlich in Abzug gebracht werden.

Bei Einzelunternehmen oder einer GbR, können Verluste aus der Anfangszeit nachträglich mit Einkünften aus dem letzten Jahr verrechnet werden. Das Finanzamt muss dann teilweise sogar alte Steuern erstatten (Verlustrücktrag). Bei der GmbH oder UG geht das jedoch nicht. Hier können Verluste aus der Startphase nicht sofort mit anderen Einkünften verrechnet werden, sondern erst mit zukünftigen Gewinnen der Gesellschaft. Kapitalgesellschaften wie die GmbH sind zudem immer gewerbesteuerpflichtig, können jedoch auch das Gehalt des Geschäftsführers als Betriebsausgabe absetzen. Einzelunternehmen und Personengesellschaften können sich dagegen auf einen Gewerbesteuerfreibetrag von EUR 24.500 berufen. Generell gilt, dass die Erträge von Personengesellschaften der Einkommenssteuer unterliegen und Gewinne aus Kapitalgesellschaften der Körperschaftssteuer.

Buchführungspflicht. Laut Gesetz sind bestimmte Unternehmen zu einer vollständigen doppelten Buchführung verpflichtet. Dazu gehören das Erstellen des Jahresabschlusses sowie der Gewinn- und Verlustrechnung. Verpflichtet sind alle Kaufleute, also Unternehmer, die ein selbstständiges Handelsgewerbe betreiben sowie alle Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, UG). Nicht-Kaufleute sind zur Buchführung nur verpflichtet, wenn der jährliche Gewinn aus Gewerbebetrieb einen Betrag von EUR 50.000 übersteigt oder die Umsatzgrenze von EUR 500.000 Euro überschritten wird. Personengesellschaften oder Einzelunternehmen sind auch zur Buchhaltung verpflichtet, wenn sie sich freiwillig in das Handelsregister eintragen lassen. Freiberufler und Nicht-Kaufleute sind dagegen von der Buchhaltungspflicht befreit. Aber auch Kleingewerbe und einfach strukturierte Handelsbetriebe sind von der Buchführungspflicht befreit und müssen dem Finanzamt nur eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung vorlegen. Hierbei sind von den jährlichen Einnahmen die Ausgaben abzuziehen. Die verbleibende Differenz ist dann das positive oder negative Jahresergebnis.

Beachtet allerdings, dass der vorliegende Beitrag eine individuelle Beratung nicht ersetzen kann. Mit den vorgenannten Kriterien könnt Ihr die zur Auswahl stehenden Rechtsformen jedoch schon erheblich einschränken.  Arbeitet Ihr mit einem Partner zusammen, sollten Absprachen gleichwohl immer schriftlich getroffen werden – dann erinnert man sich auch noch später daran!

Kontakt

BHipp

Christian Hipp
Rechtsanwalt
BEITEN BURKHARDT Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Kurfürstenstraße 72 – 74
10787 Berlin
Telefon: (030) 26471 – 248
Fax (030) 26471 – 225
www.bblaw.com/

Und? Habt Ihr nun mehr Durchblick bei den Rechtsformen? Dann sollte Euch dieses Kapitel doch leicht von der Hand gehen.

Wir wünschen Euch nun weiterhin viel Erfolg bei den Kapiteln der 3. Wettbewerbsphase. Die detaillierten Beschreibungen findet Ihr außerdem in unserem digitalen Handbuch!

© Pixabay / BEITEN BURKHARDT Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

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