Rechtsform, Haftung, Kapital – den Paragrafen-Dschungel erfolgreich durchkämpfen

Gründerinnen und Gründer müssen sich neben ihrem Produkt und ihrer Dienstleistung auch mit vermeintlich weniger spannenden Themen beschäftigen: Welche Rechtsform wähle ich und warum? Wer haftet und wie viel Kapital wird benötigt? „Entscheidungen, die nicht leichtfertig getroffen werden sollten“, erklärt Rechtsanwalt Martin Binder (LJRR Rechtsanwälte Partnerschaft mbB).

Kriterien durchgehen, checken, für passende Rechtsform entscheiden

Die Gründungsidee steht! Aber in welcher Rechtsform soll ich gründen? Grundsätzlich muss unterschieden werden, ob eine Personengesellschaft, beispielsweise eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder eine offene Handelsgesellschaft (OHG), gegründet werden soll oder eine Kapitalgesellschaft, also zum Beispiel eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder eine Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) (UG). „Gründerteams sollten sich zusammensetzen und die wichtigsten Kriterien klären. Wie sollen Finanzierung, Besteuerung, Haftung und die Vertretung nach innen und außen gestaltet sein. Wer diese Fragen für sich beantworten kann, findet dann die passende Rechtsform“, sagt Binder. Die Rechtsformwahl spielt nicht nur für die nahe, sondern für die gesamte Zukunft der Gesellschaft eine Rolle. „Zwar kann eine falsche Wahl der Rechtsform korrigiert werden. Spätere Rechtsformwechsel, Umwandlungen oder Einbringungen können jedoch teuer werden“, zeigt Binder auf. 

Punkt 1: Form

Eine Personengesellschaft kann grundsätzlich formfrei gegründet werden. Bei einer Kapitalgesellschaft braucht es dagegen etwas mehr. Hier wird ein Gesellschaftsvertrag benötigt, der notariell beurkundet werden muss.

Punkt 2: Geschäftsleitung und Vertretung nach innen und außen

Wer ist hier der Boss? Bei einer GbR sind grundsätzlich alle Gesellschafter auch Geschäftsführer. Wenn es um die Vertretung nach außen geht, sind die Gesellschafter nur gemeinsam zur Vertretung nach außen befugt, sofern nichts anderes vereinbart wurde.

Bei einer GmbH sieht das etwas anders aus. Grundsätzlich gibt es einen Geschäftsführer und die Gesellschafterversammlung. Nach außen ist der Geschäftsführer vertretungsberechtigt.

„Klassischerweise werden aber zunächst ein oder mehrere Gründer die Geschäftsführung übernehmen. Alle Geschäftsführer, die dann im Handelsregister eingetragen sind, sind berechtigt, die Gesellschaft zu vertreten. Es kommt aber darauf an, wie sie im Handelsregister eingetragen sind. Sie können einzelvertretungsberechtigt sein oder beispielsweise gemeinsam mit einem weiteren Geschäftsführer“, sagt Binder.

Für das Innenverhältnis empfiehlt sich eine Geschäftsordnung. Diese enthält dann, welcher Geschäftsführer für welchen Aufgabenbereich verantwortlich ist.

Punkt 3: Kapital und Haftung

Für eine GbR ist nach dem Gesetz kein Mindestkapital erforderlich. Die Gesellschafter haften allerdings gesamtschuldnerisch mit ihrem persönlichen Vermögen.

Bei der GmbH muss ein Stammkapital von 25.000 Euro aufgebracht werden, wobei es zur Gründung ausreicht eine Einlage in Höhe von 12.500 EUR zu leisten. Sobald die gesamte Einlage in Höhe von 25.000 EUR geleistet ist, haftet dann das Unternehmen. Sofern die Stammeinlage nicht komplett geleistet wurde, haften die Gründer für die Differenz gesamtschuldnerisch. Sofern die gesamte Summe nicht aufgebracht werden kann, empfiehlt sich die Gründung einer UG, die sich bereits mit erheblich weniger Stammkapital gründen lässt.

Punkt 4: Gewinn

Ein großer Erfolgsmoment, wenn die ersten Gewinne eingefahren werden. Aber wer kriegt was? Auch hier gibt es Unterschiede: Bei einer GbR wird es gerecht auf alle Personen oder nach internen vertraglichen Regelungen verteilt. Bei einer GmbH wiederum wird der Gewinn nach der Verteilung des Kapitalanteils ermittelt. Heißt, wer mehr zum Stammkapital beiträgt, erhält auch mehr Gewinn.

Punkt 5: Besteuerung

Bei einer Personengesellschaft wird grundsätzlich jeder Gesellschafter eigenständig betrachtet und hat somit seinen eigenen individuellen Steuersatz. Bei einer Kapitalgesellschaft geht es vor allem um Gewerbesteuer und Körperschaftssteuer und bei Erträgen, die ausgeschüttet werden, um die Kapitalertragssteuer, die vom Gesellschafter zu entrichten ist. Da es hier jeweils steuerliche Besonderheiten geben kann, empfiehlt Binder eine passgenaue Steuerberatung, um Fehler zu vermeiden.

Typische juristische Fehler in Businessplänen vermeiden

„Oft wird das Juristische einfach übersehen“, erzählt Binder. „Ein Businessplan wird ja auch danach bewertet, wie sich Gründerinnen und Gründer zusätzliches Know-how beschaffen wollen. Das wird im juristischen als auch im steuerlichen Bereich oft stiefmütterlich behandelt.“

Es sollte auch nicht vergessen werden, auf gesetzliche Voraussetzungen Bezug zu nehmen. Bei den vielen Online-Geschäftsmodellen, die eingereicht werden, darf nicht übersehen werden, dass der digitale Raum kein rechtsfreier Raum ist. „Das fängt schon beim Impressum an. Das ist nicht kompliziert, aber es müssen alle erforderlichen Angaben enthalten sein, da es den Gründerteams sonst schnell auf die Füße fallen kann“, sagt Binder.

Auch über Fragen, wie geworben werden darf und wie Verträge gestaltet werden, sollten sich Gründerinnen und Gründer Gedanken machen. Eine Rechtsberatung ist deshalb empfehlenswert. Erste Anlaufstelle kann hier das BPW-Netzwerk sein. 

Top 5 Rechtstipps für Gründerinnen und Gründer

  • In Ruhe im Team besprechen: Die Kriterien für die Rechtsform sollten zusammen besprochen werden, danach kann man sich gemeinsam auf eine passende Rechtsform einigen.
  • In der Findungsphase nicht auf Freundschaft setzen: Ein anständiger Gesellschaftsvertrag sichert ab, gerade im Falle interner Streitigkeiten.
  • Gründungskosten nicht allein tragen: Bei der Gründung einer Kapitalgesellschaft können diese von der Gesellschaft getragen werden. Das muss aber mit dem Notar abgestimmt werden.
  • Gute Vorbereitung: Bevor es zum Notar geht, sollten alle wichtigen Dokumente beisammen sein. Gerade bei der Eröffnung des Geschäftskontos verlieren Gründer oft Zeit.
  • Rechtsberatungskosten einplanen: Eine gute Rechtsberatung gibt es nicht geschenkt, hier sollte genügend Geld eingeplant werden.

BPW bringt Austausch und Zusammenkommen aus verschiedenen Disziplinen

Was den BPW so einzigartig macht, wird zurzeit leider erschwert: Kontaktabende, Netzwerken und der persönliche Austausch. „Ich schätze sehr, dass beim BPW viele interessante, nette junge Leute aus so vielen verschiedenen Disziplinen zusammenkommen. Ich helfe immer gerne und lerne auch selbst immer sehr viel, gerade im technischen Bereich,“ erzählt Binder.

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