Qual der Wahl – und das mit Freude

Der 1. BPW-Prämierungsabend 2019 glänzte durch herausragende Team-Qualitäten

300 Gäste, darunter viele aus Berlin angereiste Startup- und Gründungsinteressierte, erlebten am Montag einen der schon klassischen Glanzpunkte des diesjährigen Businessplan-Wettbewerb Berlin Brandenburg (BPW). Anlass war die erste Prämierung beim BPW 2019 in der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) – die Kür der Preisträgerinnen und Preisträger aus der ersten Stufe von BPW Plan bzw. dem ersten Zyklus von BPW Canvas. Warteten die Finalisten bei BPW Plan „nur noch“ auf das Urteil, das die hochkarätige Jury aus Wirtschafts- und Branchenvertretern zuvor gefällt hatte, standen die Canvas-Teams vor einer Live-Herausforderung: Ihre Pitches um den Sieg gehörten zu den wichtigsten Trägern des abendlichen Spannungsbogens.

Welchen Wert bereits die reine Wettbewerbsteilnahme hat, machte Kerstin Jöntgen als Mitglied des Vorstandes der ILB und damit als Gastgeberin deutlich: Sie bekräftigte die substanzielle Bedeutung der Gründungs- und Innovationsförderung und damit auch des BPW für ihr Haus. Ähnliches gilt für Brandenburgs Wirtschaftsminister Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach. Mit seinem natürlichen und lebensnahen Blick auf die Gründerkultur rund um das Pitchen und Pläneschreiben gewann er viele Sympathien im Publikum. Dabei trug er auch eine Mischung aus Wunsch und Mahnung an die Gründerinnen und Gründer vor, nicht ohne Augenzwinkern: „Kommt in unsere Gründungszentren und nutzt diese Chance. Aber irgendwann wollen wir Euch da nicht mehr sehen. Dann solltet Ihr diese Sicherheit hinter Euch lassen, damit genug Platz für die nächsten Mutigen bleibt, die diesen Platz noch dringender brauchen“, so Steinbach.

Vor solchen Entscheidungen standen die Finalisten der ersten Wettbewerbsphase 2019 zumindest noch nicht. Sie und das Publikum wurden erst einmal vom BPW-Projektteam aus Christina Arend, Projektleiterin Strategische Beteiligungen/Gründungsinitiativen der ILB, Dirk Maass, Geschäftsführer der IBB Business Team GmbH und Madlen Dietrich, Referatsleiterin Innovationspolitik und Digitale Wirtschaft bei den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg (UVB) begrüßt. Zudem vermeldeten sie respektable 221 eingereichte Geschäftskonzepte insgesamt. Danach wollten die Finalisten schnellstens erfahren, wie groß die Früchte ihrer bisherigen Arbeit im Wettbewerb ausfallen –zumindest in den Augen der Fach- bzw. der Publikumsjury. Nach den anschaulichen Videosteckbriefen der Finalisten wurde die Spannung aufgelöst: Den ersten Platz in der ersten Stufe von BPW Plan holte sich die ME Energy – Liquid Electricity GmbH i. Gr.: Sie konstruieren, verkaufen bzw. vermieten Schnellladesäulen für Elektroautos, ohne selbst direkt am „Saft“ hängen zu müssen. Denn die Säulen sind mobil und erzeugen den Strom, umweltseitig nachhaltig ohne CO²-Emission, aus flüssigem Ethanol oder Methanol. Dabei wird in zehn Minuten die Kapazität für 200 Fahrkilometer erzeugt. Holger Adler und Alexander Sohl vom Siegerteam, zu dem noch Stefan Noll gehört, standen nach dem überraschenden Sieg mit ihrem Leuchten in den Augen gleichsam selbst unter Strom. Den Blick für die nächsten Schritte inklusive Verwertung der 3.000 Euro Preisgeld bewahrten sie sich als Profis dennoch: „Gleich morgen früh haben wir in Potsdam ein Gespräch mit einem hochrangigen Investor. Und wir haben zu tun, entwickeln weiter unsere Technik und stecken das Geld ganz klar in benötigtes Material“, so Alexander Sohl.

Über Platz zwei mit der gleichen Summe freute sich das Team von kamioni. Von ihnen stammt eine logistische Komplettlösung für Baustellen- und –ablaufkoordination auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI). Das Paket besteht aus einer Kommandozentrale für Disponenten und der passenden App für LKW-Besatzungen. Den dritten Rang sicherten sich CROVE. Dieses Team arbeitet an einem Smart Wearable für das Handgelenk auf dem Einsatzfeld des Industrial Internet of Things. Es soll unter anderem Wartungsprozesse bei Unternehmen mit hohem Instandhaltungsbedarf messbar erleichtern. Nominiert waren weiterhin die Teams von Orb Livingstone, die eine Plattform zur Vermittlung von Forschungsreisen erarbeitet haben, von Visseiro im Bereich Healthcare mit einem CarePad und von thingk.systems mit einer Sharing-Lösung für Werkzeuge.

Bei den nachfolgenden Live-Pitches in der Kategorie Business Model Canvas zeigte sich dem Publikum in Echtzeit, welches besonders hohe Niveau der Ideen und Teams diese erste Phase des BPW 2019 bereits hervorgebracht hat – mit anerkennendem Klatschen, Pfeifen und Johlen wurden die hochkonzentrierten und auch noch unerhört charmanten Blitzvorstellungen der Unternehmensideen aus dem Zuschauerbereich quittiert. Eigentlich hätten alle Sieger sein können, so das BPW-Projekt-Team. Doch weil nur einer die begehrte Urkunde nebst 4000 Euro in diesem ersten Canvas-Zyklus von Gastgeberin Kerstin Jöntgen und Potsdams noch frisch im Amt agierenden Oberbürgermeister Mike Schubert entgegennehmen konnte, wurde die TED-basierte Publikumsentscheidung eine mentale Herausforderung. Den Siegertitel holte sich schließlich ein Team mit Weltraumforschungshintergrund, was sich schlicht der Verschönerung des Spieltriebs widmet: Augmented Robotics hat für funkferngesteuerte Boote, Autos und Drohnen ein Kameramodul entwickelt, das aufgesetzt wird. Es koppelt virtuelle und echte Welt und steigert so gewöhnlichen Spielspaß zum Augmented Reality Gaming-Vergnügen.

Die gute Laune über den Sieg zeigte sich auch im ersten Teamstatement für den BPW-Blog: „Wir waren total überrascht. Für das Preisgeld gibt es erstmal etwas Pizza und Alkohol – aber das Gros investieren wir in die Patentverfahren und Spitzenanwälte für Lizensierungsverträge. Kostet ja auch ein bisschen“, so Tony Nitschke vom Team, zu dem noch Patrick Bethge und Evgeni Melan gehören. Hohe Anerkennung genossen indes auch die zwei anderen Canvas-Finalisten: Das Team famedly, das eine komplette Kommunikationsinfrastruktur inklusive App für alle Zweige des Gesundheitswesens entwickelt, und das Team PayEm, dass an einer smarten Unternehmenskreditkarte arbeitet, die sofort alle Ausgaben sammelt, sortiert und mit gängigen Buchhaltungstools synchronisiert.

Das Get-together im Anschluss war vor allem durch entspanntes Lachen und eifriges Netzwerken geprägt. Da gab es auch die Chance, Freundschaften in der Gründungsszene zu pflegen: „Ich kenne hier einige gut und lange. Es war schön, diese coolen Leute einmal wiederzutreffen“, freute sich beispielsweise Klemens Nowak. Und Juliane Wernhard ist selbst bei BPW Plan aktiv: „Ich wollte mal schauen, wie das hier so läuft. Der erste Kontaktabend neulich im Kesselhaus Berlin war mein erster größerer BPW-Event. Und das Netzwerken ist natürlich auch wichtig hier“, so Wernhard.

Am Ende ihres „Heimspiels“ in der ILB zeigte sich Christina Arend nach diesem hochqualitativen und emotionalen Abend sehr zufrieden: „Die Teams waren einfach großartig. Und schön war auch, dass die zwei neuen Amtsinhaber, Wirtschaftsminister Prof. Dr. Jörg Steinbach und Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert, gekommen waren, um die Teams zu würdigen. Und was mich mindestens ebenso freut, ist die Zahl von 1.256 Registrierten für das BPW-Angebot. Das ist ein Plus von 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und da hatten wir schon steigende Tendenz.“ Eine verständliche Freude: Der BPW geht zusammen mit seinen Teams auf einem vielversprechenden Weg in die nächste Phase.

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