Premiere mit spannender Perspektive

Ordentlich Spannung im Gehäuse – und die Innovationen kamen Schlag auf Schlag: Das war eine stimmige Premiere für den Sonderpreis Energie als neues Format beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW). Auf die Beine gestellt hatten das als Gastgeber des Abends zwei Premiumpartner des BPW, die InnoEnergy GmbH und Siemens, die damit auf Anhieb mehr als einhundert Gäste anlockten. Diese erwartete ein temporeiches Programm: Live-Pitches der drei Finalisten – flankiert von der Chance für Innovatoren außerhalb der Wertung, ihre Startups auf einer Open Pitch Stage vorzustellen. Für diese Gelegenheit, unter den Augen von Investoren, Finanz- und Energieexperten ihre Konzepte vorzustellen bzw. diese kennenzulernen, fanden sich Aktive wie auch Gäste direkt auf dem Siemens-Werksgelände ein: Das A32 Entrepreneurs Forum am Rohrdamm im Berliner Stadtteil Siemensstadt ist ein Coworking-Space, der seine produktive Kraft nicht nur aus dem Werkshallen-Charme bezieht: Die Akteure dort dürfen sich als Pioniere einer wegweisenden Entwicklung fühlen.

Hochrangiger Besuch

Denn ihre Arbeit bettet sich ein in den progressiven Umbruch am Standort: Siemensstadt 2.0 heißt das Projekt, das das traditionsreiche Areal des Stadtteils in eine Industrial Smart City transformieren wird. Der Siemens-Konzern investiert bis zu 600 Millionen Euro „in die Zukunft der Arbeit“: Entstehen wird ein Campus, der das Produzieren, Forschen, Lernen, Wohnen und Leben verbinden wird. Dr. Karina Rigby, Siemens Vice President und Head of Siemensstadt 2.0 Project, kam persönlich, um die Teilnehmenden des neuen Formats zu begrüßen – und später die Ohren bei den Pitches der teilnehmenden Startups zu spitzen.

Andrang auf Siemensstadt 2.0

Für den BPW-Blog umriss sie die neuesten Entwicklungen des städtebaulichen Großvorhabens: „Jetzt bald, am dritten Juni, wird es einen Bürgerdialog zum Projekt geben. Dabei steht besonders das künftige Stadtbild im Mittelpunkt. Am Architekturwettbewerb nehmen fünfzehn namhafte Entwurfsbüros aus aller Welt teil. Mit einer Juryentscheidung rechnen wir Ende des Jahres bis Anfang 2020. Zusammen mit der Stadt Berlin wird es auch einen Namenswettbewerb geben, bei dem die Berlinerinnen und Berliner einmal mehr gefragt sind. Insgesamt ist der Andrang von großen Playern wie auch Startups auf die Potenziale und Flächen der Siemensstadt 2.0 jetzt schon gigantisch“, so Rigby. Bei jedem dieser Gespräche würden, gerade bei Startups als lebendigen Strukturen im Fluss, die konkreten Bedarfe nach Zuschnitt, künftig benötigten Kooperations-, Sharing- und Zulieferpartnern sowie spezifischer Infrastruktur erfragt, so die Managerin.

Aufruf zur 3. BPW-Prämierung

Das BPW-Projektmanagement aus Christina Arend, Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), Dirk Maass, IBB Business Team GmbH (IBB) und Madlen Dietrich, Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) nutzte seine Begrüßungsrede ganz lebenspraktisch: Schließlich steht noch die dritte und letzte Prämierung des laufenden Wettbewerbsjahres am 19. Juni bevor. Die sollten Gründungswillige und -aktive auffällig im Kalender markieren. Denn neben spannenden Momenten lassen sich wieder jede Menge Tipps und Kniffe von Experten aller Branchen ergattern – und vielleicht trifft man ja auf den Business Angel seines (Geschäfts-)Lebens. Denn auch die sind gerne bei BPW-Events unterwegs.

Sonderpreis gibt Impulse

Einer, der als Redner den Sonderpreis Energie als wichtigen Impuls würdigte, war Thüringens ehemaliger Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie und einstiger Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Matthias Machnig. Der Mann, der sein Temperament schon im Namen trägt, appellierte auch hier als „Macher“ an die Anwesenden, innovative Kräfte maximal zu stärken. Deutschland, so Machnig, sei bei Zukunftstechnologien, zum Beispiel Großspeichern, zu sehr in der Entwicklung zurückgefallen. Und: „Es fehlt an ausreichend Venture Capital. Die USA und Israel beispielsweise sind da deutlich weiter“, schätzte Machnig die Lage ein. Er hoffe an diesem Abend auf ein paar schöne Lösungen und darauf, dass Investoren aufmerksam darauf würden.

Starkes Finalistenfeld

Die größten Hoffnungen in dieser Richtung hatten wohl die Finalisten selbst. Im „Pitch-Ring“ traten nacheinander drei Teams an. Bio-Ways etwa haben unter anderem eine Mikro-Biogasanlage entwickelt, die aus Hausmüll auf ressourcen- und klimaschonende Weise unmittelbar Strom erzeugen kann. In Sachen Elektromobilität sind ME Energy unterwegs. Sie wollten mit ihrer ortsunabhängigen, ihren Strom selbst produzierenden E-Ladesäule punkten. Die Dritten auf der Bühne waren Solarworx. Sie haben dezentrale, solare Stromversorgungseinheiten entwickelt, die, gerade in Entwicklungsländern, eine bezahlbare Lösung für eine zuverlässige Stromversorgung bieten.

Business Bootcamp als Preis

Nicht nur knapp kalkulierte Pitch-Zeiträume machten die Aktionen auf der Bühne spannend – sondern auch die kritischen, tiefen Nachfragen der hochkarätigen Experten-Jury, begleitet von Fragen aus dem Publikum. Am Ende ermittelte dieser „Schaltkreis der Entscheider“ aus einem insgesamt durchgängig starken Finalistenfeld trotzdem ein klares Ergebnis: Als Sieger setzte sich Solarworx durch. Auf sie wartet als Preis ein Business Bootcamp auf dem Innovationscampus von Siemens. Innerhalb von vier Wochen arbeitet ein Team aus erfahrenen Unternehmern, Investoren und Fachexperten zusammen mit Solarworx an deren Geschäftskonzept. Platz zwei errangen ME Energy, Bio-Ways konnten den dritten Platz einnehmen.

Open Pitch Stage beliebt

Ebenfalls gut beim Publikum kam die Open Pitch Stage an: Hier konnten Startups außerhalb der Wertung mehr oder weniger spontan pitchen und sich dem auf die Juryentscheidung wartenden Publikum vorstellen. Darunter waren auch viele Aussteller der Foyerpräsentation des Preisabends. Dazu gehörten die Luftreinigung per Algen von Solaga, Solarmodule für Hauskanten und Flachdächer von Anerdgy, Solarmodule zur Energiegewinnung als Straßenbelag von Solmove und von SunCrafter mobile Solargeneratoren.

Fokus auf Entwicklungsländer

Felix Boldt vom Sonderpreis-Gewinner Solarworx freute sich besonders über die Aufmerksamkeit für das Energieproblem in Entwicklungsländern, besonders in Afrika: „Dort gibt es ein riesiges Energieproblem, was unmittelbar mit Problemen der Arbeitslosigkeit und des Bevölkerungswachstums zusammenhängt. Mit unseren Produkten beteiligen wir uns an der Lösung dieses Energieproblems, das so viel dringender ist, als manche in Europa noch denken“, so Boldt. Das Startup hat bereits anderweitig langjährige Erfahrung im Produkt- und Energiesektor gesammelt. Deswegen wird es sich mit der Schubkraft des Siegs beim Sonderpreises Energie noch intensiver dem Marketing widmen – eine komplexe und finanzintensive Aufgabe, da Solarworx die kaum solventen Endkunden in den Entwicklungsländern vorfinanzieren muss.

Premierenziel erreicht

Nach den aufregenden Phasen konnten die Gründungsteams und Gäste auf Einladung der Gastgeber ein leckeres Büffet und gute Getränke genießen und obendrein noch wertvolle Kontakte knüpfen. Einer, der jetzt auch ein wenig abschalten und sich als Gewinner fühlen durfte, war Luis Sperr. Als Investment und Business Creation Manager bei der InnoEnergy GmbH hatte er, gemeinsam mit Siemens, den neuen Sonderpreis maßgeblich mit auf den Weg gebracht. Sperr zeigte sich zufrieden mit dem Auftakt: „Wir haben mit Solarworx einen würdigen Sieger, wir haben einen relevanten und bekannten Teil des Berliner Energiebusiness erreicht, die entsprechende Gründer-, Investoren- und Finanzszene ist hier zusammenbekommen und es wurde reichlich genetzwerkt, genau wie beabsichtigt: Ziel erreicht!“.

Weltveränderer am Werk

Ein Eindruck, den auf ihre Weise auch Madlen Dietrich gewonnen hatte. Ihr Resümee für das BPW-Projektteam war deutlich: „Energiewende und Klimaschutz sind Themen, die die Gesellschaft umtreiben, und hier waren und sind wir ganz dicht dran an Zukunftslösungen. Die Startups sind, auch bei den Open Pitches, mit unheimlich spannenden Konzepten hierhergekommen. Gerade der Ansatz von Sieger Solarworx zeigt, dass Klimaschutz und Energiewende auch und gerade außerhalb Europas zentrale Themen sind. Junge Firmen können die Welt verändern“, so Dietrich.

Hinterlasse eine Antwort