Nie wieder Zahlensalat und Finanzfrust? 25 Finanzierungstipps aus 25 Jahren Finanzierungsberatung

It’s all about the money! Beim Gründen ist das nicht anders. Wer aber glaubt, nur wer viel Geld hat, bekommt die Chance auf ein eigenes Unternehmen, der irrt! Businessplan, Professionalität und vor allem eine tolle Idee können Banken und Investoren überzeugen.

Uwe Struck – Unternehmensberater und seit vielen Jahren Juror beim BPW – erklärt im Blog, welche Möglichkeiten der Finanzierung es gibt und worauf Sie in Sachen Geld achten müssen bei der Gründung. Da „Finanzplanung“ und „Finanzierung“ außerdem Schwerpunkte in der dritten Phase des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg (BPW) sind, sollten sich auch alle aktuellen Teilnehmer des BPW 2020 diese Hinweise auf keinen Fall entgehen lassen:

1. Finanzierungsquellen
Gründungen werden aus einer oder mehreren von sieben Quellen finanziert: Ersparnissen, Unterstützung der Familie,Bankkredite, staatliche Förderungen, Privatpersonen (Business Angels), Beteiligungskapital (Venture Capital), Crowdfunding. Die meisten Gründungen werden dabei mit Ersparnissen und Bankkrediten finanziert.

2. Keine Finanzierung ohne Businessplan
Alle Finanziers erwarten einen Businessplan. Man sollte zeitig beginnen, meistens dauert‘s länger als gedacht.Der Schreibvorgang hilft sehr, die Gedanken zur Gründung klar zu fassen und Lücken aller Art zu erkennen. Schwerpunkte der Beschreibungen: a) Das tragfähige Geschäftsmodell, b) die Kompetenzen und Erfahrungen im Team.

3. Finanzplanung ist ein MUSS
„Keine Ahnung von Finanzen“ ist nicht selten die Insolvenzursache für Grünungsunternehmen. Deshalb muss sich eine Person im Team das entsprechende Wissen aneignen. Es gibt keine Finanzierung ohne ordentliche Finanzplanung und ohne ordentliches Finanzwissen zur GuV und zur Liquiditätsplanung. Die Devise bei der Planung sollte sein, nicht übertrieben pessimistisch oder optimistisch zu denken, sondern realistisch. Sonst ergibt sich ein zu hoher oder zu niedriger Kapitalbedarf, beides ist schädlich.

4. Finanzierungen dauern immer länger als angenommen
In der Praxis dauert es regelmäßig länger als gedacht, bis Geld der Finanziers auf dem eigenen Konto ist. Eine gute Praxisregel schafft Planungssicherheit: Offizielle Zeitangaben der Finanziers um 50% bis 100% erhöhen.

5. Kostenlose Informationsangebote nutzen
Es gibt viele Angebote von Banken, Kammern, Verbänden usw., die kostenlose Beratung und Veranstaltungen aller Art zum Thema Gründungsfinanzierung anbieten; diese Angebote sind qualitativ gut und sollten genutzt werden. Dort wird auch die Frage beantwortet: Wo erhalte ich detaillierte Informationen zur Finanzierung? Der BPW mit seinem umfangreichen Angebot an Webinaren und Seminaren ist da immer ein kompetenter Ansprechpartner.

6. Barmittel zusammenhalten
Banken erwarten, dass 15 bis 25 % des Kapitalbedarfs durch eigene Mittel finanziert werden. Deshalb muss die Devise gelten, die verfügbaren Mittel zusammenzuhalten, und zwar bis zum ersten Bankgespräch. Banken akzeptieren weder schon begonnene Vorhaben noch ausgegebene Ersparnisse als eigene Mittel.

7. Wieviel Bankkredit ist möglich?
Wenn man die Erwartung der Banken zugrundelegt, dass 15 bis 25 % des Kapitalbedarfs durch eigene Mittel finanziert werden, bedeutet das im Umkehrschluss, dass der maximal mögliche Kredit überschlägig das Vier- bis Siebenfache der eigenen Barmittel beträgt. Aber: Bei einem Kapitalbedarf von unter 25.000 Euro sind Förderprogramme verfügbar, die keinerlei Eigenmittel verlangen.

8. Sicherheiten sind kein Problem
Gründungsteams verfügen selten über Sicherheiten. Das ist kein Problem, wenn eine Bank von einem Vorhaben überzeugt ist, werden Sicherheiten von den Bürgschaftsbanken der Länder bereitgestellt.

9. Bankkredite gibt es nur mit selbstschuldnerischer Bürgschaft
Auch bei sehr kleinen Bankkrediten ist immer eine selbstschuldnerische Bürgschaft jedes Gründers erforderlich. Es ist frühzeitig zu entscheiden, ob alle Gründer damit einverstanden sind.

10. Haftungsfreistellung richtig verstehen
Die in vielen Broschüren angegebene Haftungsfreistellung gilt nicht für Gründer, sondern nur für die Hausbanken, um ihre Verluste bei Banken für ausgefallene Gründerkredite in Grenzen zu halten.

11. Tilgungen sind keine Kosten
Zahlungen wie Mieten oder Gehälter sind Kosten und werden von Finanzamt als solche anerkannt. Tilgungen werden nicht als Kosten anerkannt, sie sind aus dem versteuerten Gewinn zu zahlen. Bei Tilgungsverpflichtungen sind also ausreichend Gewinne ein MUSS, sonst kann es zur Pleite durch Illiquidität kommen.

12. Kein Kredit ohne Schufa
Bei jedem Kredit holt sich die Hausbank eine Auskunft bei der Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ein. Im Zweifelsfall kann man dort kostenlos eine Übersicht der eigenen Daten erhalten.

13. Die beste Kredit-Finanzierung
Die beste Kredit-Finanzierung von der Stange gibt es nicht. Gute Finanzierungen sind maßgeschneidert, sie berücksichtigen die Wünsche der Gründer, die Notwendigkeiten des Vorhabens und die Anforderungen der Finanziers. Das Gute: Banken helfen aus Eigeninteresse bei der Auswahl geeigneter Kredite.

14. Qualifikationsnachweise sicherstellen
Günstige staatliche Kredite erfordern den Nachweis, dass das erforderliche Fachwissen für ein Vorhaben im Team vorhanden ist. Wenn man nicht vom Fach ist, sollte man frühzeitig klären, auf welche Weise der Nachweis erbracht werden kann, sonst wird kein Kredit bewilligt.

15. Kredite sind zur Finanzierung von Entwicklungsvorhaben nicht geeignet
Entwicklungen neuartiger Produkte sind mit Unsicherheiten hinsichtlich der Vermarktbarkeit behaftet, keine Bank wird ein solches Vorhaben mit Krediten finanzieren. Denn die Rückzahlung von Krediten erfordert etablierte Geschäftsmodelle, bei denen Umsätze und Gewinne relativ gut eingeschätzt werden können.

16. Wer gibt Eigenkapital?
Eigenkapital wird nicht wie ein Kredit zurückgezahlt, es bleibt dauerhaft im Unternehmen und wird, wenn es von außen kommt, von Beteiligungsgesellschaften bereitgestellt, hauptsächlich von Venture Capital-Gesellschaften oder Privatpersonen (Business Angels), die als Gegenleistung für ihr Kapital Geschäftsanteile erhalten.

17. Was wollen Eigenkapitalgeber?
Zinsen, Tilgungen und Gewinne und selbstschuldnerische Bürgschaften werden in der Regel nicht erwartet, sondern schnelle Steigerungen des Unternehmenswertes und damit des Wertes der Geschäftsanteile. Eigenkapitalgeber wollen zudem immer mitreden, z. B. bei der Unternehmensstrategie, den Gehältern, den neuen Finanzierungspartnern usw. Im besten Falle sind Eigenkapitalgeber Partner auf dem Weg zum wertvollen Unternehmen. Die Gründer tun gut daran, von vornherein eine gute Zusammenarbeit mit ihnen anzustreben. Der Ansatz „Beteiligungskapital ohne Mitspracherechte“ ist nicht machbar.

18. Wie kommt man an Eigenkapital?
Der Wettbewerb um Beteiligungskapital ist sehr hart, gerade im Großraum Berlin, wo viele gute Projekte eine Finanzierung suchen. Am besten lassen sich Beteiligungsgesellschaften überzeugen, wenn die Gründer darstellen können, dass es sich a) um ein nachhaltiges Geschäftsmodell handelt, mit dem b) in kurzer Zeit große Umsatzzuwächse erreichbar sind (schnelle Skalierung) und c) alles von einem Team mit den passenden Qualifikationen und Erfahrungen umgesetzt wird.

19. Pitchen, pitchen, pitchen
Die Präsentation einer Gründungsidee (Pitch) muss wiederholt geübt werden, um zu sehen, ob die eigenenFolien und Argumente überzeugen. Am besten auf vielen Veranstaltungen, die dazu im Raum Berlin-Brandenburg angeboten werden. Pitchdecks müssen wieder und wieder überarbeitet werden, das Gleiche gilt für den gesprochenen Text. Ab der zehnten Überarbeitung wird es langsam rund. Der Prozess dauert lange, man sollte früh beginnen.

20. Netzwerken
Beteiligungsgesellschaften gibt es viele, mit ihnen in Kontakt zu treten ist nicht ganz einfach. Sie einfach anzuschreiben ist die zweitbeste Möglichkeit, einen Vertreter der Gesellschaften auf Veranstaltungen oder über Empfehlungen zu treffen schafft bessere Chancen für eine Finanzierung. Das erreicht man durch intensives Netzwerken.

21. Sich nicht durch viele Absagen entmutigen lassen
Es ist zwar viel Beteiligungskapital vorhanden, trotzdem sind Absagen die Regel; darauf sollte man sich einstellen. Man darf in diesem „Spiel“ nicht die Nerven verlieren und muss dranbleiben, irgendwann klappt es fast immer.

22. Beteiligungskapital und Eigenmittel
Beteiligungsgesellschaften erwarten keine Mitfinanzierung. Sie wollen aber sehen, dass schon möglichst viel Produktentwicklung bzw. Unternehmensentwicklung erledigt wurde. Deshalb sollten vorhandene Ersparnisse vollständig in die Entwicklung des „minimal viable product (MVP)“ und in den Vertrieb investiert werden.

23. Professionell vorgehen
Bei Beteiligungskapital geht es nicht selten um Millionen, da ist es üblich, sich von Profis wie Rechtsanwältenund Unternehmensberatern beraten zu lassen. Solche Beratungen werden zum Teil bezuschusst. Googlen istkeine gute Lösung, weil zu viel laienhaft interpretiert wird, was fast immer zu wenigen Antworten und neuenFragen führt.

24. Geldgeschenke nicht vergessen
Zuschüsse sind Geldgeschenke vom Staat. Das Gute: Der Staat hat Beratungsangebote geschaffen, die den Gründer bei der Suche, Auswahl und Beantragung helfen. Banken sehen in Zuschüssen Quasi-Eigenkapital. Die Wege zu Zuschüssen sind vielfältig und im Internet leicht zu finden.

25. Crowdfunding
Bei einigen Gründungen kann Crowdfunding eine Finanzierungsalternative sein. Die Webseite www.crowdfunding.de bietet viele praktische Informationen. Nicht jede Gründung ist für Crowdfunding geeignet und das Ganze ist kein Selbstläufer im Internet. Viel Arbeit, Zeit und auch Geld sind für eine Crowdfunding-Kampagne erforderlich.

Uwe Struck ist Wirtschaftsingenieur (TU-Berlin) und berät seit 1990 Startups in den Bereichen Businessplan, Finanzierung und Unternehmensaufbau.

Auf seiner Webseite www.uwe-struck.de sind Referenzen sowie weitere Informationen zu Uwe Struck sind einsehbar.

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