Nachhaltigkeit ist keine Option, sondern ein Kernthema

Nachhaltigkeit ist in aller Munde, und das nicht erst seit „Fridays for Future“. Im täglichen Sprachgebrauch wird dieser Begriff vor allem in Bezug auf dessen ökologische Komponente verwendet. Das Thema geht jedoch weit darüber hinaus: Nachhaltiges Handeln unter gesellschaftlichen und ökonomischen Gesichtspunkten gewinnt zunehmend an Bedeutung. Nicht ohne Grund sind nachhaltige – und damit zukunftsfähige – Konzepte ein bedeutender Aspekt beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg. Gemeinsam mit dem Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit zeichnet der BPW die besten Einreichungen mit dem Sonderpreis Nachhaltigkeit und 5.000 Euro Preisgeld aus.

Die kommende Woche steht ganz im Zeichen des Themas Nachhaltigkeit. Zusammen mit dem Borderstep Institut werden wir in verschiedenen Online-Workshops aufzeigen, wie Nachhaltigkeit in Ihr Geschäftskonzept integriert werden kann und anhand welcher Kriterien Investoren das Nachhaltigkeitspotenzial einer Gründungsidee bewerten:

15.06.2020 | SUSTAINABLE BUSINESS CANVAS

18.06.2020 | NACHHALTIGKEITSBEWERTUNG MEINER GRÜNDUNGSIDEE

Prof. Dr. rer. pol. habil. Klaus Fichter ist Gründer und Leiter des Borderstep Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit. Im Interview verrät er, warum gerade die aktuelle Coronakrise sehr deutlich aufzeigt, wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit für Unternehmen und Gesellschaft ist und welche Top-Tipps jede Gründerin und jeder Gründer unbedingt beherzigen sollte.

BPW-Blog: Was bedeutet der Sonderpreis Nachhaltigkeit beim BPW für Sie?

Prof. Dr. Klaus Fichter: Borderstep unterstützt den BPW seit mittlerweile über acht Jahren dabei, das Thema Nachhaltigkeit in den gesamten Gründungsprozess und die Angebote des BPW zu integrieren. Wir sind sehr stolz auf diese Partnerschaft, besonders da der BPW der erste Businessplan-Wettbewerb in Deutschland war, der das Thema Nachhaltigkeit in dieser Tiefe eingeführt hat.

In der aktuellen Krise ist es natürlich besonders wichtig, angehende Gründungsteams so umfangreich wie möglich zu unterstützen. Der Sonderpreis zeichnet dabei das Team aus, welches ein besonders eindrucksvolles nachhaltiges Konzept eingereicht hat. Es wird auch nach der Krise enorm wichtig sein, unsere Nachhaltigkeitsherausforderungen unternehmerisch zu lösen. Mit dem Sonderpreis wollen wir Gründerteams nun dazu motivieren, an ihren Konzepten weiterzuarbeiten und ihre Ziele trotz der aktuellen Herausforderungen nicht aus dem Auge zu verlieren.

Worauf kommt es bei der Nachhaltigkeit im Geschäftskonzept an?

In der aktuellen Krise zeigt sich eindrucksvoll, wie wichtig es ist ein resilientes – also widerstandsfähiges – Geschäftskonzept zu besitzen. Denn der Prüfung, der viele Geschäftsmodelle momentan in sehr kurzer Zeit ausgesetzt sind, werden sich Startups zukünftig auch in Bezug auf ökologische und soziale Krisen stellen müssen. Ein nachhaltiges Geschäftskonzept versucht also auch möglichst krisensicher zu sein und einen langfristigen Blick zu wahren. Wir verstehen die aktuelle Situation daher in diesem Sinne auch als Ansporn und Chance für Startups dies für sich umzusetzen.

Womit müssen sich Gründer auseinandersetzen?

Unter anderem hat das Borderstep Institut Fragen und Aspekte der ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Nachhaltigkeit in die Mustervorlagen für BPW-Businesspläne und BPW-Canvas-Modelle systematisch eingearbeitet. Fragen aus allen Bereichen der Nachhaltigkeit finden sich somit auch in allen Bereichen des Geschäftsmodells wieder. Wir empfehlen daher, bereits bei der initialen Erstellung des Businessplanes oder Canvas in jedem Geschäftsbereich Nachhaltigkeit integrativ mitzudenken. Das thematische Spektrum reicht daher von der unternehmerischen Vision über die Produkte bis zu den Finanzen.

Wie gehen Sie als Leiter des Instituts bei der Bewertung und Auswahl vor?

Bei der Bewertung von grünen Gründungskonzepten sind zwei Kriterien von besonderer Bedeutung. (1) Wir versuchen zu erkennen, welchen Grad des Lösungsbeitrages das angestrebte Produkt oder die Dienstleistung zu Nachhaltigkeitsherausforderungen leistet. Wie viele Emissionen können eingespart werden? Welcher Einsatz von Ressourcen kann vermieden werden? Je präziser und umfassender der Beitrag benannt ist, desto besser. (2) Es ist uns wichtig, dass der Umfang und die Systematik des unternehmerischen Nachhaltigkeitskonzeptes ausgereift sind. Dies bedeutet, dass das Gründungsteam sich mit Fragestellungen auseinandergesetzt hat, wie es Themen der Nachhaltigkeit im neugegründeten Unternehmen angehen möchte. Fragen könnten dabei lauten: Setzten wir uns bestimmte Ziele, um nachhaltiger zu werden? Haben wir eine „Theory of Change“ erarbeitet, welche hilft, unseren Beitrag zu ermitteln? Je mehr wir das Gefühl haben, dass das Team hier ein gutes Konzept hat, desto besser werden wir es bewerten.

Wo bekomme ich Informationen?

Mit dem BPW-Handbuch werden alle Gründungsteams unterstützt, erfolgsrelevante Fragen der Nachhaltigkeit bei der Entwicklung ihres Geschäftskonzeptes zu berücksichtigen. Borderstep bietet zudem im Rahmen des BPW Workshops zur Geschäftsmodellentwicklung mit dem Sustainable Business Model Canvas sowie weitere Seminare mit Bezug zum Thema an. Hier werden alle wichtigen Fragen rund um Nachhaltigkeit im Gründungskontext adressiert. Wer an weiterem Austausch sowie Tools interessiert ist, der kann auch unser Portal www.start-green.net besuchen. Borderstep betreibt diese Gründercommunity und engagiert sich somit auch kontinuierlich für den Aufbau von Netzwerken in der grünen Gründerszene.

Welche Top 5-Tipps können Sie an Gründer weitergeben?

Tipp 1: Betrachten Sie das Thema Nachhaltigkeit von Anfang an als ein Kernthema für Ihr Geschäftsmodell und nicht als „nice-to-have“. Die Materialien vom BPW bieten hierfür die ideale Basis.

Tipp 2: Starke Netzwerke sind oft ein Schlüssel zum Erfolg. Nutzen Sie daher die Möglichkeiten des Austauschs im BPW oder darüber hinaus aktiv. Auf unserer Plattform www.start-green.net finden sich z. B. über 1000 nachhaltige Startups mit Profil.

Tipp 3: Egal ob grün oder nicht: Früher Kontakt zu möglichen Kunden ist essenziell für den späteren Erfolg!

Tipp 4: Für ökologisch motivierte Gründer entstehen immer wieder sogenannte „Regulatorische Gelegenheiten“. Wer mit Weitsicht agiert, kann sich so schon in einem Sektor etablieren, bevor strengere Regulierung die eigenen Produkte im Wettbewerb attraktiv macht.

Tipp 5: Auch wenn die aktuelle Krise ggf. den Blick in die Zukunft trübt: Nachhaltigkeit wird auch in Zukunft eines der wichtigsten Themen bleiben!

Welche Zukunftsthemen sehen Sie?

Als Institut forschen wir viel an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Auch jetzt in der Krise werden wir sehr viel hierzu von der Öffentlichkeit befragt: Wie viel Energie verbraucht das Streamen von Videos? Wie viele Ressourcen können durch Videokonferenzen eingespart werden? Die Antworten auf diese Fragen sind meist komplex, aber sie werden uns sicher auch nach der Krise weiter begleiten. Für uns steht fest, dass die Entwicklung von nachhaltigen digitalen Lösungen und Technologien in jedem Fall ein sehr wichtiges Zukunftsthema sein wird.

Wieso unterstützen Sie den BPW? 

Als Institut setzten wir uns auf vielfältige Art und Weise für das Thema Nachhaltigkeit ein. Die Unterstützung von angehenden Gründerinnen und Gründern ist dabei eine besonders wichtige Aufgabe, die wir in verschiedenen Projekten und Formaten umsetzen. Durch die Partnerschaft mit dem BPW ergibt sich zudem die sehr wichtige Chance, kontinuierlichen Kontakt zu angehenden Gründerteams aufzubauen. Dies ist auch für uns als Institut wichtig, um aufkommende Themen zu erkennen und diese in unserer Forschung und in den von uns formulierten politischen Handlungsempfehlungen zu berücksichtigen.

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