Mit Tempo zum Erfolg

Eine Qualität, die den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) seit 25 Jahren auszeichnet: Immer  neue, fruchtbare Ideen – und frischer Wind bis in die Regie: Der erste Prämierungsabend des Wettbewerbsjahres 2020 kam im besten Sinne dynamisch daher. Kompakte Bühnenparts, flotte Performances, eine intensive Würdigung aller Teams mit stimmigen Videoclips, all das hielt die Spannung oben.

Differenzierte Förderlandschaft

Dabei kamen die Fakten keineswegs zu kurz, im Gegenteil. Die Gastgeberin, die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), vertreten durch den Vorstandsvorsitzenden Tillmann Stenger, zeigte im Grußwort, wie differenziert Brandenburgs Förderlandschaft für junge Unternehmen längst ist. Und das bringt offenbar Erfolg: Dem aktuellen Ranking des KfW-Gründungsmonitors 2019 zufolge hat sich Brandenburg auf Platz 3 im Bundesländervergleich vorgearbeitet, Berlin belegt dort sogar den Goldrang.

Rebellischer Geist gefordert

Für den Ehrengast des Abends, Sven Ripsas, Professor für Entrepreneurship an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin, ein Zeichen auch für die Vitalität seines „Kindes“. Denn Ripsas war es, der 1995 den BPW initiierte. Sein Resümee: „Wir sehen heute deutlich mehr Frauen im Wettbewerb, auch und gerade in den zukunftsorientierten Branchen. Und das ist wichtig. Denn nach meiner Erfahrung gründen Männer zwar selbstsicherer – durchaus eine Tugend –, doch sie überschätzen sich dafür nicht selten fachlich. Frauen habe ich zurückhaltender erlebt, dafür können sie das, was sie behaupten, meist auch wirklich. Beide Tugenden kombiniert machen Teams nur besser“, so Ripsas, und weiter: „Der rebellische Geist muss stark bleiben. Gründungswillige sollten beherzigen, was Joseph Schumpeter schon 1911 sinngemäß forderte: das neue Unternehmer Ehrgeiz entwickeln, überall besser als die Platzhirsche zu werden.“

Kluge Kamera gegen Gift

Dass dieser Biss da ist, nahm man den Finalteams ab: In Sachen BPW Plan harrten sechs Startups der Siegesnachricht, doch nur drei konnten Treppchenplätze und je 3.000 Euro gewinnen. Letztlich hatte sich die „Grand Jury“ entschieden, hyperSpecs als ersten Sieger zu küren: Das Team entwickelt eine IoT-fähige Spektralkamera, die gefährliche Gase und toxische Lecks sichtbar machen kann. Auf Platz zwei folgten Algofaktur, die ältere Produktionsmaschinen per digitaler Nachrüstung fit für die Industrie 4.0 machen. Den dritten Platz errangen NOW-I-TRUST mit E-Mail-Verschlüsselung für alle. Nominiert waren noch SCYtech, das Zentrum für Psychotherapie und seelische Gesundheit sowie CABIN EXPERIENCE. Das hyperSpecs-Team nach dem Sieg: „Wir werden unsere zwei Minimum Viable Products weiter ausqualifizieren und weitere Prototypen bauen. Das macht uns unter anderem flexibler bei der Investorensuche“, so Julia Capelle und Dr. Diwaker Jha.

Heißes Thema Pflege

Die drei BPW Canvas-Finalteams hatten dagegen live zu pitchen – und gaben alles, um das TED-votende Publikum zu überzeugen. Mit nur wenigen Punkten mehr und einem buchstäblich bildstarken Pitch setzte sich das Team VinCura mit einer intuitiven Software für ein optimiertes Qualitätsmanagement von Pflegeeinrichtungen durch und gewann damit 4.000 Euro. Um die Ehre und viele Erfahrungen reicher waren dagegen die Mitbewerber pflegista und AIVY. VinCura wird jetzt nach Kapitalgebern und Unterstützern für die Softwareentwicklung suchen, investiert das Preisgeld aber in die PR: „Bekannter in der Branche zu werden, das ist für uns sehr wichtig“, so Danny Friese.

Christina Arend (ILB) vom BPW-Projektteam war jedenfalls sehr zufrieden: „Das war ein tempo- und abwechslungsreicher Abend. Da war solche Spannung bei den Pitches, dass fast der Atem wegblieb. Und der Rückblick auf fünfundzwanzig erfolgreiche Jahre für die Gründerinnen und Gründer hat einfach Freude gemacht!“

Nächste Abgabe wartet schon

Übrigens: Mit dem 18. Februar steht der Abgabetermin für die zweite Phase bzw. den zweiten Zyklus des BPW 2020 schon fest. Und das bedeutet wieder jede Menge neuer Chancen.

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