An alles gedacht? Unser Last Minute Businessplan Leitfaden

Am 30. Juni endet die dritte und finale Abgabefrist des BPW 2020. Für uns alle eine ganz außergewöhnliche Zeit. Aus diesem Grund wurde das BPW-Programm kurzfristig an die neue Situation angepasst. Aus Seminaren und Workshops wurden Webinare und Videotipps oder auch Blogbeiträge. In diesem Beitrag hat sich Anett Schönburg von manus ordinans das A-Z des Businessplanes vorgenommen. Viel Spaß mit ihrem ganz persönlichen Leitfaden für die Gründung…

A wie Anhang

An einen Businessplan solltest Du einen tabellarischen Lebenslauf, deine einschlägigen und geschäftsrelevanten Qualifikationen, einen Kapitalbedarfsplan und eine Liquiditäts- und Rentabilitätsvorschau für drei volle Geschäftsjahre anhängen. Falls Du Geschäftsräume anmietest oder Geräte least, möchten Fremdmittelgeber oftmals einen Vorvertrag sehen (Die Mietlaufzeit sollte mindestens die Kreditlaufzeit betragen). 

B wie Betriebskosten

Überlege in deiner Einnahmen-Ausgabenplanung welche laufenden Betriebskosten auf dich zukommen. Eingeteilt werden diese in fixe Kosten (z.B. Miete, Versicherungen, Telefongebühr) und variable Kosten (z.B. Waren, Material, Projektabhängige Kosten). Mit steigendem Umsatz können Betriebskosten auch steigen. Investitionskosten hingegen sind einmalige Kosten, mit denen Du längerfristige Anschaffungen tätigst (z.B. Geschäftsausstattung, Fuhrpark).

C wie Canvas

Das Business Model Canvas ist eine Methode, mit der Du deine Geschäftsidee zu einem Konzept entwickeln kannst; und zwar kreativ und strukturiert. Auf einer „Leinwand“ (canvas) werden die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Bausteinen einer Unternehmung sichtbar gemacht. Du kannst deine Seite mit Klebezetteln vollhängen (to canvas), um dein Vorhaben immer weiter zu entwickeln und zu präzisieren.

„Alles anbieten heißt nichts anzubieten.“

D wie Dienstleistung

Diese Aussage meint, dass deine Kundschaft an bestimmten Produkten / Dienstleistungen interessiert ist. Dennoch kann dein Angebot variantenreicher sein. Überlege dir in deinem Businessplan-Kapitel „Produkt/Dienstleistung“ welche Zielgruppe Du zu jedem deiner Angebote ansprichst und warum diese interessiert sein könnten (siehe Kundennutzen).

E wie Executive Summary

Steht am Anfang des Businessplans und gibt einen Überblick über das Gründungsvorhaben. Es wird empfohlen aus jedem Kapitel des Businessplans das Wichtigste zusammenzufassen, und zwar in einem Fließtext. Deine Zusammenfassung sollte circa eine A4 Seite lang sein. Die (untergeordneten) Details sind im Businessplan zu finden, also ab Kapitel 2.

F wie Finanzierungsplan

Zeigt den tatsächlichen Kapitalbedarf auf, den Du benötigst bis sich dein Unternehmen selbst trägt und Du Privatentnahmen tätigen kannstDer Finanzierungsplan ist also das Ergebnis deiner Umsatz- und Rentabilitätsplanung als auch deiner Liquiditätsvorschau. Es kann sinnvoll sein, verschiedene Szenarien zu berechnen, z.B. anhand einer SWOT-Analyse (siehe Opportunities), die Du vorher gemacht hast.

G wie Gründungsidee

Am Anfang steht die Idee. Aus der Idee ein Konzept zu entwickeln bildet den Rahmen und Realisierungsfahrplan deiner Gründung (und oftmals auch darüber hinaus). Du kannst damit beginnen deine Idee(n) zu sammeln und zu clustern. Das ist die beste Grundlage für eine Marktanalyse.

H wie Haftpflicht

Bedeutet, dass Du für den Schaden, den dein Unternehmen bei jemand anderen verursacht hat, aufkommst. Entscheide selbst, ob Du eine berufliche Haftpflichtversicherung abschließen möchtest. Manche Auftraggeber verlangen diese, z.B. im Rahmen von öffentlichen Ausschreibungen. Wenn Du eine Haftpflichtversicherung abschließt, solltest Du mindestens einmal im Jahr prüfen, ob die bei der Versicherung eingereichte Unternehmensbeschreibung, -tätigkeiten und -akteure noch aktuell sind.

I wie Inhaltsverzeichnis

Du kannst dein Inhaltsverzeichnis gerne detailliert aufsplitten. Damit kann es wie ein Nachschlagewerk benutzt werden und erleichtert zum Beispiel einem Investor/einer Investorin die Arbeit, wenn diese/r nach einem Detail sucht. Mindestens für die Kapitel sollten die Seitenzahlen angegeben werden. 

J wie Jahresabschluss

Nachdem ein Geschäftsjahr, also ein Kalenderjahr, abgelaufen ist, musst Du für die verschiedenen Steuerarten, die dein Unternehmen und Du zahlen, Steuererklärungen anfertigen. Hierfür wird eine Gewinn-Verlust-Rechnung erstellt. Für bilanzierungspflichtige Unternehmen wird auch eine Bilanz erstellt. Juristische Personen sind per se bilanzierungspflichtig. Natürliche Personen, die ein Gewerbe betreiben, werden ab einen Jahresumsatz von mehr als 600.000 € oder Gewinn von mehr als 60.000€ bilanzierungspflichtig. Freiberufliche Tätigkeiten führen unabhängig von der Höhe ihres Umsatzes und Gewinns nur eine Gewinn-Verlust-Rechnung durch.

K wie Kundennutzen

Deine Kundschaft hat eine, oftmals ungenaue, Erwartung an dein Angebot. Diese Erwartung bewegt sie dazu genau diese Produkte / Dienstleistungen erwerben zu wollen. Für deine Produkte / Dienstleistungen hast Du die Expertise. Deshalb kennst Du auch am besten die Vorteile und kannst den Nutzen erklären; und zwar kundenspezifisch. Das bedeutet, sich in die Perspektive der Kundschaft hineinversetzen zu können. Dafür ist es wichtig, diese gut zu kennen, deren Werte und Bedürfnisse (siehe Marktanalyse).

L wie Lebenslauf

Ist in tabellarischer Form verpflichtend als Anlage deines Businessplans. In deinem Kapitel „Gründerteam“ kannst Du hingegen deine Geschichte erzählen. Wie war dein Werdegang bis zu dem Moment, in dem Du dich für die Gründung mit dieser Idee entschieden hast? Schreibe auch was Du auf deinem Weg über dich selbst erfahren hast und welche Kenntnisse Du erworben hast, die dich in der erfolgreichen Umsetzung deines Vorhabens unterstützen.

M wie Marktanalyse

Die Marktanalyse ist das Herzstück der Gründungsvorbereitung. Sie soll dir helfen deinen Rohdiamanten, deine Gründungsidee, zu einem marktreifen Konzept zu schleifen. Trends kannst Du ablesen, indem Du die allgemeine Marktentwicklung interpretierst. Erörtere dann, ob es deine gewünschten bzw. vermuteten Zielgruppen in deinen Einzugsgebieten gibt und bewerte deren Kaufverhalten und Kaufpotential. Bewerte deine Mitbewerber und Mitbewerberinnen. Stehen sie tatsächlich in Konkurrenz zu deinem Angebot oder sprechen Sie andere Zielgruppen an? Vielleicht kannst Du sogar einen potentiellen Kooperationspartner ausmachen. Beschreibe Teilmärkte, Einzugsgebiete je Angebot, Zielgruppen und Mitbewerber genau und bewerte was die Ergebnisse für deine Idee bedeutet. So kannst Du deine Idee weiter präzisieren.

N wie Name

Den Name ndes Unternehmens kannst Du frei wählen, so lange dieser nicht von jemanden anderen geschützt worden ist (Patentamt). Wenn Du eine so genannte „natürliche Person“ als Rechtsform wählst (z.B. Einzelunternehmen, GbR, Partnergesellschaft, OHG), ist es wichtig, dass auf offiziellen Geschäftsdokumenten dein Name als Inhaber / Inhaberin oder Eure Namen als inhabende Partner und Partnerinnen in der Nähe des Unternehmensnamen stehen.

O wie Opportunities

Ist ein Bereich der SWOT-Analyse. Diese Methode der Chancen & Risiken-Analyse eines Vorhabens ist vielschichtig. Es werden Stärken (strength), Schwächen (weakness), Chancen (opportunities) und Bedrohungen (threats) eines Projekts beleuchtet. Die Stärken und Schwächen werden im eigenen Unternehmen erörtert. Die Chancen und Bedrohungen ergeben sich aus einem Vergleich mit deinen Mitbewerbern. Wir empfehlen dir die Ergebnisse deiner SWOT-Analyse für dein Vorhaben zu bewerten (und ggf. noch einmal aktiv an deinem Konzept zu arbeiten).

P wie Prozesslandkarte

Ist ein Begriff aus dem Qualitätsmanagement und beschreibt den gesamten Prozess vom ersten Kundenkontakt bis zu dem Punkt, dass deine Kundschaft glücklich ist und die Rechnung bezahlt. Alle Schritte, mit denen die Kunden direkt in Berührung kommen, stellen den „Kernprozess“ dar. Um diese Schritte durchführen zu können, finden häufig noch andere Aktivitäten statt. Schreibe alle direkten und indirekten Tätigkeiten mit den Kunden Schritt für Schritt auf. So denkst Du an alle Aufgaben, die notwendig sind, um dein Vorhaben erfolgreich zu realisieren. Für die Qualitätssicherung kannst Du regelmäßig deine Prozesslandkarte auf Aktualität prüfen und ggf. anpassen (kontinuierlicher Verbesserungsprozess).

Q wie Quellenangabe

Dein Businessplan ist ein seriöses Vorhaben. Deshalb gib alle Quellen an, die Du nutzt. So gibst Du dem Leser auch die Möglichkeit in der Literatur nachzulesen. Du kannst die Quellen in Fußnoten oder Endnoten angeben, um den Lesefluss nicht zu unterbrechen. Wenn Du Online-Quellen angibst, solltest Du auch den Tag des Zugangs angeben, weil Webseiten nicht unendlich lange verfügbar sein müssen.

R wie Realisierungsfahrplan

Ist ein Instrument, um den „roten Faden“ der Gründungsvorbereitung, und später der Projektdurchführung, zu behalten und nichts zu vergessen. Eine Möglichkeit ist es, sich in einem Zeitstrahl Ziele zu setzen (das SOLL) und Platz zu lassen, um detailliertere Ziele ergänzen zu können. Auch kannst Du auf diesem Zeitstrahl dokumentieren wie und was im Projektverlauf tatsächlich geschieht (das IST). Denn am Ende kommt alles anders als man denkt. Den Vergleich zwischen deinem SOLL und IST kannst Du schlussendlich ziehen und bewerten, ob das Ergebnis besser oder schlechter ist als der ursprüngliche Plan – oder einfach anders.

S wie Selbstständigkeit

Warum möchtest Du gründen? Und warum möchtest Du mit dieser Idee gründen? Oder warum möchtest Du mit (diesen) Partnern und Partnerinnen gründen? Bevor Du in das Was (Was mache ich? – Produkt & Dienstleistung) und Wie (Wie mache ich? – Strukturen & Prozesse) kommst, stelle dir die Frage nach deiner Motivation. Denn deine Motivation ist es, die Dich später durch die tiefen Täler der Selbstständigkeit tragen soll und dir die Kraft verleiht, Steine aus dem Weg zu räumen.

T wie Team

Vor allem für Teams ist es gut sich selbst und untereinander zu kennen und stets an der „beruflichen Ehe“ zu arbeiten. So könnt Ihr steuern, dass euer Projekt von den Vorteilen des Teams, den unterschiedlichen Persönlichkeiten, Erfahrungen und erworbenen Kenntnissen, Vorlieben und Stärken, profitiert. Jede Charaktereigenschaft kann zu einer Stärke und Schwäche werden, je nach Kontext. Sich und die anderen gut zu reflektieren ist wichtig für eine optimale Aufgabenverteilung und das eigenen Zeit- und Selbstmanagement. Auch ist es gut zu wissen wie alle im Team unter Druck reagieren.

U wie Unternehmertyp

Bist Du eine Macher-Type, entgehen dir keine Details oder bist Du visionär? Anhand eines Profilings, einer Einschätzung der Persönlichkeit und ob diese für die Selbstständigkeit geeignet ist, hast Du die Möglichkeit dich selbst zu hinterfragen und zu bewerten – und ggf. eine Fremdeinschätzung zum Vergleich hinzuziehen. Das Profiling kannst Du gemeinsam mit einem Coach durchführen oder einen Workshop besuchen. Eine erste Einschätzung kannst Du dir hier holen.

V wie Vertrieb

Ist ein Teil der Marketingstrategie. Der Vertrieb umfasst alle Wege, auf denen deine Produkte deine Kundschaft erreichen. Der Vertrieb umfasst auch die Orte, an denen die Dienstleistungen deines Unternehmens ausgeführt werden. Auch beispielsweise der Lagerort deiner Produkte, Bestellsoftware für die Kundschaft und die Logistik vor Ort gehören zum Vertrieb. Der Marketing-Mix besteht außerdem noch aus der Produkt-& Preispolitik als auch der Kommunikations-strategie, die auch salopp als „Werbung“ betitelt wird. 

W wie Werbung

Ist der umgangssprachliche Ausdruck für die Kommunikationsstrategie im Marketing-Mix. Hierzu gehören Kanäle, über die Du deine Angebote zielgruppenspezifisch kommunizierst als auch dein Logo und Farben & Formen, also dein Corporate Design. Zu deiner Corporate Identity gehören auch deine Unternehmensphilosophie und gelebte Unternehmenskultur.

X wie X-Mas

ist ein guter Anlass um Urlaub zu nehmen oder sich bei der eigenen Kundschaft für die gute Zusammenarbeit und Treue zu bedanken. Auch individuelle Ereignisse deiner Kundschaft können gute und vor allem persönliche Anlässe sein, um die gute Zusammenarbeit anzuerkennen – im Rahmen deiner Kommunikationsstrategie (siehe auch Werbung).

Y wie YouTube

Ist ein Kanal für die Kommunikation und/oder für den Vertrieb deiner Angebote. Wenn deine Kundschaft über soziale Medien angesprochen werden möchte, empfehlen wir dir deinen Account stets up-to-date zu halten und dich vorab genau über die Regeln und Gentlemen‘s Agreement zu informieren, die in der Community herrschen, z.B. über die Videolänge.

Z wie Zielgruppe

Eine Zielgruppe ist durch ähnliche sozio-demografische, geografische und psychologische Faktoren charakterisiert. Hierfür solltest Du vorab wissen, welches dein Einzugsgebiet respektive deine Reichweite für ein Angebot ist. Charakterisiere zunächst deine „Wunsch“-Zielgruppen für die einzelnen Angebote und prüfe dann den Markt, ob es diese Kundschaft in deinem Einzugsgebiet gibt (siehe auch Marktanalyse).

Nicht verpassen: Am 30. Juni endet die Abgabefrist. Macht mit, sichert Euch das Feedback der Expertinnen und Experten und vielleicht zählt Ihr zu den Siegerteams der finalen Phase. Insgesamt vergeben wir 27.000 Euro Preisgeld. Alle Infos findet Ihr auf unserer Website.

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An alles gedacht? Unser Last Minute Businessplan Leitfaden
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An alles gedacht? Unser Last Minute Businessplan Leitfaden
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Was gehört in den Businessplan? Anett Schönburg hat sich mit dem A bis Z befasst. Dabei ist dieser spannende Überblick entstanden. Ein Last Minute Leitfaden für Euren Businessplan.
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manus ordinans

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