Küchenstart für mehr Energiegerechtigkeit

Für die meisten Europäer ist das Einschalten von Licht selbstverständlich. Beim Startup solarworx – auf dem Gelände des Berliner A32 Entrepreneurs Forum – sind dagegen  Denken und  Handeln auf Regionen ausgerichtet, die von Energieknappheit geprägt sind. Denn das Unternehmen entwickelt, baut und vertreibt netzunabhängige, so genannte „off-grid“- Solarstromlösungen: Einzelne Häuser oder Hütten können so mit überschaubarem technischen Aufwand mit Strom versorgt werden, wo die öffentliche Infrastruktur zu schwach oder nicht vorhanden ist.

Praxiswissen durch Berufserfahrung

Felix Boldt und Jakob Schily hatten schon jahrelang, besonders in Afrika, mit der „off-grid“-Stromversorgung zu tun. Doch die derzeit gängigen Lösungen überzeugten sie nicht. Sie wollten für die Menschen, insbesondere der Südhalbkugel, eine bessere Lösung. „Eigentlich war es eine typische Garagenstory in Berlin, außer, dass die Garage eben eine Küche war. Dort haben wir erst einmal aus Eigenmitteln Prototypen gebaut, mit 3D Druckern und eigener Elektronik“, erinnert sich Boldt.

Modul-Technik ohne Kompromisse

Später stieß noch Franz Josef Buschmeier, ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Siemens AG, dazu. Heraus kam am Ende dabei ein Solar Home System, das so gestaltet wie konstruiert ist, dass es den realen Anforderungen in Entwicklungs- und Schwellenländern gerecht wird. Vor allem ging es dem Trio bei seinen „Solar-Minikraftwerken“ um eine konsequente und erste wirklich echte Modulbauweise. Elemente können so dank neuer Erweiterungsprodukte im gleichen Design, wie etwa dem MESH-Modul zur Verbindung einzelner Anlagen, zu einem Mikronetz oder zu Speichererweiterungen mühelos kombiniert und erweitert werden. Das System wächst nach Bedarf –  sogenanntes „bottom-up“-Prinzip.

Sieben Menschen mit Vision

Mittlerweile arbeiten bis zu sieben Mitarbeiter, darunter lokale Fachkräfte in Maroua, Kamerun, und in der ugandischen Hauptstadt Kampala, an der Verbreitung und Weiterentwicklung der neuen Technologie. Das ist bei den aktuell kleinen Stückzahlen der Pilotprojekte noch nicht wirtschaftlich, daher arbeitet die Firma jetzt vor allem an der Skalierung. Gerade finanziell muss das Unternehmen durch die Bereitstellung der Endgeräte in der Anfangsphase in hohe Vorleistung gehen – schließlich verfügen die Kunden, oft Kleinbauern, nur über sehr knappe finanzielle Ressourcen. Die Arbeit findet auch hierzulande Anerkennung: Solarworx errang dieses Jahr auf Anhieb den Sieg beim neuen Sonderpreis Energie des BPW.

Gründen als Grunderfahrung Felix Boldt ist fasziniert von der gemeinsamen Arbeit: „Ich habe noch nie so viel interdisziplinär lernen können wie im vergangenen Jahr. Als Ingenieur verliert man sich aus Technikliebe gerne in Details. Als Geschäftsführer muss man hingegen immer das große Ganze im Auge haben und über seinen Tellerrand schauen, eine wichtige Erfahrung. Man kann beim Gründen eigentlich nur gewinnen, aber es erwartet einen auch ein riesiger Batzen Arbeit.“ Und es gibt klare Ziele: Eintausendfünfhundert Anlagen sollen bis Jahresende produziert sein. Und 2023, so Boldt, sollen dann hunderttausend dieser Modelle mehr Strom und damit mehr Chancengerechtigkeit für Tausende von Menschen in Afrika liefern.

Finalisten vorgestellt: In unserer Portrait-Reihe stellen wir alle Finalisten eines jeden BPW-Jahres vor. Solarworx hat den Sonderpreis Energie des BPW 2019 gewonnen.

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