Klüger kommunizieren im Gesundheitswesen

Als Phillipp Kurtz und Niklas Zender während ihres Medizinstudiums Praktika in diversen Krankenhäusern absolvierten, waren sie erst einmal ernüchtert. Große Kommunikationsdefizite und zeitraubende Vorgänge waren Alltag: „Wir erfuhren die Abläufe in den Kliniken am eigenen Leib. Unter diesen Bedingungen wollten wir eigentlich künftig nicht im Krankenhaus arbeiten. Stattdessen kam uns der Gedanke, die digitalen Anwendungen in der Medizin zu verbessern, um Ärzten das Leben einfacher zu machen und ihnen so Zeit und Kraft zu schaffen, um sich besser um die Patienten kümmern zu können“, erinnert sich Kurtz an den ersten Impuls für ihr Startup Famedly.

Pausen mit Kreativschub

Zurück zwischen Hörsaal und Bibliothek, ließ sie der Gedanke nicht mehr los, mit einem eigenen Projekt den Informationsfluss im gesamten Gesundheitswesen zu optimieren. Kurtz beschreibt, wie alles ins Rollen kam: „Bei gemeinsamen Pausen während der Lernzeit zum 2. Staatsexamen entwickelte sich dann aus mehreren vagen Ideen ein Plan, wie man diese nach dem Studium umsetzen kann. Dabei sprachen wir untereinander viel, aber ebenso mit potenziellen Kunden und Anwendern. Daraufhin haben wir zunächst einmal angefangen, einen groben Rahmen zu spezifizieren. Danach begannen wir, erste Lösungsansätze zu entwickeln.“

Tipp der Uni

Damit blieben Kurtz, Zender und ihr engagiertes Umfeld aus Ideengebern, Sparringpartnern, Software-Entwicklern und Designern nicht allein. ProFUnd, die Gründungsberatung der FU Berlin, machte das Team auf den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) aufmerksam: Die regionale Ausrichtung des Wettbewerbs fanden die Gründer sehr passend für sich. „Zum anderen hat uns der erste Kontaktabend endgültig überzeugt, am BPW teilzunehmen“, erinnert sich Kurtz. Aus dieser Konstellation erwuchs der Rahmen, um eine digitale Kommunikationslösung für die Gesundheitsbranche, in der Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflegedienste und Therapeuten – organisationsintern, aber auch organisationsübergreifend – interaktiv und sicher miteinander kommunizieren können, zu entwickeln. Famedly setzt dabei auf höchste Datensicherheit und -hoheit für die Kunden. Zusätzlich werden sogar freie Schnittstellen für weitere Akteure im Gesundheitswesen angeboten: Das können vor allem kleinere Drittanbieter sein, um diesen breiteren Zugang zu medizinischen Organisationen zu ermöglichen.

Pilotprojekt als Nahziel

Mittlerweile arbeiten zusätzlich vier durch das Berliner Startup Stipendium (BSS) geförderte Experten daran, zunächst ein Pilotprojekt umzusetzen. Dies soll zeigen, dass der Einsatz der Famedly-Lösung tatsächlich Zeit spart und von den Anwendern gerne genutzt wird. Langfristig will das Startup erreichen, die Mensch-Mensch-Kommunikation, aber auch die Mensch-Maschine-Interaktion in der Gesundheitsbranche digital abbilden zu können. „Die darin verborgenen Potenziale führen zu einer weiteren deutlichen Steigerung in der Qualität der Patientenversorgung“, ist Kurtz sich sicher.

Handeln statt hadern

Zum Gründen möchte das Team ausdrücklich ermuntern: Dahinter, so Kurtz, stehe die Freiheit und Verantwortung, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und das Gefühl, eventuell wirklich etwas bewegen zu können. Sein Tipp für alle, die auch mit einem Startup liebäugeln: „Einfach machen. Perfektionismus ist fehl am Platz.“

Finalisten vorgestellt: In unserer Portrait-Reihe stellen wir alle Finalisten eines jeden BPW-Jahres vor. Famedly hat den 1. Platz im 2. Zyklus und den 2. Platz im 1. Zyklus des BPW 2019 jeweils in der Kategorie BPW Canvas erreicht.

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