Von Gründerteams, ihren Stärken und ersten Herausforderungen

Unsere Gastautorin Wencke Schwarz berichtet über das wichtigste Kapital beim Gründen: Das Gründerteam. Mit ihm steht und fällt der Erfolg eines Unternehmens und gutes Teamwork ist entscheidend. Doch lest selbst, was ein Gründerteam wirklich ausmacht und wie ihr der Herausforderung begegnen könnt.

„Team steht für: Toll, ein anderer macht´s.“ dies war die augenzwinkernde und leicht ironische Antwort einer Freundin als ich Sie fragte, was sie mit dem Begriff Team verbindet. Andere denken beim Begriff Team vielleicht eher an „ihr Team“, wobei die einen damit ihren Lieblingsverein beim Fußball, die anderen ihr berufliches, organisatorisches Arbeitsteam und die nächsten ihr Team, mit dem sie sich ehrenamtlich und privat für einen guten Zweck engagieren, meinen. Und das ist nur ein kleiner Auszug an Antworten, die ich auf diese Frage erhalte.

Was kennzeichnet demnach ein Team?

In der Psychologie und Wirtschaftswissenschaft finden sich zahlreiche Definitionen, die im Kern Folgendes gemeinsam haben:

Ein Team besteht aus

  1. zwei oder mehr Mitgliedern, die
  2. gemeinsame Ziele verfolgen und dazu
  3. Kooperation und soziale Interaktion zeigen müssen und
  4. zudem eine gemeinsame Aufgabenstellung verfolgen.

Der letzte Punkt ist hierbei entscheidend. Liegen „nur“ die ersten drei Punkte vor, spricht man von einer Gruppe. Erst die gemeinsame Aufgabe macht ein Team zu einem Team.

Vor diesem Hintergrund kann ich guten Gewissens behaupten: Die Gründerteams beim BPW sind echte Teams! In den meisten Fällen kommt das „Wir-Gefühl“ und Herzblut für die gemeinsame Geschäftsidee hinzu – einen großen Mehrwert, den man nicht kaufen kann, sondern der sich ergeben muss. In Unternehmen wird deshalb bei der strategischen Zusammenstellung bzw. Ergänzung von Teams nicht nur auf Basis von Kompetenzen und Fähigkeiten entschieden, sondern auch ob es „charakterlich passt“. Teambuilding-Maßnahmen und Teamcoachings werden ergänzend eingesetzt, um die Chancen der „Wir-Gefühl-Entstehung“ zu erhöhen.

„Gemeinsam ist man stark“ ist eine Aussage, die sich aufdrängt: Doch stimmt sie wirklich?

Tatsächlich gibt es klare Vorteile von Gründerteams gegenüber Einzelpersonen. Der offensichtlichste ist das erhöhte Humankapital. Dies meint schlicht und ergreifend: Es gibt mehrere Personen und folglich mehr Arbeitsstunden die in einem vergleichbaren Zeitraum zur Zielerreichung eingesetzt werden können. Auch in puncto Kompetenzen, Wissen, Erfahrungen und Perspektiven verfügen Teams über größere Ressourcen, die sich i.d.R. sinnvoll bereichern. Weiterhin verteilt sich das Risiko der Gründung auf mehreren Schultern und Teamentscheidungen führen nachweislich zu besseren Ergebnissen. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt ist die gegenseitige Motivation, wenn man einen schlechten Tag erwischt hat oder zähe Phasen der Gründung durchläuft. Wenn Teams ihre Vorteile und Potentiale nutzen werden sie tatsächlich gemeinsam stärker. Doch gerade hier liegt die große Herausforderung! Oder um es mit Henry Ford zu sagen: „Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten ist ein Erfolg.‘‘

DAS Gründerteam, DEN Weg und DIE Erfolgsformel gibt es nicht, da Teams so vielfältig sind wie Menschen individuell und somit ihr eigenes Profil haben. Zudem müssen viele Faktoren wie die aktuelle Prozessphase, Vorerfahrungen, Zielsetzungen, Budget, die Branche und Zielgruppen, etc. für eine individuelle Begleitung mit in Betracht gezogen werden. Nutzen Sie die Gelegenheit im Rahmen der ihnen zur Verfügung stehenden Coachingstunden beim BPW aus.

Gründerteams und ihre Herausforderungen

Trotzdem gibt es Herausforderungen, denen sich jedes Gründerteam zu Beginn stellen muss, da sie Allgemeingültigkeit haben. An dieser Stelle möchte ich Ihnen drei skizzieren, denen ich in meiner beruflichen Praxis regelmäßig begegne.

  • Herausforderung 1:
    „Wir sind … und unsere Vision ist…, denn wir wollen… und uns ist wichtig….“
    Meiner Erfahrung nach gibt es oftmals einen „gefühlten Konsens“, so dass die Antwort auf obige Satz im Team geklärt scheint. Doch lassen Sie sich nicht vom Schein trügen, sondern beleuchten Sie Ihr Fundament ausführlich zu Beginn. Schließlich geht es um Sie: Ihre Zeit. Ihr Geld. Ihre Zukunft. Füllen Sie individuell obigen Lückensatz aus und nehmen Sie sich die Zeit, ausführlich darüber im Team zu sprechen! Warum? Das Ergebnis bildet den zentralen Ausgangspunkt und den roten Faden ihres Gründungsvorhabens und dieser muss stabil sein. Im „schlimmsten Fall“ entdecken Sie, dass Sie Unvereinbarkeiten haben und nicht miteinander gründen.
  • Herausforderung 2:
    „Das belebende Wir-rocken-mit- unserer-Idee-den Markt-Gefühl“ mit kritischen (Scheiter)Gedanken balancieren
    Es ist toll, wenn Sie eine Passion für Ihr Unternehmen haben und sich als Team dabei gegenseitig beflügeln. In dieser Stimmung neigen Teams dazu kritische Aspekte und unbequeme Punkte zu beachten bzw. schieben diese auf. Es ist jedoch professionell und notwendig, dass Sie im Team verschiedene Szenarien durchspielen – auch kritische (Scheiter)Gedanken wie „ Was ist, wenn wir uns nicht mehr verstehen?“ oder „Was machen wir, wenn eine Person aussteigen will?l“. Gerade das ruhige Durchdenken in einem positiven Umfeld, bietet Ihnen die Möglichkeit faire Spielregeln im Team aufzustellen, eine gute Feedbackkultur zu etablieren und konstruktive Lösungen gemeinsam zu finden. Dass „im Fall der Fälle“ keine bösen Überraschungen lauern, schafft Sicherheit und stärkt das gute Teamgefühl.
  • Herausforderung 3:
    „Von zu vielen Köchen, die den Brei verderben und der Frage, ob Ordnung das halbe (Gründer)leben ist.“
    Entscheidungen müssen getroffen werden, um voran zu kommen. Doch welche Entscheidungen liegen im Verantwortungsbereich des Einzelnen und welche muss das Team gemeinsam entscheiden? Um hier effektiv zu agieren und Missverständnisse zu reduzieren, sollten Sie Ihre Zuständigkeitsbereiche und damit verbundene Kompetenzen klar aufteilen.
    Nicht jeder muss immer überall beteiligt sein und z.B. im „Cc“ sämtlicher Emails stehen. Führen Sie lieber eine Regelkommunikation im Team ein und stellen Sie sich gegenseitig strukturiert den Stand der Dinge aus Ihren Bereichen kurz vor. Zudem können Sie hier offene Punkte klären, Rückfragen stellen, nächste Schritte besprechen und neu Aufgekommenes diskutieren.
    Sinnvolle Strukturen sind nicht spießig, sondern unterstützen ihre Prozesse und schaffen Ressourcen. Schon die einmalige Klärung von administrativen Fragen wie „Wo speichern wir unsere gemeinsamen Dokumente ab und nach welchem Prinzip benennen wir Dateien (z.B. Jahr_Monat_Tag Kunde Betreff Versionsnr.)“ spart Suchzeit und Nerven im Teamalltag

Wie Sie merken steht gutes Teamwork nicht für „Team = Toll, ein anderer macht´s.“, sondern vielmehr für: „ Team = Together everyone achieves more“ (Gemeinsam erreichen alle mehr).

In diesem Sinne viel Erfolg und Spaß bei Eurem „Abenteuer Gründung“

 

Über die Autorin

Wencke Schwarz hat >>> Menschen im Fokus <<< und ist Expertin für den Faktor Mensch, Lernen und die Arbeit an und mit Schnittstellen. Die Diplom-Psychologin unterstützt Menschen, Teams und Unternehmen beim Lernen und ihrer Weiterentwicklung, insbesondere in punkto Kommunikation, Führung und multidisziplinäre Perspektivenübernahme, um Mehrwerte zu schaffen.
Darüber hinaus hilft sie Unternehmen in „Kundenschuhe“ zu schlüpfen und so ihre Kundenbeziehungen zu stärken, Stolpersteine zu beseitigen und ihre Kunden glücklicher zu machen.
Ergänzend fördert sie Kreativitätspotentiale und zeigt wie systematische Ideen und Lösungen, z.B. mittels Design Thinking, entwickelt werden können.

Bildnachweis: ©pixabay

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