Finanzplanung – das Tabellarium der Solidität

Die Ideen sprießen und auch die technische Umsetzung scheint möglich: Gute Voraussetzungen, um aus einer Idee ein Unternehmen zu entwickeln – jetzt fehlt nur noch das notwendige Startkapital. Doch der Weg zu einer soliden Finanzplanung besteht aus mehr als der Aufgabe, eine Summe X für die Verwirklichung der eigenen Unternehmensidee zusammenzubekommen. Am besten weiß das wohl Karsten Denz, Finanzberater im Rahmen des Businessplan-Wettbewerbs Berlin Brandenburg (BPW). Unter anderem vermittelt er in für BPW-Wettbewerbsteilnehmerinnen und -teilnehmer kostenlosen Seminaren wichtige Tools und Kniffe in Sachen Finanzplanung und Finanzierung.

Die eigenen Ziele klären

Seine Expertise und Erfahrungen gibt er gerne weiter – und hat dabei stets den Gründungsprozess vor Augen: „Das Allererste, was man sich als Startup klar machen sollte, ist: ‚Wofür mache ich das alles eigentlich?‘ Es geht darum, präzise für sich ermitteln zu können, was Kern der Gründungsidee ist, zu was man diesen weiterentwickeln möchte und welche messbaren Ziele man wirtschaftlich damit anstrebt. Wenn einem das klar ist, ist sofort die Zeit für einen Finanzplan gekommen. Denn eine solide Ermittlung des Finanzbedarfs ist die absolute Grundlage für den erhofften wirtschaftlichen Erfolg, um den es ja gehen muss“, so Denz.

Alle Parameter müssen stimmen

Warum ein durchdachter Finanzplan so wichtig ist, macht Denz an einem Beispiel klar: Gründungswillige können eine noch so ausgezeichnete Idee bzw. ein Produkt haben, in dem selbst der Unique Selling Point (USP), also das Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz, eindeutig gegeben ist. Sogar die Resonanz darauf im Rahmen einer Marktanalyse kann vielversprechend sein. „Doch wenn potenzielle Kunden sagen, dass das ja ein super Produkt sei, aber nicht bereit sind, eine Summe dafür auszugeben, die am Ende der Strecke die Kosten nicht nur trägt, sondern perspektivisch auch Gewinn abwirft, geht einem irgendwann wirtschaftlich die Luft aus. Dann haben Finanzplanung und Geschäftskonzept einfach nicht gestimmt“, sagt Denz. Er wirbt für einen realistischen Blick, der diesem Ablauf folgen sollte: Ermittlung des Finanzbedarfs, die Planung der Liquidität – und zwar so, dass abrufbare Reserven real und nicht nur auf dem Papier existieren – und schließlich Ermittlung und Wahl der optimalen Finanzierung, die auch mögliche Fördermittel berücksichtigen sollte.

Die Klarheit der Tabelle

Denz’ Tipps für Gründende zeigen: Präzision ist nicht nur beim Feilen am Produkt, sondern beim nüchternen Hantieren mit wirtschaftlichen Kennzahlen gefragt. Dazu gibt es auch das Mittel der Wahl: „Ich empfehle immer die gute alte Excel-Tabelle, in der man entlang der BPW-Tipps, zum Beispiel aus dem Handbuch, Posten für Posten einer ehrlichen Bedarfsanalyse unterzieht. Und bitte erst zur Hausbank gehen, wenn einem die Linie, wo es langgehen muss, selbst klar ist. Die Bank sollte einem nicht erklären müssen, wo es beim eigenen Plan hakt“, sagt Denz. Trotzdem gelte: Sie sind nicht allein! Tauschen Sie sich aus und nutzen Sie das Know-how von Fachleuten, im Freundes-, Bekannten- oder Familienkreis.

Typisches Fehler-Quartett

Dann vermeiden Gründungsteams oder Einzelgründende auch die vier großen Hauptfehler, die das Quartett der No-gos bilden: Zu optimistisch bei Umsätzen und Kostenaufwand sein, zu wenig finanzielle Reserven kalkulieren, auf externe Sparringspartner in der Auseinandersetzung mit der Finanzierungsmaterie verzichten – und nicht zuletzt ein Mangel an Kontinuität: „Besonders in Branchen mit schwankenden Gewinnen kommt es darauf an, die Finanz- und Liquiditätsplanung auch fortzuschreiben. Nur mit laufenden Planungen und regelmäßigem Controlling kann man die eigene Lage wirklich im Blick behalten“, so Denz. Und dann gebe es da noch etwas, eigentlich eine Binsenweisheit – doch die sei allen Gründenden angesichts aktueller Trends noch einmal ans Herz gelegt: „Wer ins Geschäftsleben einsteigt, sollte nicht nur seinen Plan und seine Branche beobachten, sondern alles, von Märkten über Zins- bis hin zur Handelspolitik. Denn schließlich hängt alles mit allem zusammen“, so Denz.

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