Fantasie mit Business-Folgen

Keine harte Marktbeobachtung, keine nüchternen Zahlen: Dafür war Freude im Spiel – und vor allem am Spiel: So haben Augmented Robotics ihren Weg in die Business-Welt gestartet. Die Initialzündung des Start-ups hebt sich buchstäblich ab von manch anderer Gründerstory: „Erst war es nur ein Hobby-Projekt. Wir wollten uns mit Drohnen und Augmented-Reality-X-Wing-Fightern gegenseitig bekämpfen. Wir sind halt echte Nerds“, erzählt Co-Gründer und CEO Tony Nitschke mit Augenzwinkern. Um gleich danach zu erklären, wie man auf die Idee kommen kann, ein Kinderspielzeug mit Augmented Reality-Technologie zu tunen: „Um uns die Machbarkeit zu beweisen, haben wir mit einem Spielzeugauto anstatt der Drohne angefangen. Das war schon echt cool. Diesen Prototyp haben wir dann Vertretern der Spielwarenindustrie gezeigt. Die waren total begeistert und wir haben daraufhin unser Start-up gegründet.“

Frühfinanzierung im Blick

Die ersten Konstruktionen und Versuche fanden 2017 in einem Keller des Instituts für Luft- und Raumfahrt der Technischen Universität (TU) Berlin statt. Möglich wurde das, weil Prof. Dr.-Ing. Klaus Brieß, Fachgebietsleiter für Raumfahrttechnik, das Gründerteam mit der geeigneten Fläche sowie notwendigen Gerätschaften unterstützen wollte. Aus den Nerds, Tony Nitschke, Evgeni Melan und Patrick Bethke wurden Unternehmer, die sich vor allem eines wünschen: „Wir wollen eine Seed-Finanzierungsrunde erreichen, also eine frühe Investition in unser Produkt, um schneller wachsen zu können“, sagt Nitschke. Momentan arbeiten in der Berliner Ackerstraße insgesamt vier Menschen daran, dass das „RoboHeart“ ein serienreifes AR-Gamingmodul für Spielwaren wird. Es soll als Lizenztechnik für Spielwarenhersteller sowie als Indoor-Navigation für robotische Anwendungen den Markt erobern.

Feedback als Pluspunkt

So spielerisch der Auftakt erscheint, so ernsthaft geht das Team daran, die Herausforderungen des Gründens professionell zu meistern. Den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) solle man nicht nur unter dem Aspekt des Preisgeldes sehen. Das Wertvollste sei eigentlich das Feedback aller Beteiligten. Wenn sich das Team die Gründerszene betrachtet, haben sie als Insider einen großen Wunsch: „Seriösere Startups, ‚Fake it till you make it‘, das schadet unserer Community“, sagt Nitschke. Und empfiehlt, die Kurse und Veranstaltungen rund um den BPW zu besuchen. „Man lernt nie aus.“ Beim BPW hatte Augmented Robotics den ersten Platz im ersten Zyklus des BPW Business Model Canvas errungen.

Qualitätssprung als Vision

Ein Fernziel hat das Quartett auch ins Auge gefasst. Und das steht für einen qualitativen Vorwärtssprung im „Spielzeugreich“: Jede Spielware, so Nitschke, soll einmal so selbstverständlich ein RoboHeart in sich tragen wie ein Computer eine Grafikkarte.

Finalisten vorgestellt

In unserer Portrait-Reihe stellen wir alle Finalisten eines jeden BPW-Jahres vor. Augmented Robotics hat den 1. Platz im 1. Zyklus des BPW 2019 erreicht.

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