Engagiert, aber gelassen: Die Fortschrittsbeschleuniger von ME Energy

Man kann sich mit den Bundesliga-Tordifferenzen beschäftigen. Man kann auch darüber nachdenken, warum bei manchen Menschen den ganzen Tag trotz Alltagsstress kein Fleck auf das weiße Hemd kommt. Oder man kann sich faszinieren lassen von der Revolution der Mobilität – wie die beiden Autofans Alexander Sohl und Holger-Inès Adler: Der Master of Science im Chemieingenieurwesen und der Diplom-Maschinenbauingenieur diskutierten elektrisiert über E-Mobilität – rauf, runter, aber immer nach vorne. 2018 dann die Tat: Sie gründeten mit ME Energy ein Startup, das echt ortsunabhängige E-Mobilität auf die Spur setzte.

Gebündelte Innovation

ME Energy hat mit seinem Produkt jetzt schon die bislang bekannte Elektroladesäule hinter sich gelassen – obwohl selbst deren Verbreitung gerade erst einmal an Fahrt gewonnen hat. Dank einem Bündel an Innovationen: Die ME Energy-Säule braucht keinen „Fremdstrom“, sie erzeugt ihn sich selbst. Zusätzlich drehen Sohl, Adler und Team gleich richtig am Innovationsrad: Der Strom entsteht in ihren Säulen CO2-neutral aus Biokraftstoffen. Und weil vor allem Praxis zählt, kann das neue System in zehn Minuten Kaffeepause mal eben 200 Kilometer Reichweite in den Autoakku pumpen. Konventionelle Ladesäulen fordern E-Autofahrern dafür derzeit noch zwei Wartestunden ab.

Geschäftsführer Alexander Sohl berichtet: „Wir möchten einen Beitrag leisten, die Reichweitenangst zu bekämpfen, die die öffentliche Debatte über Elektromobilität dominiert.“ Er bezieht sich hier auf das Problem, dass viele Autofahrer zögern, ein Elektroauto zu kaufen, da keine oder nur sehr langsame Ladestationen europaweit verfügbar sind. Die neue Lösung ist ein wichtiger Baustein, denn: „Die Stationen können das Henne-Ei Problem endlich lösen: Sie sind achtzig Prozent günstiger als stromnetzgebundene Ladestationen und reduzieren die Amortisationszeit von über 30 Jahren auf nur noch 4“, so Sohl weiter. Die Ladestationen sind somit wirtschaftlich attraktiv für eine breite Kundengruppe: Tankstellen, Supermärkte, Flottenbetreiber, Restaurants, Hotels oder Immobilienunternehmen. Abschließend fügt der Geschäftsführer hinzu: „Ladeinfrastruktur kann nun endlich dort entstehen, wo sie gebraucht wird, und nicht dort, wo die Stromnetzkapazitäten verfügbar sind. ME Energy bringt E-Tankstellen auch in infrastrukturschwächere Regionen.“

Mittlerweile ist das in Potsdam gegründete Unternehmen ins Zentrum für Luft- und Raumfahrt (ZLR) im brandenburgischen Wildau umgezogen.

Beispiellose Erfolgsserie

Mit seinem Konzept legte das Startup eine nahezu beispiellose Erfolgsserie im Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg hin. Mit fünf Patenten im Rücken errang ME Energy bereits in der ersten Phase des BPW Plan den ersten Platz. Das Startup verteidigte seinen Rang auch in Phase zwei – um dann beim großen Finale schließlich den Hattrick und Spitzenplatz zu erringen. Und damit nicht genug: Neben einem achtbaren zweiten Platz beim neuen Sonderpreis Energie punktete das mittlerweile siebenköpfige Team erneut: Eine Fachjury erkannte ME Energy auch den Sonderpreis Nachhaltigkeit zu: Denn Ressourcenschonung war vom ersten Funken an mitgedacht. ME Energy macht Mut zur Teilnahme am BPW: „Einfach trauen und loslegen, man kann nur gewinnen“, sagt Sohl.

Chancen konsequent genutzt

Ein Teil des Erfolges dürfte die gelassene, aber engagierte Art der Gründer sein. Von Abheben ist da keine Spur. Die Preisgelder werden konsequent ins Produkt gesteckt. Genutzt werden auch die vielen Chancen beim BPW, einen guten Draht zu Business Angels, Fachexperten und Entscheidern in Politik und Wirtschaft aufzubauen. „Wir haben bislang nach jeder Prämierung spannende neue Kontakte geknüpft“, sagte Sohl augenzwinkernd schon nach der zweiten Prämierung. Während des Wettbewerbs wurde auch die Brandenburg Kapital, die Beteiligungsgesellschaft der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), auf ME Energy aufmerksam, und seit Ende Juni zählt das Startup nun zum Portfolio der ILB-Tochter. Die Seed-Finanzierungsrunde mit zwei Business Angels, Förderzuschüssen der ILB und Venture Capital über insgesamt zwei Millionen Euro ermöglicht Investments in die Kleinserie und den Markteintritt. Dr. Torsten Fiegler, Investment Manager der Brandenburg Kapital: „Die Ladesäulen von ME Energy ermöglichen kurze Amortisationszeiten für Betreiber, entlasten das Mittelspannungsnetz und sind vor allem eine schnelle Lösung für E-Autos in urbanen und ländlichen Gegenden. Das hat uns überzeugt, die ME Energy bei ihrer Unternehmensentwicklung zu unterstützen.“

Im Zentrum für Luft- und Raumfahrt (ZLUR) im brandenburgischen Wildau wurde mit der Fertigung der Ladesäulen bereits begonnen. Und schon kommendes Jahr wollen die konzentriert arbeitenden Fortschrittsbeschleuniger wieder einen Meilenstein passieren – dann soll die E-Ladesäule à la ME Energy serienreif sein. Womit auch Sohl seinem größten Wunsch als Gründer wieder näher gekommen sein dürfte: „Wenn wir als Team einen messbaren Beitrag zur emissionsfreien Mobilität leisten könnten, wäre das einfach klasse“, so Sohl.

Finalisten vorgestellt

In unserer Portrait-Reihe stellen wir alle Finalisten eines jeden BPW-Jahres vor. ME Energy hat in der Kategorie BPW Plan in allen 3 Phasen jeweils den 1. Platz erreicht.

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