Die Welt erobern, aber wie? Tipps zur Internationalisierung Ihres Startups

Think Big! Ein kurzer, aber prägnanter Leitsatz, den sich viele Startups auf die Fahne schreiben. Doch was gehört eigentlich dazu, wenn der internationale Markt erobert werden soll? Und welche Herausforderung stellt dabei die Corona-Krise dar?
In unserem Webinar „Internationalisierung in Zeiten von Corona“ besprechen wir mit Ihnen die Chancen und Risiken des Weltmarktes und wie Sie hier Fuß fassen.

Mit unseren Referenten Dr. Stefan von Senger und Ulrike Munz von der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB) steht Ihnen dafür geballte Internationalisierungs-Expertise zur Seite. In unserem Interview erfahren wir exklusiv, worauf es beim Blick über den (nationalen) Tellerrand wirklich ankommt und welche Fallstricke bei der Erstellung eines Businessplans unbedingt vermieden werden sollten.

BPW-Blog: Was bedeutet das Thema „Internationalisierung“ für Sie?

Dr. Stefan von Senger: Das bedeutet, den wahnsinnigen Reichtum an Ideen, Produkten und menschlichen Beziehungen, den einem das Ausland bieten kann, für seine Gründung zu nutzen. Es geht ja nicht nur um Lieferketten, also Zulieferungen, die man im eigenen Land nicht oder nicht so gut und günstig bekommt. Es geht auch nicht nur um internationalen Absatz. Es geht vor allem um den Blick über den Tellerrand, um einen weltoffenen Unternehmensgeist.

Womit müssen sich Gründer bei diesem Thema auseinandersetzen?

Ulrike Munz: Sie sollten erstmal in sich selbst hineinhorchen: Will ich das? Brauche ich das? Traue ich mir das zu? Und dann auch gleich: Wohin zieht es mich, allein schon aus emotionalen Gründen? Welche Sprache(n) spreche ich? Wo kenne ich Leute, die mir dabei nützlich sein können? Solche Überlegungen sollten am Anfang stehen. Aber dann gibt es noch etwas anderes: „Pull-“ – und „Push-Faktoren“, auf die wir im Webinar näher eingehen.

Worauf kommt es dabei beim Geschäftskonzept an?

Dr. Stefan von Senger: Zuerst kommt ja das Gefühl. Das ist wirklich wichtig. Vielleicht auch der Zufall! Aber dann: Eine ordentliche Marktanalyse. Ist der Markt wirklich der richtige? Wer sind dort meine potentiellen Partner, Wettbewerber und Kunden? Am Ende dann aber auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung: Was kostet mich das zusätzlich an Zeit und Geld? Welche Risiken gehe ich ein?

Was sind – basierend auf Ihren Erfahrungen als BPW-Juror – typische Fallstricke dabei?

Dr. Stefan von Senger: Der Aufwand für eine Internationalisierung wird vielfach unterschätzt. Früher sagte man: Man soll nur ins Ausland gehen, wenn man im Heimatmarkt gesettlet ist. Das ist heute – gerade für Gründer – nicht mehr unbedingt richtig. Es gibt ja sogar die „born globals“. Aber gerade internationale Beziehungen leben von Vertrauen – vertrauensvolle Partner zu finden und langfristig zu binden, kostet mitunter Zeit und Nerven. Ausfuhrgenehmigungen etc. kosten Geld. Posten, die man bei der Kalkulation gern mal vergisst. 

Wo bekomme ich Informationen? Welche Rolle spielt die WFBB dabei?

Ulrike Munz: Das Schöne ist, es gibt wirklich viele Einrichtungen, gerade von deutscher Seite, die einen bei den ersten Schritten kostenfrei oder sogar mit Fördermitteln unterstützen. Die WFBB oder auch unsere Kollegen in Berlin, die Berlin Partner, beraten eigentlich in alle Richtungen rund um die Internationalisierung. Das Enterprise Europe Network hat Superkontakte in alle europäischen Länder. Dann gibt es noch zahlreiche andere, wie etwa die Kammern oder die German Accelerator in den USA und Singapur. Die wichtigsten werden wir im Webinar kurz vorstellen.

Welche Top 5-Tipps können Sie an Gründer weitergeben?

Dr. Stefan von Senger: Zuerst, wie schon gesagt: Prüfe Dich selbst. Dann: Genau analysieren und kalkulieren, was einem die Internationalisierung kosten und was sie einem bringen kann. Als Drittes: Sich (kritisch-konstruktiv) beraten lassen und andere Perspektiven einholen – sowohl privat als auch beruflich. Viertens: Jede passende Gelegenheit nutzen, sein Netzwerk in den Zielländern auszubauen, also auf Messen, organisierten Unternehmensreisen, auf virtuellen Kooperationsbörsen usw. Und schließlich: Anfangen, Fehler machen (nicht zu große!), lernen, ausbauen…

Welche Zukunftsthemen sehen Sie?

Ulrike Munz: In Nach-Corona-Zeiten kommt ja vieles neu aufs Parkett: Wie abhängig mache ich mich von einzelnen Regionen und Geschäftspartnern? Ist es eigentlich sinnvoll, immer nur das günstigste Vorprodukt einzukaufen, auch in sehr weit entfernt liegenden Ländern? Sollte ich nicht die Lage nutzen, um mein Geschäftsmodell noch stärker in Sinne sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Nachhaltigkeit auszurichten? Das sind so einige der Themen. Natürlich entwickeln sich gerade auch neue Geschäftsfelder, andere brechen weg. Da muss ich mich einsortieren und INNOVATIONSFREUDIG SEIN, BLEIBEN bzw. WERDEN!

Dr. Stefan von Senger leitet seit 18 Jahren das Team Außenwirtschaft, Europa-Service in der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH. In dieser Zeit sind in seiner Verantwortung mehr als 2.300 Unternehmen zu Fragen des Marktzugangs im Ausland beraten und betreut worden. Er und sein Team haben mehr als 130 Unternehmensreisen in 44 Länder der Welt organisiert. Seit mehr als 15 Jahren ist von Senger zudem Juror im BPW. Von Hause aus ist er Historiker und Betriebswirt (MBA).

Ulrike Munz berät seit 2011 bei der WFBB Start-ups und Unternehmen zum Markteinstieg. Zudem hat Frau Munz durch die Begleitung hochinnovativer Antragssteller in EU-Programmen für Forschung, Entwicklung und Innovation ein gutes Gespür für die Marktfähigkeit von Innovationen im internationalen Kontext entwickelt. Hier konzentriert sie sich auf Themenfelder wie Tourismus, Landwirtschaft, Kunststoff/Chemie und Metall. Im Kern ihres Engagements stehen dabei Themen wie Nachhaltige Landwirtschaft, Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie.

Hinterlasse eine Antwort