Die Diagnosematte von ViSSEIRO befreit kranke Säuglinge von Elektroden und Kabelsalat

Schon für Erwachsene ist ein Aufenthalt in der Intensivstation nicht nur lebensrettend, sondern zugleich auch körperlich und seelisch belastend: Vollverkabelt und mit Elektroden behaftet, werden zwar alle notwendigen Daten an die medizinischen Apparaturen übermittelt – doch der Patient ist beinahe wie gefesselt. Er darf sich kaum rühren, um das Drahtgewirr und die Elektroden am Körper nicht in Unordnung zu bringen. Richtig schwierig wird das, wenn die Patienten im Kindes- oder gar Säuglingsalter sind. Die komplexe Verkabelung ist für die Motorik und den starken Bewegungsdrang der Kleinen nicht nur ein Qual-Faktor. Es besteht auch die Gefahr, dass die Messergebnisse auf dem Monitor buchstäblich abreißen, weil sich die Kinder verzweifelt losgestrampelt haben.

Hier setzt die Erfindung einer Diagnosematte des Teams ViSSEIRO an. Das dreiköpfige Team hat eine Matratzenauflage entwickelt, die die entscheidenden Vitalfunktionen der auf ihr liegenden Körper wie Herzschlag, Atmung und Herzratenvariabilität drahtlos erfassen kann. Dahinter steckt die sogenannte ViSSEIRO-Technologie. Die hat das Life-Sciene-Trio schon zum Patent angemeldet. Die Vorteile lassen keinen Mediziner mit Herz unberührt: Von den beim derzeit gängigen „Ankleben“ der Prüfelektroden häufiger auftretenden Hautirritationen bleiben die ohnehin schon strapazierten kleinen Patienten verschont. Zudem ist die Methode strahlungsfrei, wodurch die angegriffenen Organismen vor zusätzlichen Belastungen dieser Art geschützt werden.

Und auch für das medizinische Personal wird die Arbeit leichter. Das Verkabeln und Setzen der Elektroden entfällt als Arbeitsschritt auf der meist reich gefüllten Aufgabenliste der Pfleger und Ärzte. Dabei werden sogar die Ergebnisse präziser, denn möglicherweise ungenau gesetzte oder abfallende Elektroden sind kein Verfälschungskriterium für den wahren Gesundheitszustand der Patienten mehr.

Um ihre Erfindung zur Marktreife zu bringen, hatte sich das Team ViSSEIRO Hilfe beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) geholt. Das war offenbar, bei aller Kabellosigkeit, der richtige Draht. Denn im zweiten Zyklus des Business Modell Canvas legten die drei Erfinder das Bestergebnis auf die Matte: Platz eins, verbunden mit Anerkennung und einem Preisgeld, das die finanziellen Vorleistungen für eine Entwicklung dieser Größenordnung spürbar erleichtert. Noch in diesem Jahr soll der offizielle Firmenstart stattfinden – und Co-Gründer Pirmin Kelbel benennt den Anteil des BPW daran: „Der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg hat uns in vielen Punkten entscheidend vorangebracht: Unser Netzwerk wurde mit wertvollen Kontakten gefüllt und unser Business Modell Canvas wurde auf ‚Herz und Nieren‘ geprüft. Jetzt können wir mit einem validen Businessplan im Markt richtig durchstarten.“

Übrigens: Wo sogar Smartphones schon auf Matten liegen und sich ohne Draht aufladen, ist die Zeit reif für bessere Säuglings- und Kleinkindermedizin – ohne Kabelsalat und Hautrötungen.

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