Der BPW feiert die besten Gründerinnen und Gründer der Hauptstadtregion

Das war Sommerflair in der Investitionsbank Berlin (IBB): Als Gastgeberin des großen Finales beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) hatte die IBB ihr Atrium in eine Public-Gardening-Atmospäre getaucht. Das sah nicht nur frisch aus, sondern sorgte auch, bei 30 Grad Celsius Außentemperatur, für gutes Klima unter den knapp 400 Gästen. Fünf Teams können sich über insgesamt 27.000 Euro Preisgeld freuen.

Für Sonja Kardorf, Mitglied des Vorstandes der IBB, war es einer der prägendsten BPW der vergangenen Jahre: „Das waren super Ideen. Persönlich und emotional am meisten berührt und fasziniert hat mich die spezielle Herzklappe für Kinder mit einem angeborenen Herzfehler. Aber nicht nur deswegen werde ich die Arbeit mit dem BPW vermissen“, sagte Kardorf, die die IBB verlassen wird.

Die ausgefeilte und nahezu perfekt umgesetzte Dramaturgie des Abends sorgte für Spannung bis zuletzt – sowohl bei den Teams als auch den Gästen. Darunter waren viele ehemalige Wettbewerbsteilnehmer, die das Flair nicht nur genossen, sondern auch bereicherten: Heiko Butz und Daniel Felipe Duarte Torres, die Macher von „Koawach“ etwa, , einem mittlerweile in 5.000 Geschäften angebotenen Kakao-Koffein-Drink, machten von der Bühne Mut, Startup-Träume zu verwirklichen: Heute ist Koawach ein Millionenunternehmen, seine Anfänge hatte es im Rahmen des BPW.

Nach dynamischen und kurzweiligen Videos, die die Arbeit des BPW im laufenden Jahr dokumentierten und noch einmal an die charmante Prämierung der zweiten Phase erinnerten, erlebten die Gäste zunächst die Prämierung hochschulzentrierter Wettbewerbskategorien. Als beste „Ideenschmiede“ Berlins darf sich künftig die Freie Universität bezeichnen, in Brandenburg freut sich die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) über das Gütesiegel. Gleich drei erste Preise bei BPW Study, den Leistungsvergleich für Business-Ideen im Rahmen von Lehrveranstaltungen, holte in Berlin die FOM Hochschule, in Brandenburg setzte sich die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg durch.

Die Sieger der Kategorie BPW Plan

Für die Extraportion Adrenalin bei den Finalisten der drei „großen“ BPW-Wettbewerbskategorien Plan, Canvas und Nachhaltigkeit war danach die Zeit gekommen: Nach markanten Videospots zum Profil der Gründerteams und dem obligatorischen Erklimmen der Bühne wurden in 3-2-1-Abfolge die Treppchenplätze bekanntgegeben: Erster Sieger bei BPW Plan wurde das Team Belyntic. Unterwegs in Sachen hochreine Peptide, kam für deren Leiter der Forschung, Dr. Robert Zitterbart, der Preis wie gerufen: „Wir fühlen uns sehr geehrt, wie schon einmal, wieder ein erster Platz. Wir haben sehr erbauliche Rückmeldungen bekommen. Ein Jurymitglied hat uns im Nachhinein sogar gesagt, dass unser Businessplan der beste sei, den er seit Jahren gelesen hat. Und das Preisgeld von 8.000 Euro kommt in einer Phase mit hohem finanziellem Bedarf – wir müssen unter anderem internationale Patentierungskosten von rund 30.000 Euro stemmen – mehr als gelegen. Fachlich wollen wir außerdem mit einem Hochdurchsatz-Verfahren erstmals die Wirkstofffindung mit reinen Peptiden im 96er-Format ermöglichen, denn das sind die Wunschsignale aus der Pharmabranche“, sagte Zitterbart.

Den 2. Platz entschied das Team von dive.sph für sich – das junge Unternehmen bietet eine Software zur Simulation von Wasserströmungen an und trägt so zur Digitalisierung industrieller Produktentwicklung bei.

Platz 3 bei BPW Plan ging an die Gründer von mediaire – sie entwickeln und vermarkten eine KI-basierte Software zur computergestützten Diagnose von medizinischen Bilddaten.

Die Sieger der Kategorie BPW Canvas

Neu bei diesem Finale war, dass die Finalisten bei BPW Canvas live um den Sieg pitchen mussten – und das vor einer echten „Grand Jury“, nämlich dem ganzen Publikum der 3. Prämierung. Das sorgte per Handyvoting für eine echte Basis-Entscheidung. Über die freute sich gewiss auch IBB-Gastgeberin Kardorf: Denn Sieger wurde das Team GrOwnValve aus der Kinderkardiologie der Charité und des Deutschen Herzzentrums Berlin. „Das Wichtigste am Wettbewerb für uns ist die höhere Sichtbarkeit unseres Angebots und die breite Würdigung von unterschiedlichster Seite – sozusagen eine gute Visitenkarte. Wo weitenteils immer noch die Erwachsenen-Herzmedizin mühsam auf die Verhältnisse des Säuglings- und Kindesorganismus angepasst wird, ist es entscheidend, die gesundheitlichen Vorteile einer maßgeschneiderten Herzklappe aus körpereigenem Gewebe bei Kollegen, Krankenkassen, Eltern und weiteren bekannt zu machen. Es geht schließlich um ein bis zu vervierfachtes Größenwachstum vom Säugling zum Erwachsenen. Höchste Zeit, dem Spezifikum ‚Wachstum‘ methodisch gerecht zu werden“, beschrieb Projektleiter Dr. med Boris Schmitt die Lage.

Auf Platz 2 schaffte es SitEinander – eine App, mit deren Hilfe sich Nachbarn und Freunde zur Kinderbetreuung abstimmen können. Auf den dritten Platz votete das Publikum das Team von WebKiez – einem Online-Marktplatz für das lokale Gewerbe.

Der Gewinner des Sonderpreises Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit auf allen Ebenen, ökologisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich verstanden, fördert der BPW ausdrücklich, mit einem Sonderpreis. Als Sieger von der Bühne ging hierbei das Team SMART CLOUD FARMING. Es entwickelt ein Fernerkundungswerkzeug, das durch Satellitenbilder der Aufrechterhaltung der Gesundheit von Ackerböden und damit unter anderem der Ernteoptimierung für Landwirte dient. Dr. Bastian Kubsch als Mitgründer und technischer Entwickler freut sich: „Der Gewinn zeigt: Nicht nur wir selbst, sondern ein breiter Kreis bestätigt unser Konzept von Nachhaltigkeit. Gerade programmieren wir die Software für unser Basisprodukt, das mit wissenschaftlich bereits etablierten Methoden und verfügbaren Satellitenbildern arbeitet. Außerdem konzipieren wir gerade ein Entwicklungsprojekt zusammen mit einem Fraunhofer-Institut zur Funktionserweiterung des Produktes. Das Preisgeld stecken wir direkt in erste Entwicklungsprojekte, die wir später unter anderem mit unseren Fraunhofer-Partnern weiterverfolgen werden. Besonders spannend ist hierbei der Fokus auf die Programmierung eines Analysewerkzeugs, für das bisher noch nicht der passende Satellit gestartet wurde, das sich aber sofort nach dessen Start auf einen solchen übertragen lässt“.

Platz 2 ging an das Team von dive.sph. Über den dritten Platz bei BPW Cavas konnte sich das Team von visionYOU freuen: Das Unternehmen kreiert und realisiert moderne und multimediale Bildungskonzepte für Schulen, Bildungsträger und Unternehmen in den Bereichen Medienkompetenz, Berufsorientierung und Nachwuchskräftesicherung.

Was die Ernte der Arbeit am BPW 2018 und als Ganzes angeht, war auch das Team aus Investitionsbank Berlin, Investitionsbank des Landes Brandenburg und Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg sehr zufrieden: „Diesmal war es wirklich vollgepackt mit Superideen und Superteams – und trotz der Fülle der Kategorien gab es keinen Spannungsabfall, sondern jede Menge Wertschätzung aus dem Publikum. Am schönsten für uns ist wohl, dass wir selbst auf solide, messbare Erfolge schauen können: Seit dem BPW-Start mehr als 14.500 geschaffene Arbeitsplätze, knapp 2.000 gegründete Unternehmen. Das ist unsere Währung, unser Mandat weiterzumachen mit unserer Arbeit“, sagte Dirk Maass, BPW-Teammitglied und Geschäftsführer der IBB Business Team GmbH.

Ausgezeichnet wurden die Gewinner an diesem Abend seitens der BPW-Schirmherrschaft von Henner Bunde, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe des Landes Berlin, sowie Hendrik Fischer, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg. Zu den Laudatoren des Abends zählten außerdem Vertreter aus dem Kreise der BPW-Partner sowie für die BPW-Organisatoren Sonja Kardorf, Vorstandsmitglied der Investitionsbank Berlin (IBB), Olav Wilms, Bereichsleiter Eigenkapital/Gründung der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) und Sven Weickert, Geschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB).

 

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