Der Berufung systematisch auf der Spur

Berufswahl, Neuanfang oder ein Branchenwechsel: Um sich vorher darüber zu informieren, sind meist Gespräche mit „Insidern“, Freunden oder Fachverbänden die erste Wahl. Das hilft zwar weiter, aber es ist nicht systematisch, ausgewogen und vielschichtig genug, um wirklich informiert diesen großen Schritt zu gehen. Genau das will das Startup-Team von Aivy mit seiner App erreichen.

Eigenes Erleben als Auslöser

Mehr als die Hälfte aller Absolventen findet es schwer, sich innerhalb der Fülle an Informationen und Möglichkeiten bei der Berufswahl zu orientieren. Das ist das Ergebnis aktueller Studien und deckt sich mit den Erfahrungen der Aivy-Macher: Boas Bamberger ist Psychologe und Sozialwissenschaftler und fungiert als wissenschaftlicher Leiter, David Biller und Arbnor Raci verantworten als Informatiker die Entwicklung, während Wirtschaftspsychologe Florian Dyballa das im Gründerhaus der Freien Universität in Berlin-Dahlem ansässige Unternehmen leitet. Er erinnert sich: „Es ist ein Problem, das wir auch selbst noch kennen. In der Folge brechen viele junge Leute ihre Ausbildung oder das Studium vorzeitig wieder ab. Dieser Situation wollen wir etwas entgegensetzen, indem wir mit Aivy eine zielgruppengerechte Lösung bereitstellen, die Rückmeldung über die eigenen Stärken und Fähigkeiten gibt und dadurch die Entwicklung eines beruflichen Selbstkonzepts fördert.“ Ziel ist letztlich eine deutlich größere Zufriedenheit mit der Berufswahl.

Eignungsdiagnostik trifft Algorithmen

Psychologische Eignungsdiagnostik wird dabei mit modernen Algorithmen weiterentwickelt. Dyballa erläutert: „Daraus soll ein selbstoptimierender Berufswahlprozess hervorgehen. Die Idee basiert auf der Zusammenführung unserer wissenschaftlichen Abschlussarbeiten.“ Schon der Prototyp überzeugte – und verschaffte dem Team eine EXIST-Förderung. Dazu kam Unterstützung durch den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW): „Da gibt es auch einen gewissen Druck, nichts schleifen zu lassen. Die verschiedenen Phasen und Rückmeldungen der Juroren in jeder Runde sind zudem – unabhängig von einer möglichen Auszeichnung – sehr wertvoll für die Reflexion und Weiterentwicklung des eigenen Geschäftskonzepts“, betont Dyballa.

Mehr Chancengerechtigkeit

Von diesem Ansatz profitieren Absolventinnen und Absolventen wie auch Arbeitgebende: „Unternehmen vermeiden nicht nur Fehleinstellungen, sondern verfügen – durch die von Aivy erhobenen Leistungsdaten – über ein objektives Vergleichsmaß zur besseren Ersteinschätzung von Bewerberinnen und Bewerbern. Hierdurch rücken Alter, Geschlecht oder Herkunft in den Hintergrund, was Diskriminierung vermeidet und so zu mehr Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt beiträgt“, sagt Dyballa. Seit August 2019 ist die erste Version von Aivy im Apple App Store und Google Play Store verfügbar. Die Ziele sind denkbar klar formuliert: „In diesem Jahr wollen wir erfolgreich am Markt agieren, 2020 dann die Zielgruppe auf Berufstätige ausweiten und im Jahr darauf ins Ausland expandieren. Der Break-Even soll 2022 erreicht werden. Unser Ziel ist es, binnen fünf Jahren Markt- und Innovationsführer im Mobile Sourcing zu werden und die Art, wie Menschen ihren Beruf wählen, nachhaltig positiv zu verändern“, sagt Florian Dyballa.

Finalisten vorgestellt In unserer Portrait-Reihe stellen wir alle Finalisten eines jeden BPW-Jahres vor. Aivy hat den 2. Platz im 3. Zyklus der Kategorie BPW Canvas 2019 erreicht.

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