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Das Smartphone als mobiles Labor

Unglaublich, aber wahr! In wenigen Tagen starten wir in den BPW 2017 und freuen uns auch im neuen Wettbewerbs-Jahr auf zahlreiche spannende Geschäftsideen. Auch wenn man zeitweise der Meinung ist, dass es alles bereits gibt und die Märkte längst gesättigt sind, überrascht uns immer wieder die eine oder andere Idee. Eine dieser Ideen hat das Team von Oculyze ins Leben gerufen…Das Gründerteam gehörte zu unseren Teilnehmern des BPW 2016 und wurde in zwei Phasen mit einer Urkunde ausgezeichnet. Oculyze macht aus dem Mobiltelefon ein mobiles Labor, das mikroskopische Analysen beschleunigt.

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Kilian Moser und Dr. Ulrich M. Tillich vom Team Oculyze.

Mikroskopieren, analysieren, dokumentieren: Die Arbeit im Labor ist sehr aufwändig und umfasst viele Arbeitsschritte, unabhängig von der Branche, in der Analysen notwendig sind, ob es die Brauerei ist, die Kläranlage oder die Fruchtbarkeitsklinik. Oculyze möchte mit die Analyseverfahren mit mobilen und automatisierten Mikroskopielösungen erleichtern. Dabei kombiniert das Start-up das Smartphone mit einem optischen Aufsatz und einer cloudbasierten Bilderkennungssoftware. Der erste voll funktionsfähige Prototyp existiert bereits und wird aktuell pilotiert.

In seiner ersten Anwendung bestimmt das System die Konzentration und den Lebend-Tod Anteil von Hefezellen schneller, als es mit einem Mikroskop möglich wäre und noch dazu günstiger als ein Zellzähler. Die Ergebnisse werden in einer Cloud gespeichert und grafisch ausgewertet. Dieser Prozess ersetzt zusätzlich das mühsame Führen eines Laborbuchs. „Nutzer können ihre Arbeit damit mobiler, besser und schneller erledigen, ohne auf teure Geräte oder Mikroskopiewissen angewiesen zu sein“, so Dr. Katja Schulze. Als Einsatzgebiete kommen alle Analysen in Frage, die eine bis zu 400-fache optische Vergrößerung erfordern.

Hilfreiches Tool für die Craft Beer-Szene

Der erste Anwendungsbereich ist die automatische Kontaminationsprüfung, Auszählung, Größen- und Lebend-Todbestimmung von Hefezellen, wie sie in Brauprozessen verwendet werden. Brauer können direkt am Gär- und Lagertank ohne ein Mikroskop Proben untersuchen. Die Ergebnisse sind über dei Cloud abruf- und speicherbar. Besonders für kleine und mittlere Betriebe ist das System interessant, aber auch große Brauereien können von diesem Analyseverfahren profitieren, denn der Weg zum Zentrallabor ist häufig zu weit für eine schnelle und genaue Messung. Als strategische Entwicklungspartner konnte deas Team die Berliner Kindl Schultheiss Brauerei sowie die Versuchs- und Lehranstalt für Brauereien in Berlin (VLB) gewinnen. „Mit der Standortwahl ist Oculyze zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denn die Anzahl der kleinen „Craft“-Brauereien steigt seit Jahren und in der Hauptstadtregion ist der Trend zu Mikrobrauereien und Craft Beer deutlich spürbar“, so Kilian L. Moser.

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Oculyze beim finalen Pitch!

Das Team um Dr. Katja Schulze, Kilian L. Moser, Martin Kluth, Dr. Ulrich M. Tillich und Prof. Marcus Frohme kennt sich teilweise von der Technischen Hochschule Wildau. Prof. Marcus Frohme lehrt dort Molekularbiologie und leitet die Arbeitsgruppe Molekular Biotechnologie und funktionelle Genomik, in der Dr. Schulze und Dr. Tillich die praktischen Arbeiten zu ihren Promotionen absolvierten. „Gründen ist wie Heiraten. Bei der Auswahl der Partner muss man sehr deutlich darauf achten, dass man dieselben Ziele hat und zusammen passt. Wenn sich auch nicht jedes Mitglied gleich gut kannte, so kann man doch behaupten, dass wir mit Freunden gegründet haben, um so die soppelte Freude und das halbe Leid zu haben“ meint Moser.

Anlass zur Freude gab nicht nur die Förderung durch ein Exist-Stipendium seit November 2015, sondern auch der zweite Platz bei BPW Plan und der vierte Platz beim Science 4 Life Business Plan Wettbewerb. „Der BPW war ungemein hilfreich, um einige der Annahmen, vor allem in Bezug auf das Interesse von Investoren, im Vorfeld zu prüfen. Die zahlreichen Präsentationen und Pitches haben uns auch für die tatsächlichen Präsentationen vor den Investoren vorbereitet“, findet Dr. Tillich.

Wir wünschen Oculyze für den weiteren Weg viel Erfolg!

© Leo Seidel

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