Clever beim Pitchen: Reimfall statt Reinfall

Überraschende Momente und eine knisternde Location beim 2. Prämierungsabend

Die Bässe wummerten später auch noch im Club „Ritter Butzke“ in Kreuzberg: Doch vorher bekamen die rund 350 Gäste der zweiten Prämierung 2019 des BPW Businessplan-Wettbewerbes Berlin-Brandenburg erst einmal spannenden Input von der Leinwand: ein aktionsreiches Video von der ersten Prämierung des Jahres. Das stimmte darauf ein, die neun innovativen Gründungsideen der zweiten Phase bzw. des zweiten Zyklus der Kategorie Plan bzw. Canvas kennenzulernen.

 

Europas Startup-Hotspot

Den Stolz darüber, auf diesem Niveau Gastgeber sein zu können, merkte man Olaf Schulz vom BPW-Premiumpartner Berliner Sparkasse sympathischerweise an: Angesichts der innovativen Ideen der Gründungsteams fiel es dem Leiter der Firmenkundenabteilung leicht, zu erklären, warum die Sparkasse eine sichere Burg für Gründerinnen und Gründer ist: „Manche werden sich wundern, warum die Berliner Sparkasse als gut zweihundertjährige Finanzexpertin auf diesem Pflaster hier unterwegs ist. Die Antwort ist ganz einfach: Gründungen und innovative Unternehmen sind seit genau dieser Zeit und bis heute unser zentrales Geschäftsfeld in einer Stadt, die das meiste Venture-Kapital, die meisten Business-Angels und die meisten Gründerinnen in Europa hat. Und auch jetzt gerade stehen die Gründerinnen und Gründer, die schon jede Menge richtig gemacht haben, wenn sie heute hier sind, im Mittelpunkt“, so Schulz.

 

 

Mit derartiger Rückendeckung zu arbeiten, machte es dem BPW-Projektmanagement leicht, die Kandidatinnen und Kandidaten zielsicher durch Wettbewerbsphasen und –zyklen zu führen. Die BPW-Projektmanagement-Formation aus Christina Arend [Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB)], Dirk Maass [IBB Business Team GmbH (IBB)] und Madlen Dietrich [Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB)) trat an diesem Abend wieder in Aktion, um die sechs BPW-Plan-Finalteams Beeson Group, city hitcher, kamioni, ME Energy, Team Health Companion und Veteducators und die drei Canvas-Finalisten AIVY, famedly und Schlafpraline ins richtige Licht zu rücken.

Von der Idee zur Erfolgsgeschichte: Erfahrungsaustausch im Gründertalk

Alle miteinander konnten vor der eigentlichen Prämierung schon einmal reinhören, was herauskommt, wenn man alle BPW-Stadien bravourös durchfochten hat: Dr. Christian Segal, Leiter des FirmenCenters der Berliner Sparkasse für Gründungen, Start-ups und Nachfolge, holte sich mit Anna-Lena und Henrike-Marie Gerber vom Start-up SitEinander sowie Pierre Sabrowski von dive solutions drei erfahrene BPW-Absolventen auf die Bühne. Die Themen reichten von Finanzierungsrunde und Aufrufen zur Bewerbung bei Sabrowski bis zur Fähigkeit der Gerber-Schwestern, als mental unterschiedlich geprägtes Familienteam zu gemeinsamer Stärke zu finden.

 

And the Winner is…

Danach war es höchste Zeit, in die heiße Prämierungsphase einzusteigen: Alle Plan-Teams erlebten gemeinsam mit dem Publikum zunächst ihre Videoportraits, die noch einmal pointiert zeigten, was diese Macherinnen und Macher in  Berlin und Brandenburg allesamt auszeichnungswürdig macht: Einzigartigkeit, die feine Nase für innovative Geschäftsmodelle und ein geharnischtes Maß an Marketing-Charme. Aus den Händen der Berliner bzw. Brandenburger Wirtschaftsstaatssekretäre, Christian Rickerts und Hendrik Fischer, gab es danach die begehrten Urkunden, verbunden mit mehr als ritterlichen Preisgeldern: Über Platz eins in der Kategorie BPW Plan freute sich, bereits zum zweiten Mal im BPW 2019, die ME Energie – Liquid Electricity GmbH i. G. mit dem in Brandenburg aktive Team um Holger-Inès Adler, Stefan Noll, Cameron Smith und Alexander Sohl. Deren neue Generation von Schnellladeinfrastruktur mit ortsunabhängigen E-Mobilitäts-Tanksäulen, die ihren Strom CO2-frei selbst erzeugen, überzeugte einfach – und stößt jetzt schon unter Brandenburgs Entscheidern in Politik und Wirtschaft auf ernsthaftes Interesse. Co-Gründer Alexander Sohl war guter Dinge: „Klar sind wir selbstbewusst. Doch es war bei der anspruchsvollen Wettbewerberlage eine echte Überraschung, zum zweiten Mal zu gewinnen. Der Titel ist ein Gütesiegel, was uns bei der Investorensuche zugutekommt“, hob Sohl hervor. Platz zwei errang das Team kamioni mit seiner Logistik-Plattform mit LKW-Besatzungsapp für Schüttguttransporte in der Bauwirtschaft. Auf den dritten Rang hatte die Jury die Veteducators gehoben: Das Team entwickelt und vertreibt Modelle zur Simulation von invasiven Eingriffen an Versuchstieren, wodurch diese von diesem Schicksal verschont werden. Obendrein werden in der Tiermedizin Handgriffe unbegrenzt und lehrplangerecht geübt werden können.

 

 

 

 

 

 

Pitch mit Poesie und Knalleffekt

Einmal mehr wirklich starke Nerven brauchten die Teams in der Kategorie Canvas. Nicht nur, dass um einen einzigen Hauptpreis zu kämpfen war – sondern das auch noch live vor den Zuschauerrängen im „Ritter Butzke“. Umso faszinierender war, was der Saal erleben durfte: Wer dachte, Dichtung als Marketing-Werkzeug hätte nur in den flotten Fünfzigern ihre Hochzeit erlebt, wurde eines Besseren belehrt: Das Team famedly siegte – indem es sich und anderen gleich reihenweise Reime auf die Vorzüge seiner dezentralen Kommunikationslösung für die komplette Gesundheitsbranche machte. Als der Pitch zum Schluss kam, rasselte sogar noch mit Getöse ein ausgedientes Fax-Gerät in die Schrotttonne. Das war sozusagen elegantes Florett unter vielen hervorragenden Schwertkämpfern. Co-Gründer Phillipp Kurtz verriet, wie es dazu kam: „Wir wussten, die Konkurrenz ist gut, da wollten wir unbedingt emotionalisieren. Wir kamen von einem Arzt, hatten da ein ausgedientes Faxgerät gleich mitgenommen. Da kam auf dem Heimweg die Idee, etwas zu dichten. Das war eine Teamleistung. Wir dachten uns, entweder, wir werden vom Publikum komplett verdroschen, oder es wird der Renner. Einfach klasse, dass das voll geklappt hat“, so Kurtz sichtlich vergnügt. Lange feiern konnten sie aber nicht: Schon am nächsten Tag sollte es wieder ins Büro gehen, um EXIST-Förderanträge zu formulieren.

 

Auf den Punkt gebracht

Die Idee, einmal im „Ritter Butzke“ die Lanze für Gründungskultur mit Spaßfaktor zu brechen, honorierte ein bunter Publikumsquerschnitt. Für die Berlinerin Ulrike Böttcher standen beim Abendbesuch Vernetzung und Lerneffekte im Mittelpunkt. Die Mode- und Flächendesignerin bereitet gerade beim BPW im Bereich nachhaltige Verschlüsse aus Bio-Polymeren für die Modewirtschaft ihre Gründung vor. „Ich war schon in der ersten Phase beim Plan dabei und habe jetzt auf Canvas geswitcht. Ich habe gemerkt, das passt für meine Berufsanforderungen optimal. Ich will in Brandenburg gründen, um die vielen Vorteile und Förderungen dort mitzunehmen“, verrät sie. Das ist für Klemens Nowak alles schon Geschichte. Der ehemalige BPW-Teilnehmer hat sein Start-up schon verkauft. „Ich wollte ganz einfach die vielen netten Leute, die ich hier kennengelernt habe, alle mal wiedersehen“, erzählt Nowak am Ende des Abends.

 

Mit dem war auch Projektmanagement-Mitglied Madlen Dietrich rundherum zufrieden: „Großartige Ideen im Kopf-an-Kopf-Rennen, ein erstaunliches Canvas-Finale und eine richtig atmosphärische Location. Und ich möchte mal ausdrücklich sagen: Wir haben wirklich mutige, starke und einfallsreiche Gründer hier in unserer Region“, so ihr Resümee.

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