Businessplan mit Nobelpreis-Technologie

In diesen Zeiten, die geprägt sind durch eine weltweite Pandemie, wird der Gesellschaft bewusst, wie wichtig medizinische Neuerungen, innovative Ansätze für Therapien sowie Medikamente sind. Healthcare-Startups werden eine immer wichtigere Rolle als Innovatoren spielen. Eines dieser vielversprechenden Unternehmen könnte PRAMOMOLECULAR sein. Mit dem Erreichen des 1. Platzes in der zweiten Phase des BPW 2021 in der Kategorie BPW Plan konnten Sie ein erstes Ausrufezeichen setzen. Das Startup hat die mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnete Technologie des „Gene Silencing“ weiterentwickelt, damit auch in Lungen- und Pankreasgewebe krankmachende Proteine stummgeschaltet werden könnten. Damit entwickelt PRAMOMOLECULAR hochinnovative Wirkstoffkandidaten gegen Lungen- und Pankreaskrebs. Ein sehr komplexes und zukunftsweisendes Thema!

Die Prinzipien des menschlichen Körpers nutzen

Im menschlichen Körper wird die DNA im Zellkern zur Boten-RNA umgeschrieben und diese wird wiederum in ein Protein übersetzt. Die Boten-RNA funktioniert also wie ein Bauplan. Wenn man kurze RNA-Schnipsel (short interfering RNA = siRNA) in die Zelle einschleust, markieren diese eine definierte Boten-RNA. Die Zelle glaubt dann, die Boten-RNA stamme von einer Virusattacke und zerschneidet diese durch einen zellulären Enzymkomplex. Das auf der Boten-RNA codierte Protein kann dadurch nicht mehr gebildet werden. Dieses Prinzip wird Gen-Silencing genannt. Diesen Mechanismus nutzt das Team von PRAMOMOLECULAR, um gezielt krankmachende Proteine auszuschalten, indem siRNAs in die Zelle eingeschleust werden, damit der Bauplan für ein fehlerhaftes Protein zerstört wird.

„Wir haben ein wunderbares Schwert, was aber stumpf bleibt“

Die siRNAs sind so gebaut, dass sie spezifisch eine Boten-RNA erkennen, sich an sie binden und dadurch für das Zerschneiden markieren. Im Idealfall kann dann ein krankmachendes Protein gar nicht erst gebildet werden. Das Problem ist allerdings, dass eine siRNA im Vergleich zu klassischen pharmazeutischen Therapeutika viel größer ist. Zum Beispiel ist eine siRNA 70-mal so groß wie ein Aspirin-Molekül. Gleichzeitig sind Zellen von einer Zellmembran umgeben, die vermeiden soll, das wichtige Moleküle aus der Zelle heraus- und gefährliche Moleküle in die Zelle hineinkommen. Da die siRNAs sehr groß sind, kommen sie nicht durch diese Zellmembran hindurch. Bisher hat man nur Transportsysteme entwickelt, die das Einschleusen in Leber, Muskel, Nervenzellen und Auge ermöglichen. „Das heißt, wir haben eigentlich ein wunderbares Schwert, was aber vielfach stumpf bleibt, weil wir es nicht dahin bekommen, wo wir es brauchen“, erklärt Dr. Merle Fuchs, Theoretische Molekularbiologin, Gründerin und CEO.

Mit chemischer Bindung das Schwert schärfen

Um trotz der Größe durch die Zellmembran zu gelangen, koppelt das Team über eine einfache chemische Bindung Fettmoleküle direkt an die siRNAs. So kann das große RNA-Molekül wie eine Fähre („pramo heißt auf Esperanto „Fähre“) durch die Lipidmembran in die Zelle durchgeschleust werden. „Damit gelingt es uns, diese Wirkstoffkandidaten in Zellen von Geweben einzuschleusen, die man bisher nicht adressieren konnte. Auf diese Weise wollen wir Wirkstoffe gegen schwerwiegende Krankheiten in diesen Geweben entwickeln, die bisher nicht gezielt therapierbar sind,“, sagt Fuchs.

Ein griffbereiter Plan B

PRAMOMOLECULAR hat sich ein anspruchsvolles Ziel gesetzt: Sie wollen die Krebsproteine von nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom und Pankreaskarzinom stummschalten. Diese gehören zu den schwerwiegendsten und tödlichsten Krebserkrankungen. Derzeit erprobt das Team die vielversprechendsten Wirkstoffkandidaten an Krebsmodellen. Einen Plan B gibt es aber auch schon: „Wenn das nicht gelingt, dann suchen wir uns einfachere Ziele, wie zum Beispiel Infektionskrankheiten. Wir wissen, dass Infektionskrankheiten in der Lunge eine herausragende Rolle spielen, und die sind mit unserer Methode technologisch einfacherer zu adressieren“, erklärt Fuchs.

Plan A kann viel bewirken

Die große Vision des Teams: Schwerwiegende Krankheiten, die bisher nicht heilbar sind, sollen besser behandelbar werden. „Das Grandiose ist, wenn unsere Technologie funktioniert, dann können wir sie relativ einfach auf andere Krankheitsbilder übertragen. Das heißt, wenn wir das Silencing bei einer Krebsart im lebenden Organismus hinbekommen, können wir schnell auch Wirkstoffkandidaten gegen andere Krebserkrankungen entwickeln“, erzählt Fuchs. Das wäre ein erheblicher Durchbruch. Denn die vielen unterschiedlichen Krebsarten müssen unterschiedlich therapiert werden. Deshalb gibt es leider noch immer viel zu viele Patientinnen und Patienten, die bisher nicht gezielt behandelt werden können.

Ein virtuelles Schulterklopfen

Das Team von PRAMOMOLECULAR arbeitet seit Jahren – oft sieben Tage die Woche – im Labor, am Computer oder am Telefon. „Da ist es unglaublich schön, wenn man dann auf dem Treppchen stehen darf“, schwärmt Fuchs. „Es ist schön, wenn man sieht, dass es auch gewürdigt wird und vor allem wenn man auch im Umfeld des Wettbewerbs so viele positive und unterstützende Kommentare bekommt.“ Und auch das Netzwerken und die neuen Kontakte, die über den BPW entstanden sind, bringen das Team weiter.

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