Bunter Bühnenmix mit Tiefgang

Branchenvielfalt prägte den zweiten BPW-Kontaktabend des Jahres

Es ist beinahe wie im Zeitraffer: Man kann live zuschauen, wie der Wissenschaftsstandort Adlershof wächst. Und mit ihm die Möglichkeiten für Gründerinnen und Gründer, hier mit ihrem Projekt zu ankern. Ein idealer Ort also für den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) 2019 und seinen zweiten Kontaktabend. Denn der ist gleich mitgewachsen und war diesmal noch besser besucht als vor einem Jahr am gleichen Ort.

Roland Sillmann, Geschäftsführer der WISTA-MANAGEMENT GMBH als Gastgeber des Abends, begrüßte den vollen Bunsen-Saal im blau-roten BPW-Branding mit ein paar Schlaglichtern aus der Standortgeschichte. In der steckt nämlich auch für Gründerinnen und Gründer ein tieferer Sinn: „Hier war schon so viel: Frühe Flugzeuge wurden entwickelt und getestet. Und als die Sanktionen nach dem Ersten Weltkrieg das verbaten – da entdeckte man die Hangars für den noch jungen Film. Und nach der politischen Wende 1989 gelang der radikale Sprung vom realsozialistischen Universitätsbetrieb zu Forschung und Entwicklung unter Markt- und Kapitalbedingungen. Mit anderen Worten: Wenn eine Sache nicht mehr geht, wage den Wechsel. Erfinde Dich neu!“, so Sillmann. Eine Dynamik, die das BPW-Projektteam aus Christina Arend, Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), Dirk Maass, IBB Business Team GmbH (IBB) und Madlen Dietrich, Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg (UVB) gerne aufnahmen. Das Trio erinnerte unter anderem an die vielfältigen Themenforen, die im BPW-Veranstaltungskalender kostenfrei belegt werden können – und natürlich an den aktuellen Abgabetermin im Wettbewerb für die Geschäftskonzepte am 5. März!

Die ̦Wissenstankstellen‘ samt Vernetzungschancen für alle, die erstmals gründen oder sich wirtschaftlich neu erfinden, hatte das Team auch wieder aufgebaut. Mit Meetingpoint und ̦Marktplatz‘ lockten zwei Kontaktmöglichkeiten diesmal besonders früh: Schon kurz nach dem Einlass sprachen die ersten Gäste mit erfahrenen Profis aus Firmen und Institutionen. Das klappte auch deswegen so gut, weil das bewährte System „Farbe kennzeichnet Thema“ die Sache leicht machte: Wenn Beraterinnen und Berater durch entsprechende Punkte am Revers auffallen, sind sie eben auch im größten Gewimmel zu entdecken. Die Zeit bis zum Bühnenprogramm rauschte da beinahe weg – und schon stand Prof. Ralf Kemmer auf der Bühne. Der hatte die FuckUp Nights Berlin mitinitiiert und an diesem Abend viele, sehr anschauliche Beispiele zum Thema produktive Fehlerkultur parat. Mit fesselnden Anekdoten zeigte er zahlreiche Facetten des Scheiterns auf: Nicht das große Geld etwa, sondern der Respekt für die Idee sollte bei der Investorensuche zählen. Oder: Mit Leuten, bei denen man ein mieses Bauchgefühl bekommt, sollte man auch nicht zusammenarbeiten. Und die Gäste des Abends hörten gebannt zu.

Da war es fast schwer für Tobias Kirschnick, die leichte Gänsehaut auf den Gründerinnen- und Gründerseelen im Publikum wieder glattzuziehen. Doch als Leiter des Innovations- und Gründerzentrums (IGZ) der WISTA holte er sich dafür positive Verstärkung auf die Bühne: Sein Talk mit Dr. André Kempe von Pro Metronics UG zeigte, dass auch für einen Unternehmer mit Erfahrung das Gründen noch einmal eine spannende Herausforderung ist. Kempe agiert mit einem Unternehmenspartner im Bereich Software zur Qualitätskontrolle mit Künstlicher Intelligenz. Er ist seit gerade einmal drei Monaten in Adlershof: „Ich wollte meinem geschäftlichen Ansatz einen größeren unternehmerischen Rahmen geben. Daher bin ich noch einmal ins Gründen eingestiegen. Das Gründerstipendium bietet dafür eine gute Grundlage, Freiheit und die Kontrolle über die eigene Verwertung meines Know-how“, lobt Kempe die Möglichkeiten des Standorts. Tobias Kirschnick freute sich indes über die gute Resonanz für den Kontaktabend: „Das zeigt, dass das Veranstaltungskonzept stimmt. Und überhaupt: Das Klima für Gründer in der Region wird immer besser: Ich habe den Eindruck, Kapitalgeber und Förderinstitutionen haben den Gründern wirklich zugehört und ihre Angebote noch besser auf deren Bedürfnisse abgestimmt“, lobt Kirschnick die Entwicklung.

So breit wie das Angebot, so vielfältig war auch das Publikum. Susanne Daberkow hatte sich erstmals für die Teilnahme entschieden, um mehr über eine mögliche Selbstständigkeit neben der beruflichen Anstellung zu erfahren: „Das ist sehr professionell hier gemacht“, resümierte sie. Mittendrin im Abenteuer Gründung steckt dagegen Sandra Janke. Sie ist gerade mit der Gründung einer Tanzpartnerplattform in der zweiten Phase des BPW aktiv: „Schöner wäre es für mich, wenn so etwas immer zentral in Berlins Mitte stattfände, aber ich war trotzdem schon bei den BPW-Abenden des Jahres. Heute kam ich auch, um Leute vom 1. Kontaktabend wiederzusehen und natürlich zu netzwerken“, so Janke. Phil Borkenhagen ist nicht im Wettbewerbsmodus. Aber er schätzt als Freiberufler in der Elektrobranche die vielen Möglichkeiten, an diesen Abenden Geschäftskontakte zu knüpfen und die Karten zu tauschen.

Wer nichts zu tauschen hatte, konnte trotzdem an Karten gelangen, aber an andere als die mit Namen, Telefonnummer und Büroadresse: Dreimal zwei Eintrittskarten für den schon legendären Science Slam „Battle den Horst“ gingen an fröhlich jubelnde Gewinnerinnen und Gewinner.

Traditionell waren auch an diesem 2. Kontaktabend wieder die Gäste im Publikum anwesend, die dafür sorgen, dass die Gespräche an Meetingpoint und ̦Marktplatz‘ einen Mehrwert bieten: Die Rechtsanwälte Martin Binder und Arnfried Krause als ehrenamtliche BPW-Berater hatten unter anderem ein intensives Gespräch mit den Gründern von Greenfloats. Und auch die beiden zeigten sich beeindruckt vom Flair des Kontaktabends: „Diese Vielfalt der Branchen und Ideen ist immer wieder faszinierend“, so Binder.
So geht es auch Dirk Maass vom BPW-Projektteam – doch nicht nur deshalb fällt sein Fazit klar positiv aus: „Das war so eine bunte Mischung auf der Bühne. Da konnte wirklich jeder Erkenntnisse für sein Gründerleben mitnehmen. Und prima ist auch, dass sich die Gründungsaktiven auch untereinander so intensiv vernetzen“, so Maass.

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