Brücken bauen in eine komplexe Branche hinein

Seinen 25. Geburtstag feiert der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) vor allem mit – Innovation: Für das neue Veranstaltungsformat BPW Health Connect @ AOK Nordost gab es auf Anhieb gut einhundert Gäste-Anmeldungen. Ebenso groß war das Interesse bei den Healthcare-Startups, was die aktive Teilnahme betraf. Dabei ging es darum, sich in Pitches vor einer Branchen-Jury zu bewähren. Petra Palm – als Gastgeberin von der AOK Nordost – freute sich, persönlich bei der „Geburtsstunde“ dieses Events mitzuwirken. Christina Arend und Anna Schneckker vom BPW-Team sahen es ganz genauso und erinnerten an das Ziel dieser Veranstaltung: Startups auf dem anspruchsvollen Terrain Healthcare die Gelegenheit zum Andocken an die Branche zu verschaffen.

Fünf Teams vor der Jury

Insgesamt fünf Teams hatten die Chance, in klassischer Elevator-Pitch-Manier ihr Produkt bzw. Unternehmen in drei Minuten vorzustellen: Biomes, ein Biotech-Unternehmen, das einen Darmflora-Test mit Laborauswertungsservice für Endkunden entwickelt hat. Belyntic möchte ein Kit zur hochgradigen Reinigung von Peptiden, etwa für die Arzneimittelforschung, auf den Markt bringen. Famedly präsentierte ihr Konzept einer digitalen, dezentralen Kommunikationsstruktur für alle Beteiligten der Gesundheitsbranche. Die letzten beiden Pitches bestritten GHOST feel it, die mit smarten Technologien die Interaktion und das haptische Feedback zwischen Mensch und Technik, etwa bei Prothesen, optimieren wollen und schließlich ViSSEIRO, die mit einem Diagnosesitzkissen für die Übermittlung von Vital-Parametern – vornehmlich älterer Patienten – als Kernprodukt auftraten. Ihnen gegenüber wartete gespannt eine vierköpfige Jury, bestehend aus Marcus Luther (Berlin Health Innovations), Falk Teuscher (Die Brückenköpfe GmbH), Max Müseler (Betterguards Technology GmbH) und Fabian Müller (Kinderheldin GmbH).

Realitäts-Check erwünscht

Die harte Zeitvorgabe forderte dabei von allen hohe Disziplin. Dennoch ließ die Jury mit ihren freundlichen, aber bohrenden Nachfragen nichts aus: Fokussierung, Marktsegment, Kundentauglichkeit, Finanzierung – überall wurde den Teams auf den „Zahn gefühlt“. Und was nicht unmittelbar im Pitch und danach zur Sprache kam, wurde heißes Thema beim anschließenden Netzwerken. Laura Bücheler von GHOST feel it lobte den Effekt: „Für uns war das Feedback besonders wichtig, weil wir branchenübergreifend unterwegs sind. Das war ein guter Reality-Check für unser Konzept.“ Ohne den sollte auch nach Meinung von Falk Teuscher niemand den Saal verlassen. Der Juror setzte auch noch beim Büffet danach auf intensives Nachfragen, um den Teams möglichst viel Anregungen und „Manöverkritik“ mit auf den Weg zu geben: „Das hat großen Spaß gemacht und die Auswahl der Teams war plausibel. Nur ein wenig mehr Zeit für die Jury-Reaktionen hätte ich mir gewünscht. Ansonsten ist es eine gute Sache“, sagte Teuscher.

Türen öffnen, Wissen teilen

Auch Petra Palm von der AOK Nordost zog ein positives Resümee: „Für junge Unternehmen mit Ideen und Lösungen wollen wir hier bei uns im Haus buchstäblich die Türen öffnen. Denn wir haben Branchenwissen in diesem System Gesundheitswesen, das eines der komplexesten und auch kompliziertesten ist. Und jenes Wissen wollen wir als Brückenbauer ausdrücklich teilen. Der Start hat gut geklappt“, so Palm. Klar ist: Eine Neuauflage dieses Formats wird es nun erst recht geben.

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