Benjamin Thym: „Gespürt, dass Gründen etwas Gutes ist“

Der Offerista-Geschäftsführer macht auf der deGUT Mut zum Startup

 

BPW-Blog: Herr Thym, als einer der Geschäftsführer der Offerista Group mit populären Digitalprodukten wie der Smartphone-Scan-App „Barcoo“ haben Sie vermutlich nur wenig Freizeit – trotzdem nehmen Sie sich die Stunde, um bei der deGUT am 12. Oktober über das Gründen zu sprechen. Was werden Sie sagen und was zieht Sie dort überhaupt hin?

Benjamin Thym: Ich bin selbst gespannt auf die neugierigen Fragen. Ich lasse mich, lassen wir uns doch alle einfach überraschen. Die Gründungsphase war eine wirklich schwierige und anspruchsvolle Zeit. Wir nahmen ja schon 2009, motiviert durch die Beratung der Investitionsbank Berlin (IBB), am Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) teil. Das hat, auf jeden Fall mich persönlich, zum ersten Mal so richtig spüren lassen, dass Gründen etwas Gutes, gesellschaftlich Gewolltes ist, sozusagen „mit Bundesadler gesiegelt“. Vorher, in Schule und Studium, war das zu dieser Zeit – heute kaum mehr nachvollziehbar – noch überhaupt kein Thema. Dieses Gefühl des Rückenwindes für den eigenen Plan und die Anerkennung für Idee und Antrieb, das war ein positives Gefühl. Und ein Stück davon möchte ich auf meine Weise an die Gründerinnen und Gründer von heute zurückgeben.

Sie sprachen den BPW an. Was fällt Ihnen dazu heute noch ein?

Wir als Team dachten, das machen wir mal so nebenbei, kann nicht so dramatisch sein. Umso überraschter waren wir über die hohen Anforderungen: Zusätzlich zu den Aufgaben seitens der IBB mussten wir uns noch detaillerter mit allen Einzelaspekten des Gründens, insbesondere dem Businessplan als Kernstück, beschäftigen. Die drei Entwicklungsphasen des BPW haben uns früh auf eine iterative, also durch stete, lösungsorientierte Wiederbeschäftigung mit Problemen geprägte Arbeitsweise trainiert. Und dass wir ein Siegerteam wurden, war wohltuend als wichtiger Mosaikstein gerade für das Mindset als Gründer. Denn die werden ja dauernd mit Negativnachrichten wie dem Verlust potenzieller Investoren oder ähnlichem konfrontiert. Wo jeder Tag schwer war und man sich manchmal fragte, ob es noch Sinn macht, was man tut, kam ein Preis für Geleistetes und Gekonntes als Positivnachricht sehr gelegen.

Barcoo ist vielleicht das bekannteste, aber längst nicht mehr das einzige Produkt, das Sie entwickeln und vermarkten. Sie bieten erfolgreich digitale Services und Tools an, um den stationären Handel im Wettbewerb mit dem Online-Handel zu wappnen und die Vorteile der lokalen Präsenz zu stärken. Wie viel Gründergeist und Startup steckt noch in Ihnen?

Ich verfolge das Gründer- und Startup-Geschehen recht intensiv – nicht nur bei der deGUT – und gehe über die Zuschauerrolle auch hinaus. Denn ich bin selbst mittlerweile Business Angel und habe in hoffnungsvolle Gründungen investiert. Was Offerista angeht, versuchen wir, den Beschäftigten das Beste aus beiden Aggregatzuständen, Startup und etabliertes Unternehmen, zu bieten: Den innovationsfreundlichen, schöpferischen Freiraum der Gründerphase, kombiniert mit den größeren strukturellen Möglichkeiten eines gefestigten Unternehmens.

Zum Abschluss bitte in kurzen Worten ein Motto aus Ihrem persönlichen Erfahrungsschatz: Was sollten Gründerinnen und Gründer auf dem Schirm haben?

Zum Beispiel das, was mir damals erst durch die Praxis deutlich wurde:
Nach der Finanzierung ist vor der Finanzierung.

Besten Dank, Herr Thym und bis zur deGUT am 12. Oktober.

Wo und wann?
12. Oktober 2018
ab 17 Uhr
Seminarbereich der deGUT
ARENA Berlin (Treptow)
Eichenstr. 4
12435 Berlin

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