Besser auf die Realität vorbereitet: Luujuu erfindet Lernen für Ärztinnen und Ärzte neu

Während der BPW 2021 bereits am 09.10. auf den Deutschen Gründer- und Unternehmertagen, kurz deGUT, startet, würdigen wir noch einmal Preisträger aus 2020:

Allein am Schreibtisch sitzen und lernen ist oft nicht besonders effektiv und macht auch keinen Spaß. Während unsere Welt immer interaktiver und innovativer wird, pauken Medizinstudierende wie vor 100 Jahren allein am Schreibtisch. Luujuu verbindet Healthcare Education sowie Gamification und macht das Lernen im Gesundheitsbereich innovativ.

„Wenn du gerne Entscheidungen triffst, dann werde Arzt oder Ärztin“

Mitgründerin Dr. Johanna Ludwig arbeitet seit sieben Jahren in der Unfallchirurgie. Während ihrer ersten 24-Stundenschicht war nach neun zehrenden Stunden in der Notaufnahme ihre Entscheidungsfindung getrübt. Zu entscheiden, ob ein Patient geröntgt werden soll oder nicht, stellten sich als größere Herausforderung dar als angenommen. „Damals dachte ich, dass ist totaler Quatsch zu sagen, wenn du Menschen magst, dann mach was mit Medizin. Es müsste heißen: Wenn du gerne Entscheidungen triffst, dann werde Arzt oder Ärztin“, erklärt Ludwig. Das Gefühl machte sich breit, dass das Studium sie nicht auf diese Entscheidungslast vorbereitet hätte. Jetzt will sie gemeinsam mit ihrem Team das Thema der medizinischen Aus- und Weiterbildung um eine neue interaktive Seite bereichern.

Ärztliche Entscheidungsfindung per App trainieren

Luujuu entwickelt eine App, die Patienten und ihre verschiedenen Krankheiten simuliert. Der virtuelle Patient beschreibt sein Anliegen und die Spieler entscheiden, was die nächsten Schritte sind: Mach ich mit der Anamnese weiter, frage ich, was der Patient für Tabletten nimmt, oder ist es Zeit für eine Blutuntersuchung? „In der Uni lerne ich, wie ich Bluthochdruck und eine Niereninsuffizienz behandle. Wenn ich aber jemanden in der Rettungsstelle habe, dann hat der nicht entweder Bluthochdruck oder eine Niereninsuffizienz, sondern gleich mehrere Erkrankungen,“ so Ludwig.
Um Patienten nachhaltig gut behandeln zu können, müssen viele Faktoren im Hinterkopf behalten werden, weil sie die ärztliche Entscheidungsfindung beeinflussen. Die App kann diesen Vorgang simulieren und angehende Ärztinnen und Ärzte dafür sensibilisieren.

Patienten melden sich per Push-Nachricht

Nachdem ein Patient im Krankenhaus behandelt wurde, erfahren die Ärzte selten, wie gut eine Behandlung funktioniert hat. Für junge Ärzte beeinträchtigt das die Lernkurve. Die App hakt genau hier ein. Wird der Blutdruck eines virtuellen App-Patienten falsch eingestellt, ploppt auf dem Handy die Nachricht auf, dass der Patient gestürzt ist aufgrund des zu niedrigen Blutdrucks. So wird das Lernen in den Alltag integriert und beim Warten auf den Bus, kann überlegt werden, wie der virtuelle Patient nun weiter behandelt werden kann.

Interaktives Lernen weiterentwickelt, auch dank des BPW

Das Team und Luujuu beschäftigte sich während des Wettbewerbs mehr mit ihrem eigenen Produkt, erkannte Chancen und Risiken, identifizierte Schlüsselfaktoren und konnte das Projekt besser strukturieren. „Die Zeit beim BPW hat uns angetrieben, neue Diskussionen stimuliert, und es hat viel Spaß gemacht. Wir haben die Zeit genossen, und sie hat unserem Projekt sehr gut getan,“ sagt Ludwig.

Luujuu als Teil der medizinischen Ausbildung

Im Dezember bringt das Team als erstes Produkt ein Mediziner-Kartenspiel heraus, das interaktives und soziales Lernen ermöglicht. Parallel arbeitet das Team am Datenpool des virtuellen Patienten. Hier soll es einfachere und schwierigere Fälle geben, mit denen die Mediziner lernen können. Das große Ziel: Teil der medizinischen Ausbildung zu werden. Weg vom Schreibtisch: Lernen integrieren in den Alltag—interaktiv und mit Spaß.

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