Aus 25 Jahren BPW: Spendino – Gründen als Metamorphose

Mitten im Jetzt, aber schon mit einem Bein in der Zukunft: So agieren Gründerinnen und Gründer, und so agiert auch der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg als Starthelfer. Doch wer so etwas bereits 25 Jahre leistet, schreibt damit auch Wirtschaftsgeschichte. Und aus der lässt sich lernen. Deswegen blickt der BPW diesmal zurück: Willkommen im Jahr 2009! Sascha Schubert und seine Startup-Kollegen sind voller Gründerdrang. „Wir waren gerade mit einem der damals sehr angesagten Social Networks für spezifische Zielgruppen am Ball. Es ging um ein solches Netzwerk speziell für Frauen. Doch, gleichsam als positive Nebenidee, dachten wir auch über die Möglichkeiten der sogenannten Premium-SMS nach. Wir wollten aus SMS – damals ein noch viel wichtigeres Tool der Handynutzung als heute – mehr machen“, erinnert sich Schubert.

Spenden neu gedacht

Heraus kommt dabei eine ebenso einfache wie bestechende Idee: Wird Mehrwert durch SMS bislang vor allem durch den Verkauf individueller Klingeltöne an Endnutzer erzielt, denken Schubert und seine Kollegen bereits in Kategorien, die heute Standard sind: Das Handy als Hilfsmittel für digitales Spendensammeln! „Wir wollten damit auch Jüngere zum Spenden animieren. Das ließ uns nicht mehr los. Andere Leute kamen dazu: Marius Neumann und Florian Nöll, aber auch Martin Müller von einem damals großen Klingeltonanbieter. Er kannte sich bestens mit der SMS-Technik aus“, so Schubert. Das neue Team unter dem Label Spendino will aber mehr als die kurzfristigen Kundenbindungen wie bei Klingeltondownload. „Uns ging es nicht um die einzelne Spende, sondern um Dauerbeziehungen und Patenschaften, die Non-Profit-Organisationen helfen sollten, einen kontinuierlichen Spendenfluss mit steigendem Volumen zu generieren.“ Eine Idee, die fast atemberaubend schnell an Fahrt gewinnt. Beim BPW holt sich das Team viel Wissen und vor allem Kontakte: „Daran teilzunehmen hilft einfach, den Gründungsprozess zu strukturieren. Die vorderen Plätze beim BPW brachten uns die notwendige Aufmerksamkeit. Und vor allem öffnet der Wettbewerb einfach Türen zu den regionalen Akteuren“, hebt Schubert hervor.

Starker Start, neue Widerstände

Das Vorhaben kommt in Fahrt: Bald ist die Investitionsbank Berlin (IBB) mit an Bord, und auch Business Angels lassen nicht lange auf sich warten: Etwa zwanzig Kapitalgeber ermöglichen es, ein massives Marketing für Spendino zu starten. Die ersten Erfolge scheinen den Weg zu bestätigen. Zwei karitative Organisationen aus den Bereichen Foodsaving bzw. Kinderförderung entscheiden sich für das webbasierte SMS-Spendensystem. Doch später wird der Weg zusehends steiniger. Sascha Schubert: „Das Spendenverhalten per Handy wuchs gerade bei Älteren zunächst nicht so schnell wie es nötig gewesen wäre. Und einer der wichtigsten Telekommunikationsanbieter in Deutschland sperrte sich technisch gegen das Konzept, langfristige Beziehungen zu Spendenwilligen aufzubauen. Und schließlich kam die rasante Entwicklung der Telekommunikation dazu: SMS wurden im anbrechenden Smartphone-Zeitalter, zumindest für diesen Zweck, einfach obsolet.“

Neue Perspektiven

Schubert sieht die Situation klar vor sich: Spendino funktioniert zwar, doch es wächst nicht wie erwartet und verliert immer mehr die Perspektive, auch international Erfolge zu erreichen. Schuberts Gründerimpulse melden sich. Er möchte, wie alle Pioniere, etwas Neues erreichen, das sich noch besser, langfristiger und umfassender entwickelt. Und so entschließt er sich, Spendino zu verkaufen. „Im Silicon Valley traf ich dann Oliver Grün, dem ich zuvor schon mehrmals begegnet war. Oliver sah für Spendino passende Perspektiven und kaufte das Unternehmen“, erzählt Schubert, der in der Übergangsphase noch einige Zeit bei Spendino an Bord blieb. Auch Dr. Oliver Grün, Vorstand und CEO der GRÜN Software AG, erinnert sich noch genau daran. „Wir teilten die gleiche Vision vom Online-Fundraising und Sascha hatte mit seinen Co-Foundern ein spannendes Produkt für ein echtes Kundenbedürfnis hervorgebracht. Von daher wurden wir uns schnell einig.“

Dr. Oliver Grün

Online-Lösung für kleinere Organisationen

Das ist jetzt einige Jahre her und inzwischen sorgt Ralph Backes, Director Research & Business Development und Leiter des GRÜN Lab, dafür, das Spendino das tut, was es soll: „Es war damals der richtige Zeitpunkt für Spendino, sich unter unserem Dach neu auszurichten. Für uns als Marktführer im Fundraising-Bereich war es eine wertvolle Ergänzung unseres Portfolios und eine echte Online-Fundraising-Lösung für kleinere Organisationen“, erinnert sich Backes. Immerhin, sagt er, gebe es in Deutschland mehr als 600.000 Vereine, darunter eine Vielzahl gemeinnütziger Vereine, wobei rund fünf Milliarden Euro pro Jahr bewegt würden.
Seit der Zeit bei GRÜN wurde Spendino konsequent als reine Online-Lösung für das Spendensammeln kleiner bis mittelgroßer Organisationen weiterentwickelt. Eine Strategie, die sich offensichtlich bewährt. Backes dazu: „GRÜN spendino ist nicht alleine auf dem Markt, hat aber seine Alleinstellungsmerkmale. Wir entwickeln Spendino kontinuierlich weiter und bieten unseren Kunden regelmäßig neue Features. Aber Entwicklung und Wachstum finden organisch statt.“

Ralph Backes

Evolution statt Revolution Und wieviel vom einstigen „Startup-Modus“ hat Spendino noch? Backes unterscheidet zwischen zwei Strategien. Konzepte mit grenzenlosem Anspruch und nahezu ohne Wachstumsbegrenzung in Sachen Reichweite, Umsatz und Gewinn seien revolutionär und eher typisch für Startups, wozu massive Werbung und Marketing und Kampf um Wachstum gehörten. „Das war wohl beim Start von Spendino so. Sie haben viel richtig gemacht, sind groß reingegangen in den Markt, haben viel Venture- und Fremdkapital für sich akquirieren können. Doch der Markt entwickelte sich dann doch anders und vor allem langsamer als erwartet“, so Backes. Die andere Lösung sei die, mit der Spendino bis heute unterwegs ist. Für Backes sind das gute Perspektiven: „Kundenorientiert arbeiten, auf Kontinuität setzen und das Produkt vor allem aus der eigenen, inneren Kraft heraus solide weiterentwickeln, eher evolutionär agieren: Das macht für mich die Haltung des Mittelstandes und der kleinen und mittleren Organisationen als unserer Zielgruppe für Spendino aus. Und das findet sich darin, dass das Produkt nun als kleiner, aber feiner Baustein zu einem großen Unternehmen gehört, ziemlich gut wieder.“

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