1. BPW-Kontaktabend 2019: Netzwerken in bester Atmosphäre

Wenn sich „etwas zusammenbraut“, zeigt sich gewöhnlich Ärger am Horizont – es sei denn, die Rede ist von der richtigen Veranstaltung am richtigen Ort: Der 1. Kontaktabend des Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) 2019 im Kesselhaus der Kulturbrauerei Berlin war charmant und großzügig gestaltet vom Gastgeber Berliner Volksbank – und einmal mehr ein echter Januar-Magnet. Während am Donnerstag frostiges Wetter regierte, war die Halle im „industrial Style“ der atmosphärische Ort für mehr als 350 Gäste, die in Sachen Gründungskultur und Startups etwas anschieben wollen. Das lag vor allem an der praxisnahen Organisation: Der „Marktplatz“ machte es den Gästen leicht, mit Unternehmens- und Verbandsvertretern locker ins Gespräch zu kommen. Und wer brennende Fragen zum eigenen Projekt hatte, war beim „Meetingpoint“ richtig: Per Steckbrief den richtigen Ratgeber ermitteln und fix zwischen den Bistrotischen entdecken – so schnell können Sorgen abgeräumt werden. Es gab sogar eine Farbkennung für Branchen- und Interessenschwerpunkte, die es doppelt leicht machte, den richtigen Kontakt zu finden.

Das von Anfang an inspirierte Klima zwischen Gründerinnen und Gründern, erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern, Coaches und Business Angels ermunterte auch Dr. Caroline Toffel als taufrisches Mitglied des Vorstandes der Berliner Volksbank dazu, das positiv umgepolte Brauerei-Wortspiel in ihre Begrüßung einzuflechten: „Hier kommen Menschen zusammen, die sich selbst etwas Gutes zusammenbrauen: Intensiven Austausch von Gründer- und Geschäftswissen, Tipps und Rückhalt für das eigene Businessprojekt. Die Volksbank steht da nicht nur hinter, sondern lebt die Gründerkultur als Unterstützerin mit. Denn die Schöpfer der Genossenschaftsidee und damit auch der Volks- und Raiffeisenbanken, Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen, sind schließlich so etwas wie die ersten Crowdfunder gewesen“, so Toffel. Das Engagement konnte sie mit beachtlichen Zahlen belegen: 900 sorgsam geprüfte Projekte mit wertvollem Feedback und solide 200 Finanzierungen für Startups allein im vergangenen Jahr, davon 25 Millionen Euro in Berlin und, sogar mit leicht steigender Tendenz zum Vorjahr, 16,5 Millionen Euro im Land Brandenburg.

Bevor nicht nur Salate aufs Buffet kamen, wurde es erst mal auf der Bühne knackig: Drei Startups, drei Live-Pitches und die volle Dosis Aufregung: Die war verständlich, ging es doch beim traditionellen StarTUp Award der Berliner Volksbank und der Technischen Universität (TU) Berlin um satte Preisgelder. Während im Rücken die Riesenuhr auf dem Screen unbestechlich rotierte, kämpften nacheinander: Oculid, aktiv in der Datensicherheit bei der Entwicklung einer zuverlässigen, benutzerfreundlichen, biometrischen Authentifizierung, UpCandle, Produzenten für natürliche Aromakerzen und Duftkonzepte aus nachhaltigen Rohstoffen und Visseiro, Entwickler eines Sitzkissens, dass auf bequeme Weise ärztlich verwertbare Vitalparameter misst. Unter den Augen von Karin Kricheldorff, stellvertretende Leiterin des Centre for Entrepreneurship der TU, sowie Klaus-Martin Steinmüller als Direktor des Volksbank-KompetenzCenters zeigten die Mutigen auf der Bühne bisweilen Nerven. Da rissen schon mal rote Fäden und man meinte, das Schlucken zu hören. Doch alle zeigten echte Gründerqualitäten. Sie gaben nicht auf. Oculid-Co-Gründerin Dr. Antje Venjakob indes blieb nicht nur am ruhigsten, sondern überzeugte auch konzeptionell: Platz 1 und damit 3.000 Euro gingen an Oculid. Ihr Kommentar mit Augenzwinkern: „Zuerst kaufen wir einen Trinkwassersprudler plus Glasflaschen fürs Team – und den Rest stecken wir in die Eigenanteile, die wir brauchen, um diverse Fördermittel in Anspruch nehmen zu können. Denn wir sind auf dem Weg, unsere Prototyptechnologie nun marktreif und bequem anwendbar auf Endgeräten wie Handy und Tablet weiterzuentwickeln“, so Venjakob. Platz zwei errang das Team von Visseiro und freute sich über 2.000 Euro, immerhin Bronze und stattliche 1.000 Euro konnten UpCandle verbuchen.

Was ihn immer am Kontaktabend begeistert, brachte Klaus-Martin Steinmüller danach auf den Punkt: „Was man da für tolle Geschäftsideen kennenlernt, welche Gedankengänge an den Stehtischen ausgetauscht werden, das ist faszinierend. Und hier kommen alle Branchen, alle Generationen, alle Persönlichkeiten, vom Krawattenträger bis zum fast jugendlichen Gründer ohne Scheu ins Gespräch. Klasse.“, so Steinmüller.

Im Saal sahen das viele genauso, etwa App-Entwicklerin Marian Knapschinsky: „Ich bin erst vor zwei Monaten beim BPW Plan eingestiegen. Das hier ist eine schöne Veranstaltung, um zu sehen, was alles möglich ist. Die Pitches haben das noch aufgelockert. Das ist meine zweite BPW-Veranstaltung. Die Erste, zu Finanzierungsfragen, war auch schon richtig gut“, freut sich Knapschinsky. Aus Brandenburg kam auch Anerkennung. Stephen Rick Krause und Toni Simon sind im Handwerk aktiv, mit Fokus auf Photovoltaik. Mit ersten Ansätzen zu einer Gründungsidee hatten sie sich auf den Weg gemacht: „Wir konnten hier schon mal sehen, was es für Angebote gibt und wie das hier läuft. Wir haben den Meetingpoint genutzt und uns überhaupt erst einmal einen Überblick verschafft“, so Krause.

Gefeiert und kontaktet wurde auch noch, nachdem schon die letzte Runde ausgerufen war. Nicht nur das brachte Madlen Dietrich, Referatsleiterin Innovationspolitik und Digitale Wirtschaft bei den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg (UVB), als Mitglied des BPW-Teams zu einem positiven Resümee: „Einfach schön, von der Bühne in einen vollen Saal zu blicken. Da waren viele bekannte, aber auch so viele neue Gesichter darunter – und die Gespräche danach haben wieder eine enorme Themenvielfalt gezeigt. Und ich erinnere gleich noch einmal daran: Am 15. Januar ist bis Mitternacht erster Abgabetermin im Wettbewerb!“

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